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Eintracht Frankfurt : Spekulationsobjekt im Tor

  • -Aktualisiert am

Die Eintracht muss sparen: Spart sie sich daher Kevin Trapp? Bild: dpa

Modellathlet Kevin Trapp galt auf Jahre hinaus als Königslösung für das Frankfurter Tor. Doch nun muss die Eintracht sparen, und es stellt sich die Frage, ob der teure Torwart nicht doch gehen sollte.

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          Zu sehen war Kevin Trapp auch in den vergangenen Wochen immer mal wieder, wirklich abgetaucht ist er nicht. Wieso auch? Der Torhüter der Frankfurter Eintracht weiß die Bühne, die das Internet mit seinen vielen Möglichkeiten weltweit bietet, zur Selbstdarstellung bestens zu nutzen. Gerne auch im Urlaub. So gewährte der 30 Jahre alte Modellathlet ein paar Einblicke in sein Privatleben, das er in sichtbar angenehmer Umgebung auf einer Insel in Griechenland verbrachte.

          Wenn die Hessen an diesem Montag und Dienstag in mehreren Gruppen mit den erforderlichen Leistungs- und Corona-Tests die Saisonvorbereitung aufnehmen, wird Trapp wie immer körperlich in herausstechender Form sein – daran lassen die Bilder, die ihn bei seinen sportlichen Aktivitäten zeigen, keinen Zweifel. Aber wie steht es aktuell um seine Gemütsverfassung? Aus der Ferne musste der Torhüter nämlich den Eindruck bekommen, dass ihm die Eintracht aufgrund finanzieller Erwägungen nicht undankbar wäre, würde es bei ihm demnächst zu einem Arbeitsplatzwechsel kommen. Deshalb sind nun viele gespannt darauf, was der Nationaltorhüter nach wochenlangem Schweigen zu sagen hat. Sofern er sich zur Sache äußern mag. Um den richtigen Ton zu finden, bedarf es bei ihm vermutlich vieles Fingerspitzengefühls.

          In der Sommerpause zählte Trapp zu den Hauptthemen bei der Eintracht. Er bestimmte die Schlagzeilen und war dabei buchstäblich ein Spekulationsobjekt. Geplant war das von ihm ganz sicher nicht, vor allem nicht in dieser Art und Weise. Aber sich dagegen zu wehren war ihm in seiner Abwesenheit kaum möglich. Die Vereinsverantwortlichen, allen voran der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Steubing und Sportvorstand Fredi Bobic, hatten den Torwart und Führungsspieler mehr oder weniger direkt zum wertvollen Verkaufskandidaten erklärt. Die Überraschung vieler war ihnen gewiss. Auch bei Trapp selbst dürfte das Erstaunen über diesen Vorstoß groß gewesen sein, es sei denn, er hätte davor von sich aus im Hintergrund einen Klubwechsel forciert. Doch das ist bisher von keiner Seite verlautbart worden, ein solches Verhalten des Torwarts wäre ebenfalls unerwartet gekommen. Zuschulden hatte sich Trapp jedenfalls nichts kommen lassen. Und es klang auch nicht so, als wäre er plötzlich unerwünscht in Frankfurt.

          Die Vereinsoberen erklärten ihr Handeln, Trapp als potentiellen Verkaufsschlager aufs Transfer-Karussell zu setzen, vielmehr mit den wirtschaftlichen Zwängen in Zeiten der Corona-Pandemie und den mit der Krise einhergehenden starken Umsatzeinbußen. Die Eintracht muss gezwungenermaßen sparen. Und dabei macht sie offensichtlich selbst vor ihrer großen Identifikationsfigur nicht Halt. Die sportlich im Hinblick auf das hohe Anspruchsdenken auch beim Torhüter selbst ein bisschen hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Nach der Frankfurter Denkart, die in diesem Fall viel mit Zahlen zu tun hat, würde der Verkauf ihres Aushängeschilds zwischen den Pfosten Sinn ergeben.

          Denn für Trapp, der in Frankfurt einen langfristigen Vertrag bis zum 1. Juli 2024 besitzt, muss die Eintracht nicht nur mehr Gehalt als für ihre nominelle Nummer zwei, Frederik Rönnow, bezahlen. Geschätzt erhält Trapp als ein Großverdiener zwischen vier und fünf Millionen Euro pro Jahr. Außerdem ist der Marktwert des Stammkeepers deutlich höher als der des Dänen, dem die sportliche Leitungsebene mit Trainer Adi Hütter an der Spitze den Sprung zur Stammkraft offenbar zutrauen würde. Während der zu erzielende Transfererlös bei Rönnow mit 2,5 Millionen Euro angegeben wird, sind es bei Trapp rund acht Millionen Euro. Das entspricht der Größenordnung, die die Eintracht vor einem Jahr bei der endgültigen Rückholaktion des Torwarts von Paris Saint-Germain leisten musste. Damals stand Trapp auf Jahre hinaus als Königslösung für das Eintracht-Tor scheinbar blendend da. Und jetzt soll seine Perspektive in Frankfurt auf einmal begrenzt sein?

          „Wichtiges Gesicht von Eintracht Frankfurt“

          Die Diskussion um Trapp ist in vollem Gange. Und sie wird sich auch so schnell nicht aufhalten lassen, egal was noch passiert. In Frankfurt wird viel über ihn geredet. Nur, wer hat mit ihm gesprochen? Trotz seines Urlaubs dürften der Torhüter oder dessen Berater aus verständlichem Interesse Kontakt mit Bobic aufgenommen haben. Oder Trapp hatte schon ein Gesprächsangebot vom Sportvorstand erhalten, das liegt bei der vorhandenen Sachlage eigentlich näher. So oder so: Erklärungsbedarf gab es genug. Und es gibt ihn weiter, wie die jüngste Reaktion von Bobic zeigt. In einem vereinseigenen Interview hob er hervor, dass Trapp „als unsere Nummer eins ein sehr wichtiger Bestandteil des Teams“ sei. „Er ist ein wichtiges Gesicht von Eintracht Frankfurt, und wir wissen absolut, was wir an ihm haben.“

          Hört sich an, als würde die Eintracht kräftig zurückrudern. Das tut sie aber nicht, denn Bobic fuhr mit diesen Worten fort: „Es gibt aber einen Fakt – und nichts anderes hatte ich in der Vergangenheit gesagt –, den wir nicht außer Acht lassen dürfen: Wir müssen noch mehr als sonst auf die wirtschaftliche Komponente achten. Wir können daher den Verkauf von Leistungsträgern nicht kategorisch ausschließen – unabhängig von Kevin.“

          Der Sportvorstand geht gleichwohl davon aus, dass Trapp „seinen Vertrag erfüllen“ werde. „An der Leistungsfähigkeit von Kevin Trapp und der Bedeutung für den Klub gibt es überhaupt keine Zweifel“, sagte Bobic. Trotz dieses Statements dürften die Diskussionen nicht verstummen. Viel wird nun davon abhängen, wie Trapp in der Öffentlichkeit auf die Vorgänge reagiert. Und wo er sportlich seine Zukunft sieht. Würde er sich einen neuen Arbeitgeber – Hertha BSC Berlin soll interessiert sein – suchen, könnte ihm das keiner verübeln. Trapp würde sein Gesicht wahren.

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