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Noch siegloser Eintracht-Coach : „Ich bin absolut ruhig und relaxt“

Ruhepol: Oliver Glasner Bild: dpa

Oliver Glasner schwärmt von seiner Mannschaft, die in dieser Saison bislang noch kein Pflichtspiel gewinnen konnte. Nun geht es nach Bielefeld: Der Trainer von Eintracht Frankfurt kündigt Tore an.

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          Erst Istanbul, dann Bielefeld. Für die Eintracht geht es Schlag auf Schlag. Wenn sich die Blicke der Frankfurter Fußballspieler und des Trainerteams um Chefcoach Oliver Glasner an diesem Freitag von 12 Uhr an in die Türkei richten, ist die Eintracht-Entourage machtlos. Sie kann nicht aktiv darauf einwirken, wer ihr für die Gruppenphase in der Europa League zugelost wird. Glasner und Co. müssen es nehmen, wie es kommt. Nur eines ist sicher: „Wir wollen auf jeden Fall in der Europa League überwintern“, sagte Glasner am Donnerstag.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Es war der Tag, an dem der noch 46 Jahre alte Eintracht-Trainer kurz zurückschaute, um sogleich den Fokus auf die Prüfung bei der Arminia zu richten. Bei der Nullnummer gegen den FC Augsburg „haben wir vieles sehr gut gemacht“, sagte Glasner, der gemeinsam mit seiner Mannschaft ein ausgiebiges Videostudium seiner Heimspielpremiere betrieben hatte. Und weil die Analyse nach seinem Dafürhalten positiv ausfiel, sei auch seine Zuversicht groß, dass es endlich etwas mit dem ersten Sieg in dieser Saison werden könne.

          Der Spieltag am Samstag zur besten Bundesligazeit nachmittags um halb vier (im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) ist für Glasner ein besonderer: Der Österreicher feiert Geburtstag, er wird 47 Jahre alt, und wenn alles wunschgemäß in Ostwestfalen verläuft, „dann werden wir auf dem Rückflug auf drei Punkte anstoßen“.

          Erinnerungen an vergangene Saison

          Als sich die Eintracht das letzte Mal im Stadion auf der Bielefelder Alm beweisen musste, war die Freude groß. 5:1 hieß es vor ziemlich genau sieben Monaten. Es war eines der besten und mitreißendsten Auswärtsspiele der Eintracht in der vergangenen Saison. Die beiden längst weitergezogenen André Silva und Luka Jovic erzielten Tore – und auch Filip Kostic konnte jubeln.

          Kostic trägt weiterhin den Dress mit dem Adler auf der Brust, und Glasner ist überhaupt nicht bange, dass der Serbe noch nicht zugeschlagen hat. Bestens präpariert rief der Fußballlehrer in Erinnerung, wie sich denn vormalige Eintracht-Angreifer in ihrer ersten Hinserie geschlagen hätten. Die Zahlen: Jovic zwei Tore. Silva drei Tore. Ante Rebic null Tore. Sebastién Haller sechs Tore.

          Es ist richtig, dass die „Offensivgranaten“, wie Glasner die Stürmer bezeichnete, in der nachfolgenden Zeit öfter und verlässlicher getroffen haben. Und auch deshalb sagte er, bezogen auf seinen aktuellen Angreifer Rafael Borré: „Ich bin absolut ruhig und relaxt. Borré muss sich diesen Rucksack nicht umhängen.“

          Tatort Bielefelder Alm: Dass Kostic (links) beim 5:1 trifft, finden auch die Eintracht-Mitspieler Sow (Mitte) und Hasebe gut.
          Tatort Bielefelder Alm: Dass Kostic (links) beim 5:1 trifft, finden auch die Eintracht-Mitspieler Sow (Mitte) und Hasebe gut. : Bild: Jan Huebner

          Der Kolumbianer, befreit von vermeintlichem Druck, soll also weiter unbeschwert aufspielen und versuchen, der Mannschaft mit Toren, die er von sich erwartet und die er seinem neuen Klub beim Dienstantritt versprochen hat, zu helfen. „Wichtig ist, dass sie nicht verkrampfen“, sagte Glasner an die Adresse seiner Spieler gerichtet, die ihn auch in dieser Trainingswoche wieder mit sehr guten Leistungen beeindruckt hätten.

          Noch aber stimmen die Ergebnisse bei der Eintracht nicht. Glasner zerbricht sich darüber keinen Kopf. Er vertraut darauf, dass die Resultate kommen werden, „denn wir haben einen super Teamgeist. Unsere größte Teambuildingmaßnahme findet auf dem Platz statt“, sagte der Trainer. „Das ist gelebter Teamgeist.“

          Mit dabei, aber weiterhin keine erste Wahl für den Kader: Almamy Touré. Der zuletzt verletzte Rechtsverteidiger ist seit Tagen „ohne Probleme“, wie Glasner ausführte, im Übungsbetrieb dabei. Tuta auch, jener Verteidigerkollege, der es unter dem vormaligen Trainer Adi Hütter zum Stammspieler schaffte, nun aber um seinen Posten kämpfen muss. „Er ist ein junger Spieler und durchlebt derzeit eine kleine Delle“, sagte Glasner: „Aber auch bei ihm geht es ganz klar nach oben.“

          Für Sebastian Rode, frisch am Knie operiert, sind die aktuellen Tage schwere Tage. Der Kapitän kann aktiv nicht mithelfen, dass die Eintracht so in die Spur kommt, wie sich das Glasner und seine Helfer, aber auch die Vereinsverantwortlichen um Sportvorstand Markus Krösche vorstellen. Geduld ist gefragt. Glasner rechnet damit, dass Rode in einigen Wochen wieder zurück sein wird.

          An diesem Freitag, wenn vor dem Abflug Richtung Bielefeld im Mannschaftskreis gebannt vor dem Fernseher verfolgt wird, welche drei Vereine die Eintracht in der Gruppenphase der Europa League zugelost bekommt, wird Rode selbstverständlich dabei sein. Kostic auch. Bei ihm ist sich Glasner sicher, dass er gewinnbringend seine Stärken und sein Tempo einbringen wird. Zehn Tore und 15 Assists traut der Trainer seinem vielleicht wichtigsten, vielfältigsten und unberechenbarsten Spieler zu. „Ich habe selten solch einen Linksschuss gesehen,“ schwärmte er. Man kann sich vorstellen, was sich der Trainer zum Geburtstag von Kostic wünscht.

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