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Führungsspieler gesucht : Die neue Hierarchie bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Neue Eintracht-Führung: Hinteregger und Rode sind die Schlüsselspieler Bild: Peter Schatz/Pool/ via /nordphot

Mit Gelson Fernandes und Marco Russ sind Eintracht Frankfurt zwei Führungsfiguren abhandengekommen. Vor der neuen Saison müssen deshalb andere Spieler Verantwortung übernehmen. Wer drängt sich nach vorne?

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          Nach seiner Rückkehr in die Schweiz beschäftigt sich Gelson Fernandes im Wallis mit Immobilien. Es gibt neue Bilder von ihm, die den 33-Jährigen nun als lächelnden Geschäftsmann in feinem Zwirn zeigen. Den Fußballplatz hat der Mittelfeldrenner mit einem schicken Arbeitsplatz im Büro getauscht. Aktuelle Fotos von ihm im Eintracht-Trikot wird es nicht mehr geben, denn Fernandes hat nach 520 Spielen als Profi in diesem Sommer seine abwechslungsreiche Karriere in Frankfurt beendet.

          Er ist den gleichen Schritt gegangen wie sein ehemaliger Teamkollege Marco Russ. Der 35-Jährige, der für die Eintracht 328 Pflichtspiele bestritt, bleibt der Eintracht aber in neuer Funktion erhalten und arbeitet in Zukunft dank seinem Anschlussvertrag im „Bereich Analyse“. Was er und Fernandes, die beide zu den Stellvertretern von Kapitän David Abraham gehörten, noch gemeinsam haben? Beide waren wichtige Persönlichkeiten und damit Korsettstangen im Bundesliga-Kader, die dank ihrer großen Erfahrung und ihrer offenen Art große Verdienste um das Gemeinwohl hatten. Der vielsprachige Fernandes leistete wertvolle Dienste bei der Integration neuer Spieler. Und der gebürtige Hanauer Russ bildete in Reihen der Frankfurter gerade für die jungen Spieler eine wichtige Identifikationsfigur.

          Ohne die beiden brauchen die Frankfurter jetzt neue Führungsspieler. Solche, die auch abseits des Platzes mit ihrem Auftreten den Zusammenhalt stärken und die Harmonie in der Mannschaft fördern. Den ganz großen Umbruch auf der teaminternen Führungsebene gibt es zwar noch nicht, weil Abraham und der stellvertretende Kapitän Makoto Hasebe auch in der neuen Saison als Anführer voranmarschieren werden. Aber das Ende ihrer Zeit als Profis bei der Eintracht ist absehbar. Der 34 Jahre alte Argentinier Abraham könnte sich schon im Winter aus privaten Gründen in seine Heimat verabschieden; macht der Abwehrspieler das nicht, wird er es im Sommer 2021 tun. Und für den 36 Jahre alten Hasebe wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls die letzte Saison sein – trotz seines Status als Musterprofi.

          Hütter braucht Persönlichkeiten

          In der Mannschaft von Cheftrainer Adi Hütter muss sich deshalb in den kommenden Monaten eine neue Hierarchie herausbilden mit Spielern an der Spitze, die bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Kandidaten für eine exponierte Stellung gibt es aus Sicht von Hütter genug. „Wir haben Spieler in unseren Reihen, die 26 bis 29 Jahre alt sind. Die schon unglaublich viele Spiele absolviert haben, davon auch unglaublich viele internationale. Und die auch in diese Rolle schlüpfen können, müssen und werden“, sagte Hütter.

          Namentlich erwähnte er Sebastian Rode und Martin Hinteregger. Außerdem nahm der Cheftrainer bei der Verteilung von besonderen Aufgaben noch drei weitere Profis in die Pflicht. „Timothy Chandler ist noch da, Danny da Costa ist ein Spieler, der in diese Rolle wachsen muss, auch Dominik Kohr. Alle haben das Alter, wo ich sage, dass sie Führungspositionen übernehmen können.“ Nun muss die Sportliche Leitungsebene von den Angesprochenen nur noch mit Leben gefüllt werden.

          Auch Torhüter Kevin Trapp ist in Frankfurt eine geschätzte Führungspersönlichkeit, die perspektivisch auf Abraham als Kapitän folgen könnte. Nur heißt es von Hütter, dass er einen Feldspieler in dieser Rolle bevorzuge. Wie Trapp bringt der torgefährliche Verteidiger Hinteregger die Anlagen mit, das Sprachrohr der Mannschaft zu sein. Ginge es der Eintracht in der Transferperiode bis zum 5. Oktober jedoch darum, werthaltige Transfererlöse zu erzielen, zählt der österreichische Nationalspieler zu den aussichtsreichsten Verkaufskandidaten.

          Der extrem zweikampfstarke Abwehrspieler soll schon seit längerer Zeit in den Fokus mehrerer englischer Klubs gerückt sein. Die Frankfurter könnten Hinteregger wohl mit einem deutlichen Mehrwert verkaufen, nachdem sie für ihn geschätzt rund neun Millionen an den FC Augsburg bezahlt hatten. Nur wäre Hinteregger mit seinen vielen Stärken bei der Eintracht kaum zu ersetzen. In Frankfurt, wo er sich eigenem Bekunden nach sehr wohl fühlt, gelang ihm ein deutlicher Leistungsschub.

          Noch zu wankelmütig in ihren Leistungen sind Kohr und da Costa. Beim Außenbahnspieler da Costa wird es vor allem darum gehen, zu alter Stärke aus der vorvergangenen Spielzeit zurückzufinden. Mit dem neuen Anlauf könnte es klappen, war der Aufschwung bei ihm im Schlussspurt der zurückliegenden Runde unverkennbar. Das Gleiche gilt für Kohr, der erst dann den nächsten Schritt in seiner Entwicklung vollzogen hat, wenn er sich spielerisch dauerhaft auf höherem Niveau präsentiert. Und Rode? Nach Stationen bei Borussia Dortmund und den Bayern ist der Mittelfeldmotor in vielerlei Hinsicht gereift. Seine Meinung zählt. Nach heutigem Stand ist der gebürtige Hesse ein Topkandidat für den Kapitänsposten, wenn Abrahams Abschied Realität geworden ist.

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