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Eintracht Frankfurt : Die Sorgen des DFB-Pokalsiegers

Da geht es lang: der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter beim Training. Bild: dpa

Im Mai feierte die Eintracht noch den Coup im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern. Zum Start in die neue Saison plagen die Frankfurter aber einige Probleme.

          Adi Hütter sieht das Positive im Negativen. „Ein Kreuzbandriss ist es nicht“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht über seinen aktuellen Patienten Timothy Chandler. Der Rechtsverteidiger wurde am Freitag in Augsburg am Knie operiert. Wann er zurückkommt und wieder erstklassig Fußball spielen kann, ist ungewiss. Die mit dem Pokalsieger sympathisierenden Fans sollten sich auf eine Ausfallzeit von mehreren Monaten einstellen. Chandler verletzt, Marco Fabian abgeschoben, Ante Rebic mit Problemen an den Adduktoren und keine Alternative: Hütter fährt nicht gerade mit den Besten seines Kaders nach Ulm. Doch der 48 Jahre alte Trainer lässt sich von den Rückschlägen nicht beirren. „Wir haben genug Selbstvertrauen. Wir sind der Favorit. Wir müssen einfach eine Runde weiterkommen.“

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          Bühne frei für den DFB-Pokal. Für den Lieblingswettbewerb der Eintracht, in dem es die Hessen binnen eines Jahres zweimal in das Berliner Finale geschafft haben. Mit Anführern, die Hütter nicht mehr zur Verfügung stehen. Einen Antreiber wie Kevin-Prince Boateng gibt es nicht. „Die Verantwortung muss auf mehreren Schultern verteilt werden“, sagte Hütter einen Tag vor der Erstrundenpartie im Pokalwettbewerb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beim eingespielten Regionalliga-Tabellenführer SSV Ulm an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky). Der Coach nannte die Namen David Abraham, Marco Russ, Carlos Salcedo, Jonathan de Guzman und Makoto Hasebe.

          Spieler, von denen Hütter erwartet, dass sie das Schiff Eintracht auf Kurs bringen. Am vergangenen Sonntag, beim 0:5-Debakel im Supercup gegen Meister Bayern München, ist der einst so stolze Tanker Eintracht Leck geschlagen. „Die Körpersprache und die Mentalität haben mir nicht gefallen“, sagte Hütter über den Auftritt seiner Mannschaft, beäugt von Fußballfans aus 200 Ländern der Welt. „Wir haben das kritisch besprochen.“ Dass sich ein Auftritt wie gegen die Bayern nicht wiederholen soll, gilt als ausgemacht. Hütter will die Lokomotive sein, die die Mannschaft ins Laufen bringt. „Ich will derjenige sein, der vorneweg geht“, sagte der Vorarlberger vor der Abreise nach Ulm.

          Dass es nicht sofort wunschgemäß läuft, kennt er aus eigener Erfahrung. „Vor drei Jahren, als ich in Bern anfing, musste auch an Stellschrauben gedreht werden. Ich habe gewusst, dass Veränderungen stattfinden.“ Nicht nur damals bei den Young Boys, die er zum Meister formte, sondern auch jetzt bei der Eintracht. Selbstbewusst sagte der Frankfurter Fußballlehrer: „Ich kann Dinge über einen längeren Zeitraum entwickeln.“ Was er freilich braucht, sind kurzfristig Erfolge. Ein frühes Aus im DFB-Pokal? Das wäre ein Desaster – und für Hütter nicht vorstellbar. „Ich gehe davon aus, dass wir es in neunzig Minuten erledigen können.“

          Vor einem Jahr, als sich die Eintracht anschickte, auch dank günstiger Pokallose bis ins Finale vorzurücken und dort die Bayern verdient 3:1 schlug, führte die Reise zu Beginn gleichfalls zu einem viertklassigen Gegner. Der TuS Erndtebrück, gerade von der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen, war kein großer Prüfstein für die Eintracht, die sich letztlich leicht und locker 3:0 durchsetzte. Torschützen damals: Mijat Gacinovic, Sebastién Haller – und Timothy Chandler. Kapitän Abraham wurde früh des Feldes verwiesen. Ein Jahr später, an diesem Samstag beim ambitionierten Regionalliga-Spitzenreiter Ulm, der unter Profibedingungen arbeitet, wie Hütter respektvoll sagte, wird Abraham wieder der Frankfurter Spielführer sein. Vor ihm, als Abräumer vor der Abwehr, hätte Gelson Fernandes spielen können.

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          Doch der Schweizer ist noch für die Pokalpartie beim SSV gesperrt. So müssen es die anderen richten, denen Hütter vertraut und die zum geschrumpften Kernkader von insgesamt 23 Spielern gehören, mit denen der Frankfurter Fußballlehrer „hochwertiges“ Training machen möchte. Diejenigen Profis, die sich nach neuen Arbeitgebern umschauen und sich dafür in der Trainingsgruppe zwei fit halten sollen, bekommen ein „fußballspezifisches Training“ geboten, wie es Hütter formulierte. Am Freitag, als der Chefcoach in einem benachbarten Hotel an der Frankfurter Arena für Ein- und Ausblicke rund um das Pokalspiel in Ulm zur Verfügung stand, kümmerte sich sein Ko-Trainer Christian Peintinger um die sieben Profis, „mit denen wir kurzfristig nicht planen“.

          Kurzfristig wäre es hilfreich, wenn der angeschlagene Rebic der Eintracht zur Verfügung stehen würde. Tore schießen, Torchancen herausspielen: Diese Aufgabe müssen beim anspruchsvollen Pokalspiel in Ulm andere übernehmen. Hütter traut Außenstürmer Nicolai Müller zu, sich dabei in den Fokus zu spielen. „Er hat Tiefgang und das Näschen für den Abschluss vor dem Tor.“

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