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0:1 in Freiburg : Die Eintracht sieht Rot

Heftiger Aussetzer: Eintracht-Kapitän David Abraham rennt Freiburgs Trainer Christian Streich um Bild: Imago

Frankfurt verliert in Freiburg – und gleich zwei Eintracht-Spieler fliegen mit Roter Karte vom Platz. David Abraham leistet sich einen heftigen Aussetzer gegen SC-Trainer Christian Streich. Auch ein Freiburger erhält einen Platzverweis.

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          Am Ende lagen die Nerven vollends blank. Eintracht-Kapitän David Abraham, in der 90. Minute beim Stand von 0:1 beim SC Freiburg wegen eines Foulspiels mit Gelb verwarnt, wurde beim Bemühen, den ins Aus gerollten Ball schnell wieder zurück ins Spiel zu holen, nach seinem Rempler gegen den Freiburger Trainer Christian Streich von Schiedsrichter Felix Brych des Feldes verwiesen. Rot für den Argentinier, Rot auch für den Freiburger Vincenco Grifo, der bei der folgenden Rudelbildung Abraham in Gesicht griff: Das Spiel, das für den Tabellenneunten Eintracht sportlich verloren war, nahm aufgrund der negativen Begleitumstände ein unschönes Ende.

          Bundesliga

          „Am Ende ist es hektisch geworden“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter betont sachlich. „Fußball lebt von Emotionen.“ Hütter war nach dem 0:1 verärgert, aber dennoch nicht unzufrieden. „Für uns war es das sechste Spiel in achtzehn Tagen. Meine Mannschaft hat heute eine sehr gute Leistung gebracht. Sie war taktisch diszipliniert. Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt.“

          Nach der 1:2-Niederlage in der Europa League in Lüttich hatte sich die Eintracht für die anspruchsvolle Auswärtspartie am Sonntag beim heimstarken SC Freiburg viel vorgenommen. Trainer Adi Hütter hatte seine Mannschaft wieder einmal ordentlich ins Rotieren gebracht. Anders als noch am Donnerstag bei Standard rückten diesmal Evan Ndicka, Erik Durm, Bas Dost und Daichi Kamada in die Startelf. Makoto Hasebe, Danny da Costa, Sebastian Rode und André Silva saßen im Schwarzwaldstadion zunächst auf der Bank.

          Die erste Aktion des letzten Spiels des 11. Bundesliga-Spieltags gebührte dem Sportclub. Doch Lucas Höler, der aus halbrechter Strafraumposition mit Wucht Maß nahm, fand seinen Meister im Frankfurter Keeper Frederik Rönnow. Pech hatte Durm, der es mit einem Lattenschuss freistehend verpasste, die Eintracht 1:0 in Führung zu bringen. Vorausgegangen war der Szene der erste Frankfurter Angriff überhaupt, initiiert durch den spielfreudigen Hinteregger, der den Freiburger Torhüter Mark Flekken in große Bedrängnis brachte. Dessen abgewehrter Ball landete bei Durm – und anschließend an der Latte (12.).

          Fernandes agiert unbedacht

          Nach einer knappen halben Stunde bot sich der Eintracht die scheinbar nächste erstklassige Einschussgelegenheit, denn Schiedsrichter Brych hatte auf Strafstoß entschieden. Eine Entscheidung, die er nach dem Studium der Videobilder revidierte. Denn als Goncalo Paciencia zu Fall kam, wurde er von keinem Freiburger attackiert. Im Gegenteil: Es war der Portugiese, der mit dem linken Fuß den Ball verfehlte, kräftig in den Rasen trat – und zu Boden fiel. Die nächste Szene des Spiels ereignete sich wieder vor dem Freiburger Tor. Diesmal war es Hinteregger, der mit einem Schuss Pech hatte. Flekken klärte zur Ecke (35.). Ausgangspunkt des schönen Konters über mehrere Stationen war Kamada, der den Ball wunderschön weiterleitete. Unmittelbar vor der Pause beging der schon zuvor verwarnte Gelson Fernandes ein zweites unbedachtes Foulspiel – und wurde zu Recht mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.

          Freiburg-Trainer Streich liegt am Boden – Abraham hatte ihn zuvor mit einem Bodycheck niedergestreckt. Bilderstrecke

          Nach dem Seitenwechsel bot sich den 24.000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwaldstadion ein anderes Bild. Elf Freiburger waren gegen zehn Frankfurter personell im Vorteil. Um nach der Hinausstellung von Fernandes defensiv für Halt zu sorgen, nahm Eintracht-Trainer Hütter Angreifer Paciencia aus dem Spiel und brachte mit Dominik Kohr einen Mann für Absicherungsdienste vor der Abwehrkette.

          In der 49. Minute hatte der Sportclub eine weitere gute Einschussgelegenheit, doch Rönnow mit letztem Einsatz nahm dem Kopfball von Sallai die Wirkung. Zehn Minuten später war es die Eintracht, die vor dem Freiburger Tor auftauchte. Doch Filip Kostic hatte mit seinem Linksschuss keinen Erfolg. Und auch Durm, der es aus der Distanz – diesmal mit Rechts – versuchte, verfehlte sein Ziel (71.). Besser machten es die Freiburger. Nils Petersen überwand Rönnow mit einem gekonnten Flachschuss in die linke untere Ecke. 1:0 für den Sportclub – eine weitere Niederlage der Eintracht binnen weniger Tage schien mehr und mehr zur Gewissheit zu werden.

          Doch die Hütter-Elf, die zu diesem Zeitpunkt keine mehr war, gab sich noch nicht geschlagen. Durm mit einem Volleyschuss aus 30 Metern hatte Pech, dass Flekken großartig reagierte und so den möglichen Ausgleich verhinderte (80.). Und abermals war es Hinteregger, der gefährlich vor dem Freiburger Tor auftauchte, im letzten Moment jedoch gestoppt wurde (84.). Zwei Minuten später war es Kohr, der sein Glück versuchte, aber nicht stark genug schoss.

          Dann überschlugen sich die Ereignisse. Beim Bestreben, seiner Mannschaft zu helfen, geriet Abraham mit Streich aneinander und sah Rot. Brych schien in der Nachspielzeit, als er abermals die Hilfe des Videoschiedsrichters benötigte, vollends die Kontrolle zu verlieren. Um Mäßigung im Nachgang war Streich selbst bemüht. „Abraham ist ein extremst emotionaler Spieler, der dieses sehr umkämpfte Spiel einfach noch gewinnen wollte. Er war Vollgas unterwegs. Ihm sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Abraham wusste, dass er in dieser Kurzschlusssituation einen Fehler gemacht hat. „Er hat sich bei mir entschuldigt“, sagte Streich. „Damit ist alles okay.“ Allerdings droht dem Frankfurter eine lange Sperre.

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