https://www.faz.net/-gtm-12j5v

Eintracht Frankfurt : Mit neuem Mut zum Risiko

Soll 700.000 Euro kostet: der bisherige Karlsruher Maik Franz Bild: dpa

Manager Bruchhagen wünscht vom neuen Eintracht-Trainer, dass attraktiver Fußball gespielt und Aufbruchstimmung vermittelt wird. Torwart Nikolov bleibt ein weiteres Jahr, KSC-Verteidiger Franz steht bereit.

          Berlin und Frankfurt statt Dubai und Schanghai. Um nicht wie auf dem Nürburgring ins Schlingern zu geraten, hat Heribert Bruchhagen vor allem aus einem Grund seine geplante Reise mit der Fußball-Nationalmannschaft in den Osten abgesagt: Er sucht einen Nachfolger für Friedhelm Funkel. Die Trainerfrage bei der Frankfurter Eintracht - nichts ist in diesen Tagen, da die Profis längst in ihren gut einmonatigen Sommerurlaub verschwunden sind, so wichtig wie die Auswahl des richtigen Nachfolgers für Funkel. Doch wer ist der Richtige?

          Bruchhagen, in Personalunion als Vorstandschef und Sportlicher Leiter die treibende Kraft beim hessischen Bundesligaklub, verzichtet auch deshalb auf den Dienstausflug mit der ersten deutschen Fußball-Auswahl, um sich alleine, ohne jeglichen Einfluss von Einflüsterern, auf die schon getätigten und noch kommenden Gespräche mit Kandidaten vorzubereiten. Typisch Bruchhagen: Namen kommentiert er nicht, und so nimmt er emotionslos zur Kenntnis, wenn von Michael Skibbe, Bruno Labbadia, Uwe Rapolder, Thomas Doll oder Mirko Slomka die Rede ist. Sicher in diesen Tagen ist vor allem eins: „Wir suchen jemanden, der Aufbruchstimmung verkörpert.“

          Kein Platz mehr für Sentimentalitäten

          Es ist kein Zufall, dass Bruchhagen gemeinsam mit Vorstandsberater und Chefscout Bernd Hölzenbein sowie Finanzvorstand Thomas Pröckl einen „hochwertigen“ Sponsorentermin nutzt, um der gutbetuchten Eintracht-Klientel am Rande der Business Tour 2009 auf dem Nürburgring in groben Zügen von seiner strategischen Neuausrichtung zu berichten. Bruchhagens Kernbotschaft: Die Ära Funkel, die der Eintracht fünf gute Jahre beschert hat, ist vorbei. Es gibt keinen Platz mehr für Sentimentalitäten. In kleinem Kreis führt der Eintracht-Manager aus, wie die Spielweise der Profimannschaft fortan aussehen soll: attraktiv, frisch, mutig, überraschend. Die Wünsche der Basis, in Funkels letzten Frankfurter Dienstwochen lautstark, vehement und mit zum Teil schneidender Schärfe vorgetragen, haben bei Bruchhagen Gehör gefunden. Mehr Offensive, mehr Mut zum Risiko: Doch welcher Trainer ist dafür der richtige Mann?

          Abseits der üblichen Verdächtigen hält es Bruchhagen auch nicht für ausgeschlossen, nach einem „unverbrauchten“ jungen Trainer aus einer unteren Spielklasse Ausschau zu halten. Ein interessanter Ansatz, doch aufstrebende Fußballlehrer vom Schlage eines Robin Dutt sind eher rar. Gut möglich und sehr wahrscheinlich sogar, dass Bruchhagen an diesem Wochenende auf Bruno Labbadia trifft. Der Hesse, mit seinem aktuellen Klub Bayer 04 Leverkusen am Samstag Gegner von Werder Bremen im Berliner Pokalfinale, wird gleichfalls mit der Eintracht in Verbindung gebracht. Seine Position bei Bayer, vor allem innerhalb der Mannschaft, soll nicht zum Besten bestellt sein. Eine Trennung, auch bei einem möglichen Pokalsieg, ist wahrscheinlich. Überhaupt: „Auf dem Trainermarkt dürfte noch einiges in Bewegung geraten“, weiß Fachmann Bruchhagen.

          So geht er davon aus, dass auch Marcel Koller in Bochum vor unruhigen Zeiten steht. Hans Meyer hat nach geglückter Rettungsaktion in Gladbach seinen Rücktritt eingereicht. Funkel, der Mann aus dem Rheinland, zählt prompt zu den Nachfolgekandidaten am Niederrhein. Mit dem Koblenzer Zweitligatrainer Rapolder übrigens, dem vermeintlichen Erfinder des sogenannten „Konzeptfußballs“, hat sich Bruchhagen schon ausgetauscht. „Ein interessanter Mann.“ Es stimmt schon: Auf der Grand-Prix-Strecke in der Eifel ist Bruchhagen bei dem Sicherheitstraining mit Eintracht-Partner BMW Euler ordentlich ins Schlingern geraten und musste anforderungsgemäß etliche Vollbremsungen vornehmen. Doch in seinem Kerngeschäft hat er die Kontrolle. Nach positiver Suche, die bis Ende der kommenden Woche abgeschlossen sein soll, wird Bruchhagen dem Aufsichtsrat die wirtschaftlichen Rahmendaten des neuen Trainervertrages vorstellen und um formlose Genehmigung bitten.

          700.000 Euro für „Iron Maik“

          Immerhin: Einen Vertragsabschluss mitten in der Urlaubsphase der Profis gibt es schon. Torwart Oka Nikolov hat erwartungsgemäß den neu angebotenen Jahresvertrag unterzeichnet. Der Eintracht-Oldie, vor wenigen Tagen 35 Jahre alt geworden, gehört damit zum Torwartteam, in dem Neuzugang Ralf Fährmann zeigen will, dass er eine Führungskraft werden kann. Spekulationen, Fährmann könnte zurück zu Schalke gehen, erteilte Bruchhagen eine klare Absage. „Wir werden ihn definitiv nicht zurückgeben.“ Auch mit dem abgestiegenen Karlsruher Kapitän Maik Franz, der für eine festgeschriebene Ablösesumme von 700.000 Euro den Wildpark verlassen kann, herrscht Einigkeit über eine Zusammenarbeit in Frankfurt. Spätestens wenn der neue Trainer gefunden ist, soll der Transfer des robusten Innenverteidigers perfekt gemacht werden. Fest steht zudem, dass die Eintracht am ersten Sommertrainingslager festhält. Wie in den vergangenen Jahren auch geht es vom 1. bis 8. Juli wieder nach Zell ins Zillertal. Der neue Trainer, so Bruchhagen, könne seine Wünsche ja beim zweiten Sommeraufenthalt verwirklichen.

          Jung, dynamisch, offensiv, Aufbruchstimmung vermittelnd - und ein Stück weit anpassungsfähig: Funkels Nachfolger muss einem breitgefächerten Anforderungsprofil entsprechen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK im Kabinett : Auf dem Marsch ins Kanzleramt

          Wer wie Annegret Kramp-Karrenbauer Regierungschefin werden will, darf sich vor dem Verteidigungsministerium nicht fürchten. Auch in der Politik gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

          Shitstorm des Tages : Ein „Aufstand der Generäle“ als Rohrkrepierer

          Uwe Junge ist rhetorisch kampferprobt. Gegen die neue Verteidigungsministerin fährt der AfD-Politiker und ehemalige Stabsoffizier ganz großes Geschütz auf. Doch der Schuss geht nach hinten los. Übrig bleibt geistiges Brandstiftertum.
          Nordkoreas Machthaber KIm Jong-un sieht man regelmäßig bei offiziellen Empfängen in Limousinen vorfahren.

          Kim Jong-un : Wie Nordkoreas Machthaber an seine Luxusautos kommt

          Eigentlich ist der Export von Luxusgütern nach Nordkorea verboten. Trotzdem sieht man Machthaber Kim Jong-un bei offiziellen Empfängen regelmäßig in Limousinen vorfahren. Eine Forschergruppe will das Rätsel gelöst haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.