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Eintracht Frankfurt : Kapitän Jones geht

Nächste Saison in Königsblau Seit' an Seit'? Bild: picture-alliance/ dpa

Nun ist es heraus: Kapitän Jermaine Jones wird Eintracht Frankfurt definitiv nach dem Ende der laufenden Saison verlassen. Doch wo geht er hin? Als heißester Kandidat wird Liga-Spitzenreiter FC Schalke 04 gehandelt.

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          Ende einer Dienstzeit. Am Tag nach dem unnötigen Remis von Nürnberg hat Jermaine Jones das Gespräch mit Friedhelm Funkel gesucht. Tenor der Unterredung zwischen dem Kapitän und seinem Trainer-Mentor: Jones verlässt zum Saisonende die Eintracht. Diese Nachricht, die in Frankfurt längst niemanden überrascht, hatte sich spätestens Mitte der vergangenen Woche angedeutet, als der verletzte Spielführer gegen Vorstandschef Heribert Bruchhagen polterte. Am Wochenende ging der 25 Jahre alte Mittelfeldmann nach Bekanntgabe seines bevorstehenden Weggangs - vermutlich Richtung Gelsenkirchen zum FC Schalke 04 - in Deckung. „Ich will nichts mehr sagen“, verkündete er. „Ich habe keinen Bock. Es wurde eine Menge Mist geschrieben.“

          Geschrieben wurde auch, dass Jones in seiner bisherigen Karriere als Fußballprofi lediglich 36 Bundesligaspiele absolviert hat, gewürzt von zwei Toren. Eine eher ernüchternde Bilanz, die auch dem Umstand geschuldet ist, dass Jones wie kaum ein zweiter Profi von etlichen Verletzungen und Rückschlägen heimgesucht worden ist. Im Oktober 2002 hat er sich einen Anriss des Syndesmosebandes zugezogen, im Dezember desselben Jahres dann einen Mittelfußbruch. Nach vielen Querelen mit dem damaligen Trainer Willi Reimann hatte Jones die Eintracht 2004 Richtung Leverkusen verlassen. Dort konnte er sich auch wegen vieler kleinerer Blessuren nicht durchsetzen, kam im Januar 2005 wieder zurück in seine Heimatstadt. 2006 musste Jones insgesamt dreimal am Schienbein operiert werden, seit vier Wochen pausiert er wegen einer Knieoperation, ist aber emsig darum bemüht, durch Rehamaßnahmen Anschluss zu finden.

          „Das kommt nicht überraschend“

          Eintracht-Trainer Funkel kommentierte den zum Saisonende bevorstehenden Weggang erwartungsgemäß. „Das kommt nicht überraschend. Es gab Indizien, die dafür sprachen. Darüber darf sich niemand beschweren. Das ist die Bundesliga.“ Auch jetzt stellte sich der Frankfurter Coach vor seinen von ihm zum Kapitän ernannten Spieler. Er kritisierte zwar, „dass einige Äußerungen von ihm unglücklich gewesen sind“. Gleichzeitig aber stellte Funkel unmissverständlich klar: „Wenn er gesund ist, werde ich ihn trotzdem einsetzen.“ Und falls es die erwarteten, gellenden Pfiffe der Fans gibt? „Da muss er dann durch.“

          Auch die Eintracht muss einiges einstecken. Das 2:2 von Nürnberg beispielsweise. Kopfschüttelnd suchte Funkel noch im Frankenstadion verzweifelt nach Erklärungen. Doch so richtig fündig wurde er nicht. „Ich kann es mir nicht erklären. Vielleicht haben wir teilweise Konzentrationsmängel. Vielleicht spielt auch die Angst eine Rolle.“ Fakt ist: Wieder hat die Mannschaft des Frankfurter Trainers einen sicher geglaubten Sieg verspielt. Wie zuvor schon in Bochum, in Wolfsburg und in Leverkusen. Leichtfertig hat sich die Eintracht damit selbst ein Bein gestellt und der Chance beraubt, im Kampf um den Klassenverbleib besser da zu stehen, als es der Klub derzeit tut: auf Rang sechzehn.

          2:0 schon lag die Eintracht bei ihrem Auswärtslieblingsgegner 1. FC Nürnberg, bei dem man in den vergangenen zwanzig (!) Jahren nicht mehr verloren hatte, durch die Tore von Sotirios Kyrgiakos (26. Minute) und Naohiro Takahara (69.)in Führung. Neun Minuten nur fehlten den Hessen, um den Franken eine weitere Schmach zuzufügen. Doch der „Club“, energisch von dem Gros der 44 000 Zuschauer nach vorne getrieben, schaffte das aus Frankfurter Sicht Unfassbare: den Ausgleich. Eintracht-Kapitän Christoph Spycher mit einem Eigentor (81.), Robert Vittek mit einer feinen Einzelleistung (87.) - der zum Greifen nahe sechste Saisonerfolg der Eintracht wurde von den Franken mit Fortüne verhindert. Funkel zeigte sich später „total enttäuscht“, konnte bei der Fehlersuche aber kaum Erhellendes beisteuern.

          Trainerfuchs Meyer lobt die Eintracht

          Es stimmt schon: Die Eintracht ist in der Schlussphase eines Spiels die schlechteste Mannschaft der Liga. Dreizehn Gegentreffer mussten die Frankfurter in der letzten Viertelstunde hinnehmen. Dem Vorwurf, dass seine Mannschaft konditionell vielleicht nicht auf der Höhe sei, widersprach Funkel energisch. „Nein, nein, das stimmt überhaupt nicht. Meine Mannschaft ist topfit. Sie funktioniert.“ Aber wohl doch nicht über die volle Fußballsequenz von neunzig Minuten. Das vom Nürnberger Trainer Hans Meyer niederprasselnde Lob für die Eintracht, „die phantastisch gestanden hat“, vermochte Funkel kaum zu erfreuen. Meyer, mit 64 Jahren der Routinier der Liga, versuchte zwar, Funkel zu trösten. Doch die gutgemeinten Zuwendungen vermochten den elf Jahre jüngeren Trainerkollegen kaum zu erheitern. „Friedhelm“, dozierte Meyer, „ich weiß, dass das für euch richtig ärgerlich ist, und ich finde deine Erregung total verständlich. Der Erfolg für dich und deine Mannschaft wäre logisch gewesen.“

          Doch was ist schon logisch bei der Eintracht in der Bundesliga? Der Klub fährt Achterbahn, steht mal im vermeintlich gesicherten Mittelfeld, rutscht dann wieder auf einen Abstiegsplatz ab. Verschafft sich Sympathien im Uefa-Pokal, scheidet aber international wegen spät erhaltener Gegentore aus. Und schickt sich binnen Jahresfrist an, zum zweiten Mal schon in das nationale Pokalfinale von Berlin einzuziehen. Pikant: Mitte April streiten die beiden Dauerrivalen Nürnberg und Frankfurt um das Reiseticket in die Hauptstadt. Aufgrund der wenig erfreulichen Spätentwicklungen der vergangenen Wochen sollte die Eintracht nach dem jüngsten Remis gewarnt sein und sich vergegenwärtigen: Der Schiedsrichter wird auch im Halbfinale frühestens nach eineinhalb Stunden abpfeifen. Und nicht schon nach 75 oder 81 Minuten.

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