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Eintracht Frankfurt : Piazón lächelt, Hübner poltert

  • -Aktualisiert am

Gute Miene: Beim offiziellen Foto von Lucas Piazon kann auch Manager Bruno Hübner (r.) wieder lächeln Bild: dpa

Bei der Vorstellung des jungen Brasilianers vom FC Chelsea macht der Sportdirektor der Eintracht keine gute Figur. Nur der Neue, der als Leihspieler kommt, bleibt gelassen.

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          Dass Bruno Hübner gehörig unter Druck steht, ist kein Wunder. Schließlich hat der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt alle Hände voll zu tun, um die beträchtlichen Leerstellen im Kader der Eintracht noch zu füllen. Dass er darüber aber derart die Contenance verliert wie am Freitagmittag bei der Vorstellung des jungen Brasilianers Lucas Piazón, verblüffte. Es war eine eigenartige Szenerie bei einem eigentlich ja schönen Anlass: Der Neue, ein charmanter Zwanzigjähriger, berichtete entspannt über seine schon sehr bunte Karriere und über seinen Wechsel als Leihspieler des englischen Spitzenklubs FC Chelsea zur Eintracht – und Hübner wurde zum Spielverderber, erst wortkarg und irgendwie abwesend, dann aufbrausend und empört. Am Ende verließ er wutentbrannt den gut gefüllten Presseraum in der Frankfurter Arena. Weil er Fragen zu hören bekam, die ihm nicht gefielen. Auch Piazón mag sich gefragt haben, was denn los sei.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Offensivspieler aus São Paulo hatte alles für einen guten Start in Frankfurt getan. Mal abgesehen von seiner körperlichen Verfassung, die durch täglich zweimaliges Training seit Anfang Juli ordentlich sei, berichtete er lächelnd und mit Hilfe eines Übersetzers, was in Deutschland kaum einer über ihn wissen dürfte: dass er schon seit seiner Zeit in der brasilianischen U15 verstärkt auf seine große Ähnlichkeit mit dem Landsmann und früheren Weltstar Kaká angesprochen werde; dass er aus dem fernen London die Eintracht in der vergangenen Saison in der Europa League durchaus wahrgenommen habe, dass sie ihm „ein Begriff“ sei; dass er schon in der U21 von Chelsea – er kam mit 17 aus Brasilien zum Dauergast aus der Champions League – auf dem linken Flügel gespielt habe, sich aber auch jede andere Position im offensiven Mittelfeld vorstellen könne; oder dass er drei Lieblingsspieler in der Bundesliga habe, Marco Reus von Borussia Dortmund, Bastian Schweinsteiger von Bayern München und Julian Draxler von Schalke 04.

          Hübner wirkt überfordert

          So weit, so freundlich. Auch die Frage, warum er zuletzt in der niederländischen ersten Liga als Leihspieler von Vitesse Arnheim in der Hinrunde stattliche elf Tore erzielt habe, in der Rückserie aber keines mehr, beantwortete er gelassen und professionell. „Die ganze Mannschaft hat am Ende nicht mehr so gut gespielt“, sagte er. „Außerdem haben sich die Gegenspieler besser auf mich eingestellt.“ Das war’s, so was passiert schließlich, vor allem jungen Spielern. Hübner dagegen witterte einen Affront, mindestens aber unangemessenes Misstrauen, und beklagte sich bei seinem Abgang lautstark, wie man Piazón so etwas überhaupt fragen könne. Hätte der Spieler auch in der Rückrunde elfmal getroffen, hätte die Eintracht ihn gar nicht erst bekommen. Was natürlich stimmt, aber seine Aufgeregtheit nicht erklären konnte.

          Freundlich und offensiv vielseitig: Lucas Piazón bekommt bei seiner Vorstellung in Frankfurt Überraschendes geboten.
          Freundlich und offensiv vielseitig: Lucas Piazón bekommt bei seiner Vorstellung in Frankfurt Überraschendes geboten. : Bild: Wonge Bergmann

          Stattdessen ist er augenscheinlich angeschlagen. Ohne den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen oder Trainer Thomas Schaaf an seiner Seite wirkte er überfordert – als fühle er sich umzingelt. Tatsächlich ist die Kritik an ihm ja auch gewachsen. Nach dem Verlust so vieler Stammspieler, nach der quälend langen Trainersuche und einigen Absagen auf dem Spielermarkt gilt die Eintracht inzwischen als Bundesliga-Problemkind der Sommerpause. Wenn einer zuletzt Ruhe ausstrahlte, dann Trainer Schaaf. Hübners Transferpolitik ist dagegen umstritten, daran ändert auch Piazóns Kommen nichts. Vermutlich regierte der Manager auch deshalb so dünnhäutig, als er gefragt wurde, wie lange er den Werdegang des Spielers, der in der Saison 2012/2013 auch mal an den FC Malaga in die erste spanische Liga ausgeliehen war, denn schon verfolge, wie gut er Piazón kenne. „Gut genug, dass Eintracht Frankfurt ihn verpflichtet“, polterte er und verließ pikiert das Podium.

          Piazón - ein Kurzzeitgeschäft

          Die Frage blieb also unbeantwortet. Dafür wurde deutlich, dass die Eintracht einen Spieler für maximal 34 Bundesligaspiele hinzugewonnen hat, denn eine Klausel, die nach der Leihe zum Kauf berechtigt, wurde nicht vereinbart – dabei war das unlängst noch als Voraussetzung für weitere Leihgeschäfte erklärt worden. Dass Piazón bei einem für ihn guten Verlauf der Saison die Eintracht schnell wieder verlässt, ist sicher, dass sie ihn bei einer schlechten Bilanz behält, wäre unlogisch – ein Kurzzeitgeschäft also, so oder so, mehr nicht. Der Spieler hofft – demnächst mit der Rückennummer 19 –, dass er bei der Eintracht jene Einsatzzeiten bekommt, die bei Chelsea kaum drin wären. Piazón sagte noch brav, Schaaf sei „ein Trainer, der weiß, wie man junge Spieler entwickelt“. Davon könnten beide Seiten profitieren – am Ende sogar Bruno Hübner.

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