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Fußball-Bundesliga : Glasners Baustelle bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Alle Hände voll zu tun: Eintracht Frankfurts neuer Trainer Oliver Glasner Bild: dpa

Die letzten Eindrücke von Adi Hütter bei der Eintracht waren keine guten. Die ersten seines Nachfolgers sind das genaue Gegenteil. Doch die Aufgabe ist und bleibt anspruchsvoll für Oliver Glasner.

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          Der Countdown läuft. Die Anzahl der Tage, an denen Oliver Glasner mit den Spielern ausprobieren kann, wie sie es am besten anstellen wollen, wenn demnächst Sieg und Niederlage mehr Gewicht haben, nimmt ab. Die Gruppe derer, die dem Trainer zur Verfügung stehen, um daraus eine schlagkräftige Formation zu bilden, wächst dagegen kontinuierlich. Die Aufgabe ist und bleibt anspruchsvoll für den 46 Jahre alten Fußballlehrer, der zeigen möchte, dass sich der Erfolg, der ihm in Wolfsburg glückte, unter anderen Umständen in Frankfurt reproduzieren lässt.

          Bundesliga

          Bislang kann er mit dem Stand der Vorbereitung alles in allem zufrieden sein. Beide Lager, das der fast 30 Mann umfassenden Profi-Fraktion und das des Betreuerstabs, in dem sich ebenfalls einige neue Gesichter befinden, lernen sich immer besser kennen. Die Ideen, die dem Trainer vorschweben, um mit der Eintracht auch in der kommenden Saison in gehobenen Bundesliga-Kreisen verkehren zu dürfen und international den Ruf weiter zu verbessern, sind ersichtlich. Wobei noch nichts vollkommen funktioniert.

          Sturmzentrum ist größte Baustelle

          Der Test gegen Straßburg fügte sich in das Bild, das die Mannschaft in drei Vorbereitungswochen abgab: Nach dem Seitenwechsel, als Glasner zehnmal wechselte, schlichen sich ein paar Fehler zu viel ins System ein. Leichte Ballverluste führten zu Gegentoren, die ein weiteres Achtungsergebnis, das das Selbstbewusstsein gesteigert hätte, verhinderten. Zuvor waren die Frankfurter bemüht, offensiv zu pressen, den Druck weit in der gegnerischen Hälfte hoch zu halten und für eine stabile Verteidigung zu sorgen.

          Die größte Baustelle im Eintracht-Kader ist momentan die Besetzung des Sturmzentrums. Es fehlt – neben dem unglücklich agierenden Paciência – ein klassischer Neuner von Format. Glasner weiß, dass ihm sein Kollege Hütter bei allen Errungenschaften, die mit dessen Handeln verbunden sind (Stichworte: Büffelherde, Transfergewinne), eben auch verbrannte Erde hinterlassen hat: Der Fortgang André Silvas ist in letzter Konsequenz eine Folge der Unruhe, die Hütter mit seiner Wechselankündigung im Frühling auslöste und die dem Verein die Champions-League-Qualifikation vermasselte.

          Gute erste Eindrücke

          Um das Frankfurter Terrain nun in einen fruchtbaren Ackerboden zu verwandeln, auf dem alsbald wieder Prächtiges gedeiht, ist eine geschickte Hand bei der Aufzucht notwendig. Alle, auch die, die unter Hütter eine untergeordnete Rolle spielten (wie zum Beispiel Hrustic), wittern gerade ihre Chance. Es wird darauf ankommen, wie Glasner dabei seine Leute motiviert und den Umbruch moderiert.

          Er hat sich viel vorgenommen, und bislang deutet einiges darauf hin, dass die Eintracht mit ihm einen guten Fang gemacht hat. Der 46-Jährige arbeitet mit Beharrlichkeit an seinen Zielen, die gerne groß sein dürfen, und nähert sich ihnen mit kleinen, aber stetigen Schritten. Dass er seinen Ehrgeiz nicht dazu nutzt, um eigene Vorteile in den Mittelpunkt seines Tuns zu rücken, rechneten ihm die Spieler in Wolfsburg bei seinem Abschied hoch an.

          Nach drei Wochen in Frankfurt klingen die Worte seiner jetzigen Mitstreiter bereits ähnlich. Dass manch einer darauf hinwies, dass der neue Boss seine Absichten „ehrlich“ vermittle, sagt (ob gewollt oder nicht) einiges über den alten Chef aus. Hütter, dem es nicht schnell genug gehen konnte, um auf der Karriereleiter aufzusteigen, hat die Klubgeschichte um eine denkwürdige Episode bereichert, deren Schlusspointe dann anders aussah als lange gedacht. Die letzten Eindrücke, die er damit hinterlassen hat, waren keine guten. Die ersten Impressionen seines Nachfolgers sind das genaue Gegenteil.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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