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Fall Kostic bei der Eintracht : Bewährungsprobe bestanden

  • -Aktualisiert am

Filip Kostic hätte Frankfurt gerne verlassen, muss aber bei der Eintracht bleiben. Bild: Reuters

Eintracht Frankfurt muss Filip Kostic für sein Verhalten bestrafen. Sonst läuft der Klub Gefahr, dass bald die Nächsten austesten, wie weit sie gehen können und dürfen, um ihr eigenes Wohl zu mehren.

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          Filip Kostic ist ein Fußballer mit exzellenten Qualitäten. Schnell, zweikampfstark, schussgewaltig. Er hat den spielerischen Vorstellungen der Eintracht in den vergangenen drei Jahren bei vielerlei Gelegenheiten das gewisse Etwas verliehen. Es ist gut für Oliver Glasner, einen Profi dieses Formats auch weiterhin in den eigenen Reihen zu wissen.

          Bundesliga

          Trotz allem: Es wird mehr denn je auf die kommunikativen und psychologischen Fähigkeiten des Trainers ankommen, um den Abtrünnigen, der mit seinem Verhalten gegen den ungeschriebenen Ethikkodex des Teams verstoßen hat, wieder zu integrieren.

          Kostics Fehlverhalten kann nicht ungeahndet bleiben. Sonst droht der brüchige Friede innerhalb der Kabine, in der es ohnehin seit Wochen rumort, zu platzen, würden Neid und Missgunst eine unheilvolle Wirkung entfalten, die schwerer zu besiegen wäre als jeder der kommenden Gegner. Der Klub hat vielerlei Möglichkeiten, Kostic zu signalisieren, dass er nach wie vor willkommen ist. Und mehr denn je mit voller Kraft gebraucht wird.

          Fußball ist ein Teamsport

          Jeder macht Fehler, doch seine Weigerung, am Training teilzunehmen und so den Wechsel zu Lazio Rom zu forcieren, hat niemandem Leid zugefügt oder irreparablen Schaden angerichtet; gelitten hat vor allem sein bis dahin tadelloser Ruf. Diesen kann er am ehesten durch vorzeigbare Leistungen aufpolieren. Glasner muss aber auch ein Interesse daran haben, dass sich die Ichbezogenheit jedes Einzelnen in Grenzen hält und der Egoismus nicht zulasten der Gemeinschaft geht.

          Fußball ist ein Teamsport, in der ein Solist ins Abseits gerät, wenn er keine Mitspieler an seiner Seite weiß, die für ihn und mit ihm kämpfen oder von denen er durch ein kluges Zuspiel profitieren kann. Kostic ist ein gestandener Profi. Er wird demnächst 29 Jahre alt, er ist kein Jungspund mehr, der nicht wüsste, wie die Dinge laufen, und hat im Laufe seiner Karriere Millionen an Euro verdient. Entsprechend muss die Strafe ausfallen, die die Eintracht verhängt.

          Sonst läuft sie Gefahr, dass im Winter, wenn das Transferfenster wieder geöffnet sein wird, die Nächsten austesten, wie weit sie gehen können und dürfen, um ihr eigenes Wohl zu mehren. Wie immer im Sport gibt es auch in dieser Angelegenheit Gewinner und Verlierer. Festzuhalten bleibt: Sportvorstand Markus Krösche, der Glasner argumentativ sofort zur Seite sprang und Kostic gleichzeitig die Grenzen des (Un-)Möglichen aufzeigte, hat eine erste Bewährungsprobe an der Spitze der Eintracht bestanden.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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