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Junge Eintracht-Spieler : Wette auf die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Der Spaß kommt bei ihm aktuell nicht zu kurz: Eintracht-Trainer Oliver Glasner Bild: dpa

Beim neuen Frankfurter Trainer Oliver Glasner und dem zum Direktor beförderten Chefscout Ben Manga steht die Jugend wieder höher im Kurs als bei Adi Hütter. Das bietet allen Beteiligten eine Chance.

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          Der Dämpfer hat nicht lange auf sich warten lassen. Zum Ende der zweiten Woche ihrer frischen Zusammenarbeit haben Oliver Glasner und sein Team eine erste Niederlage einstecken müssen. Das 1:3 im Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden ist dabei nicht mehr (aber auch nicht weniger) als ein kleiner Anhaltspunkt dafür, dass der nächste große Umbruch, den die Eintracht zu bewerkstelligen hat, mit ganz viel Arbeit verbunden ist.

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          Das Engagement, mit dem sich der österreichische Coach an die Aufgabe macht, unterscheidet sich dabei auffällig von den letzten Wochen unter der Regie seines Landsmanns Adi Hütter, als sich im Frühjahr, unter dem Druck der allgemeinen Erwartungshaltung und der egoistischen Entscheidung des bis dahin unumstrittenen Coaches, die Stimmung rund um den Klub verdüsterte – und alle im Mai froh waren, dass es in dieser Konstellation vorbei war.

          Wer muss ausgeliehen werden?

          Glasners Taten sind fürs erste darauf angelegt, für ein angenehmes Betriebsklima zu sorgen: Er redet viel mit allen, während Hütter zuletzt Probleme hatte, mit seinen Worten durchzudringen; und er stellt ein Übungsprogramm zusammen, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. Viel mehr kann der 46-Jährige momentan auch gar nicht leisten, da ihm wegen den Nachwirkungen der EM einige Akteure, die in seinem Konzept eine tragende Rolle spielen sollen, nicht zur Verfügung stehen.

          Was generell auffällt in diesen Tagen, da niemand vorhersagen kann, wie sich der Transfermarkt im zweiten Corona-Sommer entwickelt, sind der Mut und das Vertrauen in den Nachwuchs, mit dem die Eintracht bei ihrer Kadergestaltung vorgeht. Die Handschrift des zum Direktor beförderten Chefscouts Ben Manga ist deutlich erkennbar, nicht zuletzt beim Lindström-Transfer. Manga entdeckte Vallejo, Haller, Jovic oder N’Dicka für die Eintracht, und nun kann er, ohne den Widerspruch Hütters befürchten zu müssen (der ein Faible für erfahrene Profis besitzt), freier seine Vorstellungen umsetzen.

          Blanco, Juliá, Garcia und Akman – insbesondere ihre Verpflichtungen sind eine Wette auf die Zukunft, die die Eintracht abschloss. Sie bietet den Youngstern aus Spanien und der Türkei, die allesamt schon heute zu einer besser betuchten Adresse in der Premier League hätten wechseln können, die Chance, ihr im Jugendbereich aufgeblitztes Talent unter Profibedingungen zu bestätigen. Das Quartett soll mit und bei der Eintracht wachsen, durchaus auch mit der Absicht, den Weg des „gehobenen Ausbildungsvereins“ fortzuschreiben – und sie dann bei Vorliegen lukrativer Offerten weiterziehen zu lassen.

          Dass die Eintracht vor sieben Jahren aus freien Stücken den Fehler machte, ihre U23 abzumelden, macht die Sache für Glasner und Manga nun schwerer. Keiner der beiden kann davon ausgehen, dass einer wie Akman, bei allem Temperament, mit dem er am Samstag gegen Wehen dabei war, auf Anhieb zum Kreis der Erstliga-Kandidaten zählt. Er wird womöglich ausgeliehen werden müssen, um ähnlich wie Tuta, Kamada oder Joveljic andernorts ein Betätigungsfeld zu finden, das es in Frankfurt nicht mehr in der notwendigen Form gibt.

          Die Teenager vorübergehend weiterzuschicken, heißt aber auch, Einfluss zu verlieren in einer ganz wichtigen und volatilen Phase der Karriere. Der Klub positioniert sich momentan auf vielfältige Weise, installiert Fachleute für Internationalisierung und möchte Vorreiter sein bei einer Impfkampagne, durch die sich die Zuschauerrückkehr beschleunigen lassen soll. Demgegenüber wirkt ein Thema wie die Wiedereinführung und Etablierung einer zweiten Mannschaft wie ein kleines Problem. Das ist aber ein Irrtum. Es wird im härter werdenden Wettstreit der Klubs um beste Konzepte und Köpfe vielmehr immer größer, je länger es unbehandelt bleibt.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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