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Künftiger Eintracht-Kapitän? : Hinteregger will hoch hinaus

  • -Aktualisiert am

Bekanntes Flugobjekt: Martin Hinteregger erzielt mit dem 2:1 gegen die Hertha sein erstes Saisontor. Bild: Reuters

Martin Hinteregger ist in die Rolle des Eintracht-Anführers gewachsen. Der österreichische Nationalspieler empfiehlt sich als Kapitän der Frankfurter. Doch Adi Hütter hat sein Auswahlverfahren noch nicht abgeschlossen.

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          Der neue Abwehrchef der Eintracht ist Martin Hinteregger schon nach dem Abgang von David Abraham. Hinteregger auf der Libero-Position, rechts von ihm in der Dreierkette Tuta und links Evan Ndicka – so stellt Trainer Adi Hütter aktuell mit Erfolg die international besetzte Frankfurter Verteidigungsreihe auf. Auf zentraler Position wirkt der mit reichlich Erfahrung ausgestattete Hinteregger als Bindeglied zwischen den Fußball-Rohdiamanten Ndicka und Tuta, die beide erst 21 Jahre alt sind. Vor kurzem hat Hinteregger das Trio auch abseits des Fußballplatzes auf ungewöhnliche Art in luftiger Höhe zusammengeschweißt.

          Bundesliga

          Den Brasilianer Tuta und den Franzosen Ndicka animierte der 28 Jahre alte Österreicher zu einem gemeinsamen Hubschrauberflug. Auf dem Platz des Kopiloten nahm Hinteregger Platz, der in Egelsbach seinen Pilotenschein macht. In der Welt des Fliegens findet der bodenständige Profi die liebgewonnene Abwechslung zu seinem Beruf als Fußballprofi. Als Mann der Berge ist es der gebürtige Kärntner Hinteregger gewohnt, hoch hinaus zu kommen.

          Hütter will sich nicht festlegen

          Der neue Eintracht-Kapitän ist Hinteregger noch nicht. Aber der Nationalspieler, der es in Frankfurt zum Kultspieler gebracht hat, könnte es als Nachfolger von David Abraham bald werden, wenn er seine Persönlichkeit weiter so einbringt. Beim 3:1 über Hertha BSC Berlin hatte Makoto Hasebe den Kapitänsposten inne. Als Hütter den Japaner auswechselte, steckte Schiedsrichter Florian Badstübner als Überbringer des Utensils Hinteregger die Binde an den Oberarm. Und der Defensivspieler behielt diese, nachdem Sebastian Rode – er ist ebenfalls ein Kapitäns-Anwärter – eingewechselt worden war. Noch will sich Hütter nicht festlegen, welcher Spieler in Zukunft dauerhaft die Aufgabe von Abraham übernehmen wird.

          Zum Auswahlverfahren des Cheftrainers gehört es, alle Kandidaten in der Praxis in der verantwortungsvollen Rolle auszuprobieren. Hasebes Vertrag läuft am Rundenende aus. Momentan deutet jedoch alles darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit dem 37-Jährigen demnächst abermals um ein Jahr verlängert wird.

          Wie vertraglich vereinbart, sieht Hinteregger bis zum Rundenende 2023/24 seine berufliche Zukunft in Frankfurt. Und aktuell gibt es keinerlei Anzeichen, dass er Abwanderungsgedanken hegt, im Gegenteil: In der teaminternen Hierarchie rückt der meinungsstarke Hinteregger immer weiter nach oben. Den Status des Anführers hat sich der kopfballstarke Abwehrspieler verdient. Sein Treffer mit dem Kopf zum 2:1 am vergangenen Samstag im Duell mit der Hertha war sein erstes Saisontor, nachdem er in der Vorsaison mit acht Treffern zu den treffsichersten Verteidigern in Europa gezählt hatte. „Für Martin freut es mich besonders“, sagte Hütter hinterher. Und auch Hinteregger erfreute sich an seinem zurückgewonnenen „Torinstinkt“, hatte er in dieser Runde doch schon „einige Pfostentreffer“ beklagen müssen.

          Hinteregger liebt den Druck von außen

          Diesmal habe er bei der Flanke von Almamy Touré „nur noch meinen Schädel hinhalten müssen“, meinte Hinteregger. Sein zwischenzeitliches Kopfproblem hat er offensichtlich hinter sich gelassen. In Zeiten der Corona-Pandemie ohne Zuschauer spielen zu müssen ist nicht sein Ding, weil sein kampf- und körperbetontes Spiel besonders von den Emotionen und der hitzigen Atmosphäre im Stadion lebt. Hinteregger liebt den Druck von außen, der ihn zu Höchstleistungen anspornt.

          Der für ihn das Salz in der Suppe ist. Das fehlende Publikum schien ihn zu hemmen und zu verunsichern, für Hinteregger war es ein mentales Problem. Doch mittlerweile tritt er wieder kraft seiner Eigenmotivation in gewohnter Form als kompromissloser und unerschrockener Zweikämpfer auf. Das entspricht ganz dem Naturell des Naturburschen, der für Hütter einer „der besten Verteidiger in der Bundesliga“ ist.

          Auch ein Mehr an Verantwortung macht Hinteregger nach eigener Einschätzung noch stärker und besser. Das würde ihn für den Kapitänsposten prädestinieren. Wenn man so will, übt er schon fleißig in dieser Rolle. Auffällig ist, dass er heute auf dem Platz mehr Anweisungen erteilt. Mit Worten lenkt er seine beiden jungen Nebenleute. Mit vielfältigen Aktivitäten fördert Hinteregger das Gemeinwohl.

          Weil er in dieser Woche zweijähriges Dienstjubiläum in Frankfurt hatte, ließ er für seine Kollegen eine Brotzeit auftischen. Außerdem wird er immer mehr zum Sprachrohr der Mannschaft. Nach den Spielen steht jetzt Hinteregger oft Rede und Antwort. Dabei trifft er den Ton. Angesprochen auf eine mögliche Champions-League-Qualifikation, sagte er mit hörbarem Spaß in der Stimme: „Ich antworte mal demokratisch: Wir schauen von Spiel zu Spiel.“ Abheben tut Hinteregger nur mit dem Hubschrauber.

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