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Eintracht-Spieler Jakic : Die Tränen des Draufgängers

Kristijan Jakic ist von Dinamo Zagreb an die Eintracht ausgeliehen. Sie besitzt aber auch eine Kaufoption. Bild: Picture-Alliance

Eintracht-Profi Jakic gibt sein Debüt für Kroatien und kämpft mit seinen Emotionen. In Frankfurt ist er bereits unverzichtbar geworden. Nun kommt die Hertha nach Frankfurt, ein Erfolg wäre hilfreich.

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          Für Kristijan Jakic trug die Reise auf die Insel der Götter fast göttliche Züge. Der Kroate konnte sein Glück kaum fassen, doch es stimmte: Erstmals in seiner Karriere als Fußballprofi durfte er für sein Land spielen. Dass es letztlich nur sechs Minuten waren, die der Eintracht-Profi als Einwechselspieler zum Einsatz kam, war nicht so wichtig. Wichtig war der Sprung in die Elf des Weltmeisterschaftszweiten. „Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, sagte der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler beim kroatischen Fernsehen. Seine Stimme war belegt, Jakic musste mit den Tränen kämpfen.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Dass Jakic tatsächlich am vergangenen Wochenende auf Zypern sein Debüt in der kroatischen Nationalmannschaft geben durfte, verwundert nicht. Verdient hatte es sich der kompromisslose Abräumer zwischen Defensiv- und Offensivabteilung durch konstant gute Leistungen im Dress der Eintracht. Schnell wurde deutlich: Mit Jakic hatte es der beste Neuzugang in die Startformation von Trainer Oliver Glasner geschafft.

          Mit unbändigem Willen und großem Eifer wollte er seinen Traum vom Nationaltrikot schnell verwirklichen. Schon Mitte September, beim 1:1 in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart, zeigte Jakic seine Fähigkeiten und gehörte auf Anhieb zu den besten Frankfurtern. Spielerisch mag es noch Verbesserungspotential in den Aktionen des unnachgiebigen Mittelfeldrackerers geben. Kämpferisch aber agiert er ohne Fehl und Tadel.

          Heimspiel gegen Berlin

          „Ich bin einer, der den Fuß nicht zurückzieht“, sagt er. Am Montagabend, als sich die deutsche Nationalmannschaft dank des 4:0 in Nordmazedonien vorzeitig und als weltweit erstes Team überhaupt für die im kommenden Jahr stattfindende Weltmeisterschaft in Qatar qualifizierte, hatte Jakic zur gleichen Zeit in seiner Heimat auf eine zweite Arbeitsprobe im Nationaldress gehofft. Doch Trainer Zlatko Dalic verzichtete diesmal auf Jakics kämpferische Künste. Am Ende hieß es 2:2 gegen die Slowakei. Nicht gerade das Ergebnis, das sich die Kroaten vorgestellt hatten.

          Doch in der Qualifikationsgruppe H liegen Jakic und Co. als Tabellenzweiter hinter dem neuen Spitzenreiter Russland noch immer gut im Rennen um das Ticket für Qatar. Jakics nächste Einsatzchance lässt nicht lange auf sich warten. Am Samstag (15:30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) kommt die alte Dame Hertha in die Frankfurter Arena. Ein Sieg gegen die Berliner ist fast Pflicht. Nach dem unverhofften Coup in München, wo die Eintracht die Bayern 2:1 bezwang, wäre ein abermaliger Erfolg das richtige Signal, um sich tabellarisch weiter nach oben zu entwickeln.

          Um seine Mannschaft auf die Hertha einzustellen, hat Trainer Glasner insgesamt sechs Übungseinheiten angesetzt. Der auf Reisen befindliche Jakic hat die ersten davon verpasst und wird in der zweiten Wochenhälfte bestrebt sein, seinen Status als Stammkraft zu bestätigen. Seit jenem Spiel gegen Stuttgart nämlich hält Glasner große Stücke auf den Kompromisslosen mit der Rückennummer sechs.

          „Ich habe großes Selbstvertrauen“, sagt Eintracht-Leihspieler Jakic. „Ich gebe alles für die Mannschaft und will mich hier durchsetzen.“ Nicht nur in Frankfurt, sondern perspektivisch auch in der Nationalelf. Gelingen könnte es ihm, wenn aus dem Draufgänger mit Behauptungswillen, Biss und Aggressivität eines Tages auch ein technisch beschlagener Mittelfeldmann wird. Mitspieler Erik Durm sieht Jakics bisherige Rolle so: „Er agiert als eine Art Staubsauber und ist sehr mutig.“ Qualitäten, die auch gegen die unbequeme Hertha gefragt sein dürften.

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