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1:1 gegen Gladbach : Das große Problem von Eintracht Frankfurt

Filip Kostic und die Frankfurter verspielen den Sieg gegen Gladbach noch in der Schlussphase. Bild: dpa

Seit sechs Partien sind die Frankfurter ungeschlagen. Doch fünf davon endeten remis. In der Bundesliga-Tabelle geht es bergab. Und vor der Europa League gegen Donezk gibt es noch eine Sorge.

          Er zog sich mit langsamen Schritten zurück. Gelson Fernandes hatte mit den Nachwirkungen des Nachmittags zu kämpfen. Früher als geplant musste der 32-Jährige seinen Platz im Defensivverbund der Eintracht räumen. Sichtbar angeschlagen, nachdem er sich zuvor in der 77. Minute ein letztes Mal mit Elan Angreifer Alassane Plea entgegengestellt hatte. Kurz nach dem Abpfiff der Begegnung mit der Borussia, die 1:1 endete, gab Fernandes Auskunft, dass es ihn bei einem Ausfallschritt im Oberschenkel gravierend erwischt habe. „Es war kein gutes Gefühl. Irgendetwas ist passiert, das habe ich gleich gemerkt“, sagte der Frankfurter Kapitän. Er könne sich da auf seine Erfahrung als Fußballprofi verlassen: „Ich bin kein Doktor. Aber ich kenne meinen Körper.“

          An diesem Montag wird der Schweizer eingehend von den Team-Ärzten untersucht. Fernandes, das bestätigte später Adi Hütter, ist keine personelle Option für das Rückspiel in der Europa League gegen Donezk (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei Nitro und DAZN). „Im zentralen Mittelfeld haben wir ein großes Problem“, sagte der Eintracht-Coach, da auch Sebastian Rode „wegen muskulären Problemen ausfallen wird“. Er müsse sich „Gedanken machen“, wie es auf diesen Verlust an Abwehrkraft zu reagieren gelte.

          Die ersten Alternativen, die sich ihm anbieten, Jonathan de Guzmán und Jetro Willems, fielen auch gegen Gladbach mit Leistungsschwankungen und Tempodefiziten auf, durch die sie manch vielversprechenden Ansatz des eigenen Teams zunichtemachten. Seit sechs Spielen in Serie sind Hütter und seine Auswahl nun ungeschlagen; fünf Partien endeten remis. „Mit Unentschieden kommt man nicht weiter“, lautete seine Feststellung mit Blick auf die Tabelle. Die Eintracht findet sich nach dem 22. Spieltag nun auf Rang sieben wieder, mit sieben Punkten Rückstand auf Rang vier, der am Saisonabschluss die Qualifikation für die Champions League sichert.

          Keine 72 Stunden nach dem internationalen Einsatz in der Ukraine schon wieder gegen einen Top-Gegner nicht verloren zu haben sei aller Ehren wert, sagte Hütter: „Dort waren es minus zehn Grad, dazu kamen die Rückreise und der Freitag und Samstag, an denen wir fast nur Videoanalysen machen konnten“, schilderte der Österreicher die Schwierigkeiten der Vorbereitung. Im gleichen Atemzug sagte er ebenfalls: „Wir haben noch nie über die Doppelbelastung geklagt und nehmen sie gerne an.“ In seiner Analyse klang zudem ein versöhnlicher Satz besonders heraus: „Kompliment für die Mentalität der Mannschaft.“

          Dass manches am Sonntag schwerer fallen würde, als den Frankfurtern lieb war, deutete sich früh an. Die Gladbacher begannen so, wie es in Anbetracht der vorangegangenen Tage zu erwarten war: ausgeruht und mit großer Einsatzfreude, durch die sie die Hessen auf Trab hielten. Hütters Spieler konnten es nicht langsam angehen lassen, sondern hatten auf Anhieb gut zu tun, um vom Schwung des Gegners nicht überrumpelt zu werden. Szenenapplaus vom Publikum gab es wiederholt für Makoto Hasebe, der als Wachposten in der Eintracht-Abwehr mit seiner Übersicht mehrere gefährliche Aktionen der Gladbacher vereitelte. Zudem war es Kevin Trapp, der als Keeper mit dem Fuß rettend eingriff, nachdem sich seine Vorderleute hatten düpieren lassen und Denis Zakaria frei vor ihm auftauchte (25.).

          Zur Unordnung in der Rückwärtsbewegung der Hessen trug die Abwesenheit Rodes bei, der sich im Hinspiel gegen Donezk eine Blessur an der Wade zugezogen hatte. An seiner Stelle entschied sich Hütter für de Guzmán als Partner von Fernandes auf der Doppelsechs; doch was der ehemalige niederländische Nationalspieler zunächst auch anstellte, er war damit den Kollegen mit seinen Fouls, Fehlversuchen im Abschluss und Fehlpässen keine Hilfe. Dass ausgerechnet er es war, der die Frankfurter Führung vorbereitete, war das Überraschendste, was die Darbietung mit sich brachte. Nach einem Eckball von Kostić landete das Spielgerät bei de Guzmán, der aus 18 Metern weder plaziert noch sonderlich fest abzog, aber von Glück sagen konnte, dass der Ball wie eine Flipperkugel durch die Gladbacher Verteidigung und dem aufgerückten Danny da Costa vor die Füße flog. Der 25-Jährige überwand Yann Sommer gedankenschnell zum 1:0 (45. Minute). „Das war ein bisschen Pingpong“, beschrieb der Torschütze sein Erfolgserlebnis, das wie ein Frische-Kick auf die Eintracht wirkte.

          Um Pressing-Situationen zu kreieren, mit denen in der Hälfte der Borussia schnell auf Attacke umgeschaltet werden konnte, war bei den Männern in Schwarz vorübergehend zusätzliche Energie vorhanden: Filip Kostić zog viele Sprints an, während Ante Rebić mit Wucht in jedes Duell ging. Was fehlte, war „die letzte Konsequenz“ im Strafraum. Und das schlug aus Frankfurter Sicht spät negativ zu Buche: Zakaria, der nicht mehr fürchten musste, dass Fernandes seinen Weg kreuzen würde, nutzte die Freiheiten im Zentrum, die ihm Willems und de Guzmán gestatteten – und traf von der Strafraumgrenze noch zum Ausgleich (82.). Fernandes bezeichnete den Treffer als „ärgerlich, aber alles in allem verdient“. Es sei für die Eintracht in der aktuellen Phase „schwer, gegen Spitzenteams zu gewinnen. Aber immerhin haben wir, anders als in der Vorrunde, gegen sie auch nicht verloren“, lautete seine Quintessenz zum Ende „einer schweren Woche“. Es deutet wenig darauf hin, dass die kommende – zumal ohne sein Zutun – für die Eintracht leichter wird.

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