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Neuer Sportvorstand : Was Krösche jetzt bei der Eintracht leisten muss

Der Neue: Markus Krösche (links) kommt, weil der Leipziger Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ihn vorzeitig aus dem Vertrag gelassen hat. Bild: Huebner

Die Eintracht hat einen neuen Sportvorstand. Markus Krösche kommt zum Saisonende von RB Leipzig nach Frankfurt. Er startet gleich mit einer großen Aufgabe.

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          An Spekulationen, was die nahe Zukunft der Eintracht betrifft, herrscht kein Mangel. Zu viel ist im Unklaren, als dass sich behaupten ließe, es herrsche Planungssicherheit. Sportlich liegt die Fußballmannschaft in der Bundesliga im Rennen um die Champions-League-Plätze als Tabellenvierter aussichtsreich im Rennen. Doch zuletzt erlaubten sich die Spieler zwei Niederlagen innerhalb von sieben Tagen, nachdem sie zuvor in 28 Spielen nur dreimal das Feld als Verlierer hatten verlassen müssen. Das Nervenflattern kurz vor dem großen Ziel hat begonnen.

          Marc Heinrich
          (mah.), Sport

          Seit seiner Bekanntgabe, dass er vom 1. Juli an in Mönchengladbach anheuern wird, potenzierte Trainer Adi Hütter die Unruhe, die Fredi Bobic Ende Februar mit seiner Ankündigung auslöste, er habe die Lust an der Eintracht verloren. An diesem Samstag wurde nun verkündet, wer fortan unter sportlich-strategischen Gesichtspunkten das Kommando führt bei der Eintracht: Markus Krösche erhält einen Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2025.

          „Habe die Entwicklung intensiv verfolgt“

          Der Aufsichtsrat der Eintracht hatte sich am Freitag einstimmig für die Berufung des 40 Jahre alten Krösche zum Sportvorstand ausgesprochen, der seinen Vertrag als Sportdirektor bei RB Leipzig Anfang dieser Woche vorzeitig aufgelöst hatte. Er beginnt seine Arbeit beim in Frankfurt am 1. Juni. „Ich habe die Entwicklung von Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren intensiv verfolgt. Der Klub hat sich toll entwickelt und ist unter anderem aufgrund seiner Emotionalität eine großartige Adresse im deutschen Fußball“, wird in einer Pressemitteilung der Eintracht zitiert.

          Krösche tritt in große Fußstapfen. Bobic war vor fünf Jahren bei der Eintracht noch als Mangel-Verwalter angetreten. Dank geschickter Transfers beschleunigte der wagemutige Schwabe die Verwandlung des Vereins vom Fast-Absteiger in eine Europapokal-Adresse, die demnächst mit vollständiger Entourage in den schmucken Campus am Rande des Stadtwalds umziehen und darüber hinaus als Stadion-Betreiber – in der dann wieder gewonnenen Freiheit nach der Pandemie – über zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten verfügen kann.

          Aus Leipzig an den Main: Markus Krösche
          Aus Leipzig an den Main: Markus Krösche : Bild: Picture-Alliance

          Als ob also die Messlatte für den künftigen Eintracht-Boss Krösche nicht auch so schon hoch genug liegen würde, schraubte sie Bruno Hübner vor dessen Verpflichtung noch ein bisschen weiter nach oben. Der 60 Jahre alte Sportdirektor, der im Sommer nach dann fast vierzig Jahren im Profi-Business in den Ruhestand geht, kündigte „intensive Gespräche“ an, die der Bobic-Nachfolger als eine seiner ersten Amtshandlungen zu leisten habe.

          Mit Real Madrid müsse verhandelt werden. Es gebe, verriet Hübner, auf Seiten der Eintracht „viele Gedankenspiele“, die sich mit einer Weiterbeschäftigung Luka Jovics über den 30. Juni hinaus beschäftigen. Für die Rückrunde ist der Serbe von den „Königlichen“ ausgeliehen, nachdem er Mitte 2018 für die Frankfurter Rekordsumme von 60 Millionen Euro an den 34maligen spanischen Meister veräußert wurde – und dort nicht wie erhofft Fuß fassen konnte. Es sei „kein Geheimnis“, sagte Hübner, dass die Eintracht Jovic gerne behalten würde.

          Silva im Tausch nach Madrid?

          Der Klub sei bereit, viele Optionen zu kalkulieren, wie sie den Stürmer (dem bei seiner Vertragsunterschrift in Madrid zehn Millionen Euro Jahresgehalt zugesichert wurden) weiter an sich binden könne. Hübner selbst vermied es, näher ins Detail zu gehen. Er verwies darauf, dass in dieser und allen anderen Personalangelegenheiten diejenigen die richtigen Ansprechpartner seien, die in Zukunft bei der Eintracht das Sagen haben. Dem Vernehmen gibt es von Seiten der Eintracht bereits den Vorschlag, sollte Real Interesse an einer Verpflichtung André Silvas besitzen, den Portugiesen für weniger als die eigentlich festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro ziehen zu lassen, sofern Madrid dafür beim Deal mit Jovic entgegenkommt.

          So oder so wird sich das Aufgebot der Frankfurter spürbar verändern. Es bedarf neben den Rückkehrern Goncalo Paciencia und Frederick Rönnow (beide ausgeliehen an den FC Schalke), Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Rodrigo Salazar (FC St. Pauli) nennenswerte Investitionen in einen breiteren und tieferen Kader, um die anstehende Mehrbelastung wegzustecken. Das Ticket fürs internationale Geschäft hat die Eintracht drei Spieltage vor Rundenabschluss definitiv gelöst. Einzig die Frage für welchem Wettbewerb ist noch unbeantwortet. Sollte es tatsächlich mit dem Einzug in die Königsklasse etwas werden, käme das dem Gewinn des Jackpots gleich: Alleine die Teilnahme an der Gruppenphase garantiert Einnahmen von 20 Millionen Euro; in der Europa League wären bis zum Abschluss des Jahres rund zehn Millionen zu verdienen, während es bei einem Start in der Conference League sieben Millionen Euro gibt.

          „Wir sind auf jeden Fall auch in Zukunft eine gute Plattform für Spieler, die etwas erreichen wollen“, fasste Hübner die Ausgangslage vor den bis Pfingstsamstag noch zu absolvierenden Partien gegen Mainz, Schalke und Freiburg zusammen. Er fügte an, dass definitiv „Bewegung“ in die Frankfurter Kabine kommen werde, sobald geklärt sei, wohin die Reise gehe. „Viele bei uns haben sich in den Fokus gespielt.“

          Bei Filip Kostic sehe er dessen ungeachtet gute Chancen, dass er weiterhin das Trikot der Eintracht trage. In Frankfurt habe der 28-Jährige, der auf dem Rasen „den Unterschied macht“, ein Umfeld gefunden, in dem er sein Leistungspotenzial abrufen könne. Kostic wisse, was ihm in Frankfurt geboten werde und dass er nach wechselhaften Phasen in Stuttgart und Hamburg zu einem Team gehöre, das es ihm ermögliche, seine Stärken zur Geltung zu bringen. „Bei ihm bin ich ein bisschen entspannter“, sagte Hübner, der sich vor wenigen Wochen fast gleichlautend in Sachen Hütter geäußert hatte. Kurz danach gab der Österreicher seinen Abschied bekannt.

          Schmidt kommt nicht zur Eintracht

          Roger Schmidt will Cheftrainer des niederländischen Fußball-Erstligateams PSV Eindhoven bleiben. „Ich bin nicht zu PSV gekommen, um nur ein Jahr zu bleiben“, erklärte der 54-jährige deutsche Coach laut eines Berichts auf der Vereinshomepage. Er habe für „eine Mission von mindestens zwei Jahre“ unterschrieben. „Wenn ich jetzt gehen würde, hätte ich nicht das Gefühl, Trainer von PSV gewesen zu sein“, sagte Schmidt. Damit begegnet Schmidt Wechsel-Spekulationen nach Frankfurt. (dpa)

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