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Eintracht in der Bundesliga : Zeit für Entwicklungsarbeit in Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Womöglich bleibt selbst Filip Kostic in der nächsten Saison bei der Eintracht. Bild: EPA

Mit dem 1:1 in Köln hat sich das Thema Europa und magische Nächte für die Eintracht vorerst erledigt. Für die neue Saison herrscht nun im Mittelfeld und auf den Außenbahnen Handlungsbedarf.

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          Amtlich ist es immer noch nicht. Aber keiner aus dem Mannschaftskreis der Eintracht wagte es am Samstag, die Möglichkeit beim Namen zu nennen, noch über den Gewinn der diesjährigen Europa- League-Kampagne an der nächsten Champions League teilzunehmen. Nach dem 0:3 im Achtelfinalhinspiel würde es im Rückspiel gegen Basel eines kleines Fußball-Wunders bedürfen – und danach beim Finalturnier mehrerer noch dazu.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Nach dem 1:1 beim 1. FC Köln und den Siegen von Wolfsburg und Hoffenheim ist für die Eintracht das Thema Europapokal erledigt. Trainer Adi Hütter beantwortete die Frage, ob er für die Vorbereitung auf die Begegnung mit Basel Anfang August schon einen Plan habe, mit einem knappen „Ja“. Ausführen mochte er ihn nicht. „Wir gehen nach dem Spiel gegen Paderborn erst einmal in den wohlverdienten Urlaub. Der Fokus ist ganz auf Paderborn gerichtet.“

          Dass demnächst keine magischen Europapokal-Nächte mehr anstehen, trieb keinen Frankfurter in die Verzweiflung. Sie konnten sich ja auch schon lange an den Gedanken gewöhnen. Hütter meinte nur: „Schade“ und fand: „Enttäuschend ist das falsche Wort.“ Innenverteidiger Hinteregger erinnerte daran, dass vor wenigen Wochen niemand mehr daran geglaubt hätte, wieder eine Chance auf Europa erlangen zu können: „Wenn wir nach so einer turbulenten Saison mit Platz acht abschließen, können wir sehr stolz sein“, sagte der Österreicher.

          Sportdirektor Bruno Hübner mochte nicht nur das Negative sehen: „Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits bedauere ich es, weil Eintracht Frankfurt Europacup einfach kann. Andererseits hat Adi Hütter jetzt die Zeit, die Mannschaft zu entwickeln.“ Hütter ließ keine Zweifel daran, dass es ihm und seinen Profis lieber gewesen wäre, wieder international zu spielen. „Wir wollten die letzte Chance wahren. In der Halbzeit haben wir natürlich gewusst, dass Hoffenheim und Wolfsburg geführt haben.“ Dennoch jagte sein Team dem Traum von Europa weiter nach, glich die Kölner Führung von Kainz (45., Foulelfmeter) durch Dost (72.) aus und hatte mehrere Möglichkeiten auf den Siegtreffer.

          „In der zweiten Halbzeit haben wir fast auf ein Tor gespielt“, stellte Hütter fest und fügte an: „Es ist natürlich schade, dass wir nach 29 internationalen Spielen in den vergangenen beiden Jahren nicht dabei sind. Auf der anderen Seite war es keine einfache Saison. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir jedes Jahr in Europa spielen.“ Auch das Halbfinale im DFB-Pokal und das Achtelfinale in der Europa League waren nicht unbedingt zu erwarten gewesen.

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          In den vergangenen Wochen bewies die Eintracht, dass ihr vor der nächsten Saison nicht bang sein muss. Der Kader untermauerte mit drei Auswärtssiegen in Folge und weiteren souveränen Auftritten seine Bundesligatauglichkeit. Und die Leistungsträger bleiben fast alle an Bord. Sogar Filip Kostic könnte bleiben, wenn sich der Transfermarkt nicht wieder belebt. Aber vom serbischen Linksaußen war die Eintracht in den vergangenen Wochen kaum noch abhängig. Kostic musste seinem Mammutprogramm mit über 50 Pflichtspieleinsätzen Tribut zollen und legte für seine Verhältnisse diskrete Auftritte hin.

          Verlassen werden die Eintracht Ersatztorwart Rönnow, der Trapp in Köln gut vertrat, sowie die Routiniers Russ, de Guzman und Fernandes. Deren Verträge laufen zum 1. Juli aus. Dafür kehren die Leihspieler Tuta, Joveljic und Zalazar zurück, womit der Kader mit 24 Profis schon jetzt gut gefüllt ist. Da keine Europapokal-Verpflichtungen lauern, besteht auch kein Zwang zur Vergrößerung. Es ist also keine große Fluktuation zu erwarten, punktuell jedoch muss das Aufgebot ergänzt werden. Mit Kamada und Gacinovic fällt die Besetzung des offensiven zentralen Mittelfeldes dünn aus, und auch auf den beiden Außenbahnen fehlt es an Tempo-Dribblern (Kostic ausgenommen). Alle anderen Positionen sind hinlänglich mit Personal abgedeckt.

          Es wird interessant sein zu sehen, ob die Eintracht zu ihrer mutigen und erfolgreichen Transferpolitik der ersten Jahre unter Sportvorstand Fredi Bobic zurückkehrt. Da brachten Spieler wie Jovic, Haller, Vallejo, Mascarell und Wolf frisches Blut und auch frisches Geld (sofern sie nicht ausgeliehen waren) in den Verein. Zuletzt war die Richtung deutlich konservativer mit der Verpflichtung von gestandenen Bundesligaspielern. Nun, da durch die finanziellen Ausfälle durch die Corona-Pandemie und die finanziellen Verpflichtungen durch den Stadionausbau sowie den Neubau des Proficampus das Budget für Transfers wieder knapper ist, könnte die Eintracht zu ihrem Glück gezwungen sein. Erfahrung hat sie jedenfalls schon genug im Kader.

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