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Ärger bei Eintracht Frankfurt : „Es gibt Schiedsrichter, die sollten ihren Pass abgeben“

„Das ist ein Witz“: Torwart Kevin Trapp. Bild: EPA

Warnsignal aus Wolfsburg: Eintracht Frankfurt erlebt gegen den VfL Ungewohntes und verliert erstmals seit langem wieder. Torwart Kevin Trapp schimpft nach dem Spiel – aber nicht über die Niederlage.

          3 Min.

          Mijat Gacinovic brachte es auf den Punkt. „Zum Fußball gehört auch dazu, dass man mal ein Spiel verliert.“ Am Sonntag ist dies der Eintracht passiert. Es war die zwölfte Partie in Folge, die die Frankfurter Fußballprofis ungeschlagen bleiben wollten. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Die kühl und präzise konternden Spieler des VfL Wolfsburg schafften es tatsächlich, der Eintracht nach mehr als zwei Monaten eine Niederlage zuzufügen. 1:2 hieß es aus Sicht des vormaligen Tabellendritten, der sich nach dem 13. Bundesliga-Spieltag auf Rang fünf wiederfindet – mit weiterhin 23 Punkten. Die „Wölfe“ nutzten zwei Chancen, um die Eintracht durch Admir Mehmedi (31.) und Daniel Ginczek (68.) empfindlich und entscheidend zu treffen. Der Frankfurter Anschlusstreffer durch Luka Jovic drei Minuten vor dem regulären Ende kam zu spät.

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          „Das ist schade heute“, sagte der abermals starke Makoto Hasebe nach dem unerwarteten Tiefschlag, der ein Warnsignal ist. „Wir haben unnötige Gegentore bekommen. Unsere Stürmer haben es schwer gehabt.“ Eine Einschätzung, die sich mit der seines Gegenspielers Mijat Gacinovic deckte. Auch der Serbe sah das von Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller gebildete Triumvirat nicht so wie sonst zur stürmischen Entfaltung kommen. „Zwei Monate lang haben sie es super und viele Tore gemacht“, sagte der nach einer Stunde in die Partie gekommene Gacinovic.

          Auch Eintracht-Trainer Adi Hütter musste nach dem 1:2 gegen Wolfsburg feststellen, „dass ich natürlich enttäuscht bin, denn wir haben auf Augenhöhe agiert und ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Aber Wolfsburg hat es gut gemacht und uns alles abverlangt.“ Sein Wolfsburger Trainerkollege Bruno Labbadia, als gebürtiger Darmstädter mit den Geschehnissen rund um die Eintracht bestens vertraut, zollte Hütter und der Eintracht Respekt. „Die letzten Wochen von euch waren beeindruckend. Wir sind nach Frankfurt gekommen und wollten den Lauf der Eintracht unterbrechen.“ Dies ist Labbadias Spielern auch deshalb gelungen, „weil wir es über die zweiten Bälle gespielt haben“.

          Schon in der neunten Minute frohlockten die meisten der insgesamt 48.000 Zuschauer, dass es auch gegen den VfL eine Fortführung der beeindruckenden Siegesserie geben könnte. Doch statt eines Elfmeters bekam die Eintracht lediglich einen Freistoß an der Strafraumgrenze zugesprochen. Weil es den Frankfurtern immer noch an einem verlässlichen, viel Gefährlichkeit ausstrahlenden Standardspezialisten fehlt, blieb diese erste Szene ohne anschließende Torgefahr. Es war die Eintracht, die wie schon in den vergangenen Wochen früh auf ein Tor drängte.


          Doch diesmal musste die Mannschaft von Trainer Hütter auf der Hut sein. Denn die Wölfe konterten schnell, stark und zielstrebig. Und weil es der Eintracht in der Folge nicht gelang, durch eine der Aktionen von Jovic (13. und 26.) Kapital zu schlagen und sie zudem Pech hatte, dass ein Linksschuss von Jonathan de Guzman am rechten Pfosten landete (14.), kam die Antwort des VfL. Es war der vierte Konter, den die Niedersachsen starteten – und der erste, der zum gewünschten Erfolg führte. Mehmedi brachte Wolfsburg mit einem flach plazierten Linksschuss 1:0 in Führung (31.). Schon vier Minuten zuvor hätte der VfL jubeln können, doch der Schuss von Stürmer Wout Weghorst landete an der Latte.

          Es war ein flottes, ein abwechslungsreiches Spiel, das hin und her wogte. Beide Mannschaften mussten wegen der Vielzahl der jeweiligen Angriffe des Gegners stets achtsam sein. Nach dem Seitenwechsel war es die Eintracht, die vehement auf den Ausgleich drängte – und sich scheinbar am Ziel sah. Doch Schiedsrichter Sascha Stegemann versagte dem Treffer von Haller korrekt die Anerkennung. Vorbereiter Danny da Costa hatte aus einer Abseitsposition heraus von der Torauslinie zurück in den Lauf des Franzosen gepasst (67.). Der Unmut über den nicht gegebenen Treffer währte nicht lange, denn im unmittelbaren Gegenzug sorgte der VfL für klare Verhältnisse. Diesmal war es Ginczek, der nach einem Konter erfolgreich war und auf 2:0 erhöhte (68.).

          Jovics Ergebniskorrektur in der 87. Minute nach einer feinen Freistoßaktion des eingewechselten Jetro Willems, die Haller mit dem Kopf zu Jovic verlängerte, kam zu spät und brachte nicht mehr die erhoffte Wende. „Wir haben einfach zu viele Konter zugelassen“, bemängelte Hütter nach der Heimniederlage. „Und wir haben zu schlampig gespielt.“ In seiner Analyse erwähnte der österreichische Fußballlehrer zudem, „dass es für uns ungewohnt gewesen ist, 0:1 in die Pause zu gehen“. Ungewohnt und neu ist auch, am Ende eines Spiels als Verlierer vom Platz zu gehen. Doch gegen Wolfsburg ist genau dies passiert.

          Besonders angefressen war Kevin Trapp nach der Niederlage. Sein Unmut bezog sich vor allem auf Schiedsrichter Stegemann, der ihn in der zweiten Halbzeit verwarnt hatte, weil der Torwart protestierte. „Es gibt Schiedsrichter, die sollen einfach ihren Pass abgeben und es sein lassen“, sagte Trapp beim TV-Sender Sky unmittelbar nach Spielschluss: „Das ist ein Witz. Ich bekomme eine Gelbe Karte, weil ich zu ihm sage, dass er respektvoll mit uns reden soll.“ Insgesamt verteilte Stegemann in einem hektischen Spiel zehn Gelbe Karten, drei für die Eintracht, sieben für Wolfsburg.

          Eine zweite Verwarnung bekam Trapp vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgesprochen. Wegen unsportlichen Verhaltens verurteilte dieses den Frankfurter Torhüter zu einer Geldstrafe von 8000 Euro.

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