https://www.faz.net/-gtm-a7xtd

Eintracht-Stürmer Luka Jovic : „Ich hatte viel Pech bei Real Madrid“

  • -Aktualisiert am

Luka Jovic fühlt sich wieder pudelwohl im Kreise der Eintracht-Kollegen. Bild: Picture-Alliance

Bei den Königlichen schoss er in eineinhalb Jahren nur zwei Tore, bei der Eintracht in drei Spielen schon drei. Luka Jovic ist zurück im Glück. Nun spricht er über die Zeit in Madrid, Zinedine Zidane und die Rückkehr nach Frankfurt.

          3 Min.

          Luka Jovic behauptet, bei Real Madrid einiges dazugelernt zu haben. „Ich bin erfahrener geworden, ich habe Fortschritte gemacht, das sagte ich der Eintracht schon bei den Verhandlungen.“ Der serbische Mittelstürmer trat am Dienstag sogleich den Beweis an. Während einer Videopressekonferenz, mit der die Eintracht das riesige Öffentlichkeitsinteresse an ihrem neuesten Fußballprofi befriedigen wollte, präsentierte sich der 23-Jährige als redegewandter Gesprächspartner. Er blieb keine Antwort schuldig, ohne etwas Unüberlegtes oder Kompromittierendes auszuplaudern – reif für den diplomatischen Fußballdienst.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Wie kommentiert ein Torjäger, dass er von seinem neuen Verein (Real) zu seinem alten (Eintracht) geradezu zurückflüchtete, nachdem er in anderthalb Jahren nur zwei Treffer erzielte – und dass ihm bei seiner alten Liebe in den ersten drei Spielen drei Tore glücken? Am besten gar nicht, wenn man es sich nicht mit seinem Arbeitgeber verscherzen möchte, der Real ja nach wie vor ist. Die Frankfurter haben ihn nur für vier Monate bis Saisonende ausgeliehen. Jovic beschränkte sich darauf, die Fakten zu beschreiben. „Ich hatte viel Pech dort, viele Verletzungen, private Probleme kamen hinzu.“

          Der Angreifer sprach so positiv über seinen spanischen Klub, wie er angesichts von nur 32 Einsätzen in anderthalb Jahren (fast immer als Einwechselspieler) sprechen konnte. „Ich habe durch das Training mit vielen Weltklassespielern einige Tricks gelernt und spielerisch zugelegt. Ich bin stark nach Frankfurt zurückgekehrt, ohne viele Einsätze gehabt zu haben.“

          Die Frage zu seinem Verhältnis zu Real-Trainer Zinédine Zidane und was dessen Frankfurter Kollege Adi Hütter im Vergleich zu ihm auszeichne, umdribbelte Jovic geschickt. „Beides sind phänomenale Trainer.“ Dann ging er ins Detail, ohne Zidane weh zu tun: „Die Kommunikation mit Adi Hütter ist einfacher für mich, weil wir Englisch sprechen können. Mein Spanisch ist nicht so gut. Und natürlich ist es von Vorteil, wenn man ein guten Stand beim Trainer hat.“

          Jovic ohne allzu großes Engagement

          In Madrid ist Jovic nie der Nachweis gelungen, seine Ablösesumme von über 60 Millionen Euro wert zu sein. Trainer Zidane nahm den jungen Serben zwar gegenüber den mäkelnden spanischen Medien immer in Schutz, aber viele Chancen gab er ihm auch nicht. Was ihm angesichts Alternativen wie Karim Benzema und Eden Hazard auch nicht zu verdenken war, zumal Jovic nicht gerade durch allzu großes Engagement auffiel, gegen die Widerstände anzukämpfen und an der Hierarchie etwas zu ändern.

          Nach den zwei Toren des Serben zum Eintracht-Debüt gegen Schalke äußerte sich Zidane wieder sehr freundlich über den 23-Jährigen: „Mir gefällt es, was er geleistet hat. Ich freue mich für ihn und wünsche ihm das Beste. Es war für ihn eine gute Option zu wechseln.“ Das französische Fußballidol kann sich eine Wiedereingliederung des Mittelstürmers nach Ablauf der Leihe sehr gut vorstellen: „Er hat hier eine Zukunft, um sich als Spieler zu beweisen. Aber in Madrid zu spielen oder woanders ist ein Unterschied. Und das weiß er. Hier herrscht ein großer Konkurrenzkampf.“ Zidane wies allerdings jegliche Schuld von sich, die Entwicklung Jovic’ behindert zu haben: „Die Schuld daran trägt nicht der Trainer. Der Spieler muss sich zeigen. Aber eines Tages soll er dasselbe bei Real Madrid leisten.“

          Ob dies realistisch ist? Jovic wich der Frage aus. Er wolle sich im Moment ganz auf die Eintracht konzentrieren, es mache keinen Sinn, weiter in die Zukunft zu denken. Ob sie sich in Madrid, Frankfurt oder woanders abspiele. Durch ein Eingeständnis deutete Jovic allerdings an, dass er nicht mit aller Macht eine Perspektive bei Real anstrebt: „Nein, ich lerne im Moment kein Spanisch mehr, das habe ich nur am Anfang gemacht.“

          So professionell Jovic bei der Videokonferenz wirkte, er ist doch ein sehr emotionaler Mensch, der eine Umgebung benötigt, in der er sich wohl fühlt. Frankfurt stellte in dieser Hinsicht das Optimum seiner Karriere dar. Hier fand er in Niko Kovac einen Trainer, von dem er sich Professionalität beibringen ließ, hier fand er in Gacinovic, Rebic und Kostic Kollegen, die zu Freunden wurden. 36 Tore in 75 Pflichtspielen drückten sein Talent und sein Wohlbefinden aus. Deshalb wollte er nirgendwo anders hin als nach Frankfurt, als ihm Real vor ein paar Wochen die Möglichkeit eines Intermezzos in Aussicht stellte. Es lagen ihm lukrativere Angebote vor, in Frankfurt verzichtet er auf einen Teil seiner Gage.

          F+ FAZ.NET komplett

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Und Jovic fühlt sich nach drei Spielen und drei Toren bestätigt: „Der Stil der Stadt und der Stil der Mannschaft passen zu mir. Ich bin wieder in der richtigen Umgebung, deshalb war es der richtige Schritt.“ Noch sei er nicht in Topform, er müsse den Rückstand durch Verletzungen und die vielen Aufenthalte auf der Ersatzbank noch aufholen. Deshalb habe er überhaupt kein Problem damit, noch nicht in der Startelf zu stehen: „Ich vertraue Adi Hütter, dass er den richtigen Zeitpunkt findet, wenn ich in bester Verfassung bin.“ Schon in ihrer ersten gemeinsamen Saison 2018/19 kamen die beiden hervorragend miteinander aus.

          Obwohl sich der Eintracht-Kader in den vergangenen anderthalb Jahren stark verändert hat, fand sich Jovic bei seiner Rückkehr bestens zurecht. Dass er bei seiner Rückkehr mit großer Freude und großen Erwartungen empfangen wurde, und das nicht nur von seinem Freund und Landsmann Filip Kostic, hat ihn obendrein beflügelt. „Ich bin von der neuen Mannschaft positiv überrascht. Ich möchte keinen Einzelnen hervorheben, aber wir sind insgesamt auf einem höheren Niveau.“

          Damals spielte die Eintracht in der Europa League. Die logische Schlussfolgerung hieße, dass Jovic die Eintracht reif genug für die Champions League hält: „Wenn wir so weiterspielen, haben wir auf jeden Fall die Chance dazu, uns zu qualifizieren.“ Ob er dann das Gefühl hätte es Real Madrid gezeigt zu haben? „Ich muss keinem etwas beweisen. Ich weiß, dass ich ein guter Fußballspieler bin. Und wer mich sieht, der weiß es auch.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mehr Schatten als Licht: Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus.

          Berater in der Krise : Chaostage bei McKinsey

          Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus. Und wirft damit Fragen nach ihrem Reformwillen auf.
          „In der EU herrscht Zusammenbruch“: Präsident Putin am Mittwoch im Kreml

          Putin und die Pandemie : Russlands versteckte Corona-Tote

          Präsident Wladimir Putin lobt den russischen Umgang mit der Corona-Pandemie, zumal im Vergleich zum Westen. Doch die enorme Übersterblichkeit lässt das Schlimmste befürchten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.