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Luka Jovic : Zurück in die Nestwärme bei Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Ansporn durch den Rückkehrer? Jovic (links) und Kostic in Florida im Januar 2019 Bild: Jan Huebner

Luka Jovic und die Eintracht: Nicht die erste Rückholaktion, die Erfolg verspricht. Trainer Adi Hütter freut sich vor dem Spiel gegen Kellerkind Schalke 04 über neue Optionen in der Fußball-Bundesliga.

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          Luka Jovic bleiben genau 19 Spiele in der Fußball-Bundesliga, um bei seinem Herzensklub Eintracht Frankfurt wieder die schönen alten Gefühle als erfolgshungriger Torjäger zu wecken. Und wenn der 23 Jahre alte Stürmer, den die Hessen bis zum Rundenende von Real Madrid ausgeliehen haben, zum Schluss als neuer, alter Star sein Soll erfüllt und in vertrauter Umgebung zur gewohnten Stärke zurückgefunden hat, besitzt er nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird sein Leihvertrag in Frankfurt mit einem großen Hurra um eine weitere Spielzeit verlängert. Dafür müsste Real aber weiter einen gewichtigen Teil des Gehalts von Jovic, das mit jährlich zehn Millionen Euro angegeben wird, übernehmen. Oder der serbische Nationalspieler konnte sich in den gut vier Monaten in Frankfurt für ein anderes lukratives Engagement bei einem europäischen Topklub empfehlen. In der Vergangenheit sollen bereits Manchester United und der AC Mailand mit dem Gedanken gespielt haben, sich mit Jovic neue Angriffswucht zu verschaffen.

          DFB-Pokal

          Dass der Angreifer, der in Madrid noch einen Vertrag bis zum 1. Juli 2025 besitzt, unter Trainer Zinédine Zidane eine neue Bewährungschance erhält, ist dagegen nicht sehr wahrscheinlich. „Luka ist jung, und genau das haben wir gesucht. Aber er hatte Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen, dazu kamen Verletzungen. Das ist nicht leicht.“ Jovic müsse „noch viele Dinge lernen. Aber dass er Qualitäten hat, steht außer Frage. Ich habe keine Zweifel daran, dass sich Luka entwickeln wird und eine große Zukunft vor sich hat“, sagte Zidane in dieser Woche auf einer Pressekonferenz. Die Frage ist nur: wo? Bei Real, das sich Jovic gut 60 Millionen Euro an Ablöse kosten ließ, reifte er bisher nicht zum Weltstar.

          Mit Eintracht Frankfurt hat sich Jovic nach eineinhalb Jahren in Madrid wieder in die Obhut des Vereins begeben, bei dem er große Nestwärme verspürt. Bei dem ihm nach Anlaufschwierigkeiten in seiner Karriere der fulminante Aufstieg zum Topscorer gelungen war. Acht Tore und eine Vorlage in zweiundzwanzig Bundesligaspielen – das war die Bilanz des Serben in seiner ersten Erstliga-Saison unter Trainer Niko Kovac. Mit Trainer Adi Hütter wurden es dann in 32 Bundesligapartien 17 Tore und 8 Vorlagen. Außerdem bereicherten zehn Treffer in vierzehn Europa-League-Spielen die Statistik von Jovic.

          Kovac hat geholfen

          Kovac habe ihm geholfen, „den richtigen Weg zu finden. Er gab mir im Training nicht einen Moment lang die Chance, faul zu sein. Ich hatte nicht eine Minute meine Ruhe“, sagte Jovic in einem Interview über die offenbar nötige Anschubhilfe. „Niko Kovac hat aus mir einen besseren Spieler und auch einen besseren Menschen gemacht.“ Bestens miteinander harmonierten dann auch Hütter und Jovic. Der 50 Jahre alte Österreicher förderte die individuellen Stärken von Jovic zum Wohl aller. Das spricht jetzt für eine sportliche Integration des Serben im Schnellverfahren. „Wir haben eine spielerisch starke Mannschaft, die auf Ballbesitz spielen kann – das kann Luka auch perfekt“, meinte Hütter.

          An diesem Sonntag (18 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie bei Sky) im Heimspiel gegen Schalke 04 dürfte er zunächst die Rolle des Jokers für Jovic vorgesehen haben. Dieser braucht vor allem Spielpraxis. Wettbewerbsübergreifend 16 Mal gehörte Jovic in dieser Saison zum Real-Kader. Bei seinen fünf Einsätzen erfolgten nur zwei von Anfang an. Spannend wird sein, wie Hütter in Zukunft die Rollen verteilt. Die Formation mit zwei Zehnern hinter der Sturmspitze André Silva hat sich in den zurückliegenden Wochen bewährt. Jovic gebe „uns einfach viel mehr Möglichkeiten“, pries Hütter. Denkbar ist demnach, dass der Trainer je nach Notwendigkeit mal mit zwei Spitzen (Silva und Jovic) oder mit zwei Zehnern spielen lässt. Als hängende Spitze kann Jovic auch aus dem Mittelfeld zum Angriff blasen. Er wisse, „was Luka in seinem Kopf hat. Er will allen seine Klasse zeigen. Auf diesem Weg werde ich und werden wir alle ihm helfen“, kündigte Hütter an. Dieser Vertrauensvorschuss wird Jovic zusätzlich beflügeln.

          Rückholaktionen von Spielern haben die Eintracht schon ein paar Mal sportlich nach vorne gebracht. Torhüter Kevin Trapp und Sebastian Rode sind Führungsspieler und Identifikationsfiguren im internationalen Ensemble von Hütter. Diese Rolle hatte auch Marco Russ bis zu seinem Karriereende im zurückliegenden Jahr inne. Ante Rebic ein zweites Mal auszuleihen und später fest zu verpflichten, bevor er 2019 im Tausch mit Silva zum AC Mailand wechselte, machte sich für die Frankfurter finanziell und sportlich mit dem DFB-Pokalsieg ebenfalls mehr als bezahlt.

          Nun soll Jovic zum neuen, alten Faustpfand auf dem Platz werden. „In dieser Phase meiner Karriere ist das genau der richtige Schritt.“ Die Eintracht, zu der er eine „besondere Bindung aufgebaut“ habe, sei ihm „sehr an Herz gewachsen“, sagte er. Starallüren würde sich Jovic nicht leisten können, basiert der Zusammenhalt in der intakten Mannschaft doch auf einer für das Gemeinwohl gut ausbalancierten Hierarchie. Ganz nebenbei hoffen die Eintracht-Verantwortlichen darauf, dass Jovic seinen Kumpel Filip Kostic dazu anspornt, wieder zu Topform zu finden. Dann wäre der winterliche Königstransfer von großem Wert für die Eintracht.

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