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Abschiede bei der Eintracht : Mit allem Respekt

  • -Aktualisiert am

Berührender Abschied: Marco Russ und Gelson Fernandes im Kreis der Mannschaftskollegen Bild: Patrick Scheiber/Jan Huebner/Poo

Es ist geschafft! Die Eintracht verabschiedet sich mit einem 3:2 gegen Paderborn zum Abschluss der Bundesliga-Saison in den verdienten Urlaub. Im Mannschaftskreis fließen Tränen.

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          Die letzten Minuten der längsten Fußballsaison in der Geschichte der Frankfurter Eintracht verliefen so emotional, als hätte der Schlussakkord über das Wohl und Wehe dieser Spielzeit entschieden. Dabei hatte das 3:2 am letzten Bundesligaspieltag über den SC Paderborn nicht mehr als einen Sommerkick dargestellt, dessen Ertrag von drei Punkten noch nicht einmal nötig gewesen wäre, um den neunten Platz in der Abschlusstabelle zu behaupten.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dass Trainer, Spieler und Betreuerteam über 20 Minuten nach dem Abpfiff sich auf dem Rasen der WM-Arena noch zu einem Abschiedsfoto versammelten, zeigte den außergewöhnlichen Geist und den Zusammenhalt, der in dieser Profitruppe herrscht. Zuvor war im Mannschaftskreis so manches Wort gefallen und so manche Träne zerdrückt worden. Denn für Marco Russ, Gelson Fernandes und Jonathan de Guzman endete das Engagement als Eintracht-Profis. Drei Persönlichkeiten, die zuletzt mehr in der Kabine und auf dem Trainingsplatz ihren Beitrag zum Allgemeinwohl beigetragen hatten als in den Stadien. „Ich habe nach dem Spiel die Möglichkeit genutzt, den Kreis zu bilden, was ich sonst nie mache, um Danke an die drei und an alle Beteiligten für diese tolle Saison zu sagen“, erklärte Eintracht-Trainer Adi Hütter.

          Eigentlich wollte er allen Dreien zum Abschied einen Kurzeinsatz gönnen, da aber die Paderborner aus dem 0:3 nach Toren von Rode, Silva und Dost ein 2:3 machten (Torschützen Dräger und Michel), beließ es Hütter bei der Einwechslung de Guzmans. Russ und Fernandes waren nach langen Verletzungspausen nicht in der Verfassung, sie bedenkenlos einsetzen zu können. „Ich wollte die Partie unbedingt gewinnen, da wurde ich leider zum Spielverderber. Ich hoffe, sie nehmen es mir nicht böse“, sagte Hütter.

          Er musste keine Angst haben. „Das Spiel stand auf der Kippe. Daher war die Entscheidung für mich selbstverständlich. Ich bin jetzt happy“, sagte Russ, der 1996 mit elf Jahren zur Eintracht kam und bis auf anderthalb Jahre beim VfL Wolfsburg dem Klub immer treu blieb. Der fast 35 Jahre alte Hanauer bestritt im August in der Europa-League-Qualifikation gegen Vaduz sein 328. und letztes Pflichtspiel für die Eintracht. Nach einer halben Stunde riss ihm eine Achillessehne. Mit den Nachwirkungen hatte der Innenverteidiger bis zum letzten Spieltag zu kämpfen. „Ich hätte mich über zwei, drei Minuten gefreut, aber der Sieg war wichtiger. Die Punkte sind für die TV-Wertung wertvoll. Im Kader gewesen zu sein, war mir Respekt genug.“

          Der Realität verhaftet, wie der Hesse nun einmal ist, nahm er seinen Abschied, ohne in allzu große Wehmut zu verfallen. „Nach dem Achillessehnenriss im vergangenen Jahr hatte ich genug Zeit, Abstand zu gewinnen, mir ist es immer schwerer gefallen, mich in die richtige körperliche Verfassung zu bringen.“ Russ bleibt der Eintracht erhalten, er wechselt nun in die Analyseabteilung des Klubs. Zu einer besonders gefühlvollen Bemerkung ließ er sich dann doch noch hinreißen: „Nach meiner Familie ist die Eintracht das Größte.“

          Hütter fand lobende Worte für Russ, die den Verteidiger charakterisierten: „Ich habe Marco in den vergangenen zwei Jahren als Typen mit klarer Meinung kennengelernt, der innerhalb der Mannschaft eine wichtige Rolle eingenommen und zum DFB-Pokalsieg beigetragen hat. Ich habe Respekt vor seiner Leistung für diesen Verein.“

          Angesteckt von den Emotionen des letzten Arbeitstages sprach der sonst so abwägende und kontrollierte Hütter einen bekennenden Satz: „Ich bin stolz, Trainer von Eintracht Frankfurt zu sein.“ Er bezog das auf vieles, aber vor allem auf die Mentalität seiner Spieler, die sich auch in schwierigen Situation durchbissen, obwohl sie bis an die Grenze belastet waren. „Wir haben in zwei Jahren 104 Spiele bestritten, davon 29 im Europapokal. Wir haben 99 Punkte in der Bundesliga geholt, das sind fast 50 im Schnitt. Und wir waren im Halbfinale des DFB-Pokals. Das alles kann sich mehr als sehen lassen.“

          Der Österreicher verhehlte aber nicht, dass die Mannschaft viel zu viele Gegentore hinnehmen musste. 60 in der Bundesliga. Dabei blieb der Abwehrverband unverändert. Dagegen bewahrheitete sich die Befürchtung nicht, dass nach dem Weggang des Traum-Sturms Haller, Jovic und Rebic eine Torflaute eintreten würde. In der Bundesliga erzielte die Eintracht mit den Stürmern Silva, Dost und Paciencia mit 59 Treffern nur einen weniger als in der Vorsaison. Dabei hatten alle drei Stürmer längere Verletzungsphasen.

          Aber allzu lange mochten sich die meisten Eintracht-Protagonisten nach fast zwölf Monaten (mit Vorbereitungszeit) Fußball mit Analysen nicht aufhalten. Die Gedanken gingen Richtung Urlaub. Vier Wochen gibt Hütter seinen Spielern frei, ehe nach einer guten Woche Training am 5. August das Achtelfinal-Rückspiel gegen Basel ansteht. Ein Datum, das noch nicht sonderlich aufregte. Sogar Sportvorstand Fredi Bobic sagte: „Jetzt sind wir erst mal froh, dass es rum ist. Alle sind glücklich, jetzt in den Urlaub zu kommen.“

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