https://www.faz.net/-gtm-a459d

Neuzugang bei der Eintracht : Younes ist jetzt stärker und erwachsener

  • -Aktualisiert am

Karriere mit Höhen und Tiefen: Younes hat schon einiges erlebt. Bild: Jan Huebner

Neuzugang Amin Younes genießt den Ruf eines eleganten Dribblers und Edeltechnikers. Bei der Eintracht will der flinke Spieler wieder zu alter Stärke aufblühen. Die Fehler der Vergangenheit hat er aufgearbeitet.

          3 Min.

          Amin Younes und Markus Schubert trainierten einfach weiter. Nachdem die Einheit mit der Mannschaft unter Anleitung von Cheftrainer Adi Hütter beendet war, legten die beiden Neuen im Eintracht-Kader im Regen am Dienstagvormittag eine Sonderschicht ein. Schubert stand im Tor, Younes prüfte dessen Fähigkeiten mit präzisen Schüssen. Zudem schulte der Offensivspieler im Duell eins gegen eins seine Fertigkeiten beim Abschluss.

          Bundesliga

          Der 1,68 Meter kleine Younes, dem als flinker Spieler der Ruf eines eleganten Dribblers und Edeltechnikers vorauseilt, war gut in Schuss. „Die Beweglichkeit, das Kreative, die Spontaneität, Dinge zu entscheiden, und das Eins-gegen-eins im letzten Drittel“ – das seien seine Stärken, sagte Younes später bei seiner Präsentation. Seit wenigen Tagen trägt der Leihspieler aus Neapel, der sich als offensiver „Allrounder“ am besten beschrieben fühlt, das Eintracht-Trikot. Er sei „kein Typ“, der bei einem Angebot „alles sofort macht“, betonte der in Düsseldorf geborene Deutsch-Libanese. „Doch bei der Eintracht hat sich alles gut angefühlt, ich wollte unbedingt hier sein.“

          „Ein verschworener Haufen“

          Das sei es ihm auch wert gewesen, „beim Finanziellen Verzicht zu üben. Wir sind uns alle entgegengekommen“, sagte er. Ein Gespräch mit Torhüter Kevin Trapp bestärkte Younes darin, nach sechs Jahren in die Bundesliga zurückzukehren. „Man hat das Gefühl, dass die Eintracht ein verschworener Haufen ist.“ In den kommenden beiden Jahren will Younes nun „ein Teil davon sein“. Am meisten geht ihm im Moment laut eigener Einschätzung die „Spielfitness“ ab. Denn in Neapel unter Trainer Gennaro Gattuso zählte er nicht mehr zum Stammpersonal. Von einem Neustart in Frankfurt möchte Younes, der als italienischer Pokalsieger an den Main gekommen ist, dennoch nicht sprechen. „Ich hatte in Neapel auch zwei gute Jahre mit Trainer Carlo Ancelotti. Neapel ist eine Topadresse mit Topspielern.“ Man könne deshalb nicht erwarten, „dort jedes Spiel zu machen“, meinte Younes. „Ich habe unglaublich viel gelernt – als Spieler und als Mensch.“

          In seiner wechselhaften Karriere hat Younes einiges erlebt. „Viele Höhen und Tiefen“ – so bringt er es auf den Punkt. Für seine Leistungen erhielt der Flügelflitzer große Anerkennung. Er sah sich aber auch erheblichen Anfeindungen ausgesetzt. Eine Zeitlang kam seine Karriere einer rasanten Achterbahnfahrt gleich. Im Sommer 2017 positionierte er sich als vielbeachteter Shootingstar im deutschen Fußball. Younes, der im Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach ausgebildet wurde und alle deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften durchlief, stand mit Ajax Amsterdam gegen Manchester United im Finale der Europa League.

          Sprung in die Nationalmannschaft

          Er schaffte den Sprung in die Nationalmannschaft, sogar ein Titel sprang beim Confed Cup heraus. Nach dem Confed-Cup-Sieg teilte er Amsterdam mit, den Klub verlassen zu wollen. Die Niederländer aber ließen ihn zunächst nicht gehen. Im Januar 2018 absolvierte Younes den Medizincheck in Italien und ließ sich mit einem Neapel-Schal fotografieren. Einen Vertrag aber unterschrieb er nach eigener Aussage nicht. Younes kehrte nach Amsterdam zurück und machte „den größten Fehler“, wie er es selbst ausdrückte: Im März 2018 im Spiel gegen Heerenveen verweigerte er in der Nachspielzeit die Einwechslung. Danach fand Younes keine Aufnahme mehr in den Profikader, galt als „Arbeitsverweigerer“ und „Vertragsbrecher“.

          Im Rückblick stellt Younes fest, damals naiv gewesen zu sein und den „falschen Menschen“ vertraut zu haben. „Manche Leute haben mir Flöhe ins Ohr setzen wollen. Und ich habe sie mir leider reinsetzen lassen“, sagte er in einem Interview. Fehler räumte er ein, ihm war es wichtig, dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht habe er sich „zu sehr von Emotionen leiten lassen“, meinte er. Im Juli 2018 wechselte Younes doch nach Neapel – und das, obwohl seine Achillessehne zu diesem Zeitpunkt gerissen war. „Der Junge ist verletzt, aber den kriegen wir hin“ – die Aussage des damaligen Trainers Ancelotti sei „die größte Wertschätzung für mich“ gewesen, sagt Younes. Am Dienstag in Frankfurt machte er einen zielorientierten und geerdeten Eindruck. „Die negativen Dinge lassen einen stärker und erwachsener werden“, sagte er.

          Zurück in die Nationalmannschaft? Auf Nachfrage erklärte der fünfmalige Nationalspieler, dass er die „Hoffnung und den Wunsch“ habe, „dort noch mal spielen zu können“. Fürs Erste aber konzentriert er sich ganz auf die Eintracht. „Ich bin zum richtigen Zeitpunkt hierhergekommen“, sagte der neue Offensivspieler. Es ist sein Traum, noch einmal in einem Finale der Europa League zu stehen – diesmal mit der Eintracht.

          Weitere Themen

          Segler Escoffier aus Seenot gerettet Video-Seite öffnen

          Drama bei Vendée Globe : Segler Escoffier aus Seenot gerettet

          Bei der Segelregatta Vendee Globe hat der Franzose Kevin Escoffier Schiffbruch erlitten. Mitten im Südpolarmeer musste er sich von seinem sinkendem Boot auf eine Rettungsinsel retten und einen Notruf absetzen.

          Topmeldungen

          Täter festgenommen : Vier Tote bei Amokfahrt in Trier

          Ein Mann rast in Trier anscheinend wahllos mit einem SUV durch eine Fußgängerzone und tötet vier Menschen. Auf einem Video ist zu sehen, wie Polizisten den mutmaßlichen Fahrer danach überwältigen.
          Nicht nur digital: Der Bericht der Fachleute regt mehr informelle Treffen der Nato-Außenminister vor

          Nato-Strategiebericht : Im Zeichen von Russland und China

          Ein Expertenbericht beschreibt eine neue Sicherheitslage für die Nato. Man erlebe die Wiederkehr des „geopolitischen Wettbewerbs“ und der „Systemrivalität“. Das Bündnis müsse sich reformieren, um dem gewachsen zu sein.
          Polizisten suchen im Oktober 2018 nach einem versuchten Anschlag auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München die Schienen ab. Nun wird der Fall vor Gericht verhandelt.

          Manipulierte ICE-Strecken : Mit IS-Propaganda und Holzkeilen

          In Wien steht ein Iraker wegen Terrorismusverdachts vor Gericht. Er gibt Manipulationen an ICE-Strecken in Deutschland zu, verharmlost sie aber: Er habe niemandem schaden, sondern zum Nachdenken anregen wollen. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.