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Kommentar : Eine Eintracht-Satzung für alle

  • -Aktualisiert am

Peter Fischer hat nach seiner Wiederwahl als Präsident von Eintracht Frankfurt gut lachen. Bild: dpa

Wer die AfD wählt oder Mitglied ist, passt nicht zur Eintracht. Das sagte Peter Fischer in der F.A.Z. Bei der Mitgliederversammlung hat er seinen Kurs gehalten. Aber wer genau hinhörte, erkannte eine Differenzierung.

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          Peter Fischer hat seinen Kurs gehalten – auf den ersten Blick. Und er darf sich der Unterstützung seiner Vereinsmitglieder sicher sein. Kaum hatte der Präsident während der Mitgliederversammlung seine Haltung zur AfD angesprochen, da erhielt er tosenden Applaus. Vorsichtig geschätzt etwa 90 Prozent der anwesenden 654 Mitglieder erhoben sich, bevor der erste Mann des Vereins seine These, das Thema der vergangenen Wochen, auch nur im Ansatz erläutert hatte. Fischer blieb bei seiner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Haltung: Wer die AfD wählt oder Mitglied ist, passt nicht zur Eintracht.

          Aber wer genau hinhörte, erkannte eine Differenzierung. Durch Weglassen. Fischer vermied es, in seiner Rede die gegenüber dem Hessischen Rundfunk formulierte pauschale Verurteilung der AfD als „braune Brut“ und „Nazis“ zu wiederholen. Er war gut beraten. Sie ist nicht nur Gegenstand einer Strafanzeige, sie stimmt auch nicht. Insofern ist Fischers Sicht, er habe „nichts zurück zu nehmen oder zu relativieren“, relativ.

          Der erste Mann des bedeutendsten Vereins in der Stadt sah sich auch gezwungen, ein Missverständnis auszuräumen. Die Eintracht als Gesinnungsprüfer? Sie hätte sich damit zurück bewegt in die „dunkelste Zeit“ der Deutschen. Niemand, der Mitglied werden möchte, wird also ein Parteibuch vorlegen oder belegen müssen, nicht Mitglied etwa der AfD zu sein. Das erklärte Fischer ausdrücklich. Allerdings ist das keine Gnade des Präsidenten, sondern geltendes Recht in diesem Land. Andererseits genießt die Eintracht laut Vereinsrecht die Freiheit, nur aufzunehmen, wer sich mit den in der Satzung fixierten Idealen des Klubs identifiziert. Sie schließen jegliche Form unmenschlichen Verhaltens aus, von Herabsetzung über Diskriminierung bis hin zu Rassismus. Wer würde dem nicht jubelnd zustimmen in einer Welt, die augenscheinlich um Werte ringt?

          Was aber bleibt nun von der Attacke Fischers? Zweierlei: Weil sich – soweit bekannt – erstmals ein Präsident eines Fußball-Bundesligavereins öffentlich positioniert hat, wird das Thema endlich auch im Sport diskutiert, weit über Frankfurts Grenzen hinaus. Vereine sollten zwar überparteilich sein. Aber sie müssen ihrer so oft von ihnen selbst beschworenen gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden und dort Zeichen setzen, wo sie ihre Überzeugungen gefährdet sehen. Viel zu oft gehen Spitzenfunktionäre des Sports bei so heiklen Themen in Deckung.

          Fischer schoss zwar über das Ziel hinaus, aber sein Anstoß und die folgende Auseinandersetzung, soweit sie sachlich blieb, sensibilisiert für eine wichtige, gerne verdrängte Frage. Wofür stehe ich eigentlich, wenn ich Vereinsmitglied bin? Den wesentlichen Kern der Satzung, wie es Fischer empfiehlt, sollten nicht nur AfD-Mitglieder unter den Eintracht-Fans verinnerlichen und daraus Konsequenzen ziehen, falls sie rassistische Haltungen prominenter Parteifreunde dulden. So eine Aufforderung zur Selbstprüfung und Trennung im Fall der Fälle hätte man sich von Fischer schon gewünscht, als Eintracht-Fans in Nah und Fern als Vandalen auftraten. Die Satzung muss für jeden gelten. Daran wird Fischer in Zukunft zu messen sein.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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