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Eintracht Frankfurt : Entspannt in den Endspurt

  • -Aktualisiert am

Nahezu sorglos: Eintracht Frankfurt kann locker in den Saisonendspurt gehen. Bild: AFP

Vor dem Nachbarschaftsduell gegen Mainz 05 ist die Frankfurter Eintracht völlig relaxt. Der Druck ist weg, stattdessen geht es allein um die Lust auf Leistung. Und die Vorfreude auf das Pokal-Halbfinale in München.

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          Dieses Derby wird für die Frankfurter Eintracht wirklich zu einem Test ihrer Moral und Mentalität. Nach Monaten des Drucks und der Anspannung befindet sich die Mannschaft nach dem 3:0-Auswärtssieg in Bremen in der Phase der absoluten Entspannung. Ihr Trainer Adi Hütter weist zwar darauf hin, dass im Falle eines Sieges an diesem Samstag gegen den FSV Mainz 05 (15:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky) der Blick wieder nach oben zu den Europa-League-Plätzen gerichtet werden könne und im Fall einer Niederlage die Erstklassigkeit längst nicht gesichert sei. Aber Bundesligaprofis können eine Tabelle lesen. In beiden Fällen – ob Sieg oder Niederlage – sind tiefgreifende Konsequenzen in der Entwicklung des Tabellenstandes äußerst unwahrscheinlich.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dazu sind die Abstände nach oben und nach unten einfach zu groß. Wolfsburg und Hoffenheim sind auf den Europa-League-Rängen sechs und sieben jeweils um sieben Punkte der Eintracht voraus. Gewännen beide Teams ihre Auswärtsspiele bei den Abstiegskandidaten Düsseldorf und Bremen, bliebe es (einen Erfolg der Frankfurter gegen die Nachbarn vorausgesetzt) bei sieben Punkten Abstand bei nur noch vier verbleibenden Spielen. Und auch in der anderen Richtung würden wiederum ein Düsseldorfer (16.) und ein Bremer (17.) Sieg keine große Gefahr heraufbeschwören (eine Frankfurter Niederlage vorausgesetzt) bei immer noch fünf beziehungsweise sieben Punkten Vorsprung.

          Bundesliga

          Da vermag die Tabelle kaum als Reizstoff angesehen werden, es geht nur über die Eigenmotivation. Und da kein einziger Profi der Eintracht mehr um seinen Vertrag im nächsten Jahr spielt, alle Verhältnisse sind geklärt, geht es auch nicht mehr um persönliche Schicksale, sondern nur um die Lust an der eigenen Leistung.

          Turnaround gelungen

          Die Atmosphäre der obligatorischen Pressekonferenz vor der Bundesligabegegnung spiegelte diese relaxte Situation. Weder die Personalbesetzung noch die Taktik noch die Stärken oder Schwächen des Gegners Mainz wurden thematisiert, sondern es wurde zurückgeblickt und analysiert. Wie es dazu kommen konnte, dass der Neustart der Saison nach der Corona-Pause so verschlafen wurde, wie der Turnaround geschafft wurde und was die belastende Krisensituation bei Trainer und Spielern emotional ausgelöst hatte.

          Für Hütter war das Entscheidende, dass – nachdem gegen Gladbach die Niederlage schon nach sieben Spielminuten eingeleitet worden war und die erwartete Schlappe bei den Bayern eintrat – alle ruhig geblieben seien: er selbst, die sportliche Führung und die Mannschaft. Als es gegen Freiburg dann trotz vieler Chancen 1:3 stand, sei die Mannschaft nicht zusammengebrochen: „Das 3:3 hätten nicht mehr viele Teams geschafft“, so Hütter.

          Auf dem Weg zum Unentschieden half zwar der Gegner mit, aber die Eintracht hatte den Druck hoch gehalten und im Vertrauen auf die eigene Stärke an ihre Chance geglaubt. Die Achterbahnfahrt hatte auch ihr Gutes, meint Hütter, jedenfalls für seine Entwicklung: „Es verleiht einem zusätzlich Reife, man wächst als Trainer daran, so etwas zu überstehen.“ Das Entscheidende in der Krise sei gewesen: „Die Schlüsse aus dem Geschehen ziehen, ohne nervös zu werden.“

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          Jetzt ist es an den Mainzern, ruhig zu bleiben und an sich zu glauben: „Die Mainzer stehen unter Druck. Ich erwarte einen Gegner, der alles versuchen wird, da unten rauszukommen“, warnte Hütter seine Spieler. Der Österreicher lobte das Potential des Gegners, sowohl mannschaftlich als auch individuell und nannte Mateta, Quaison und Boetius als gefährliche Offensivspieler. Aber, so Hütter: „Die Mainzer spielen doch recht unterschiedlich, manchmal sehr gut und manchmal weniger gut.“ Was natürlich auch mit dem Gegner zusammenhängen könnte. Wie viel Mainz wird die entspannte Eintracht zulassen?

          Hütter kündigte wegen des bevorstehenden Pokalspiels gegen Bayern München (Mittwoch, 20:45Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky) an, wieder zu rotieren. „Wir sind zwar noch nicht im roten Bereich, aber ein paar Spieler benötigen doch eine Pause.“ Stefan Ilsanker ist ausgeruht, der Österreicher fehlte zuletzt wegen einer Gelbsperre und wurde in Bremen erst in der 81. Minute ins Spiel gebracht. Er machte das Beste aus dem Kurzeinsatz – zwei Tore. Hütter ließ offen, ob er seinen Landsmann in die Startelf befördern wird. „Wenn ich jedoch wüsste, dass er als Einwechselspieler immer mindestens ein Tor schießt, würde ich ihn erst mal draußen lassen.“

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