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Eintracht-Verteidiger Willems : „Ich bin ein anderer Spieler“

  • -Aktualisiert am

Trainiert wieder in Frankfurt: Jetro Willems Bild: Imago

Jetro Willems mischt wieder im Mannschaftstraining der Frankfurter Eintracht mit. Seine Zukunft ist ungewiss, seine Einstellung hat sich durch die Verletzung verändert.

          3 Min.

          Jetro Willems ist die Freude an der Arbeit in jedem Training anzusehen. Schon in der vergangenen Woche, als er sich nur während des Aufwärmprogramms und bei den Koordinationsübungen im Mannschaftskreis bewegte. Erst recht an diesem Dienstag. Nach acht Monaten Verletzungspause kehrte der 26 Jahre alte niederländische Nationalspieler in den regulären Übungsalltag der Frankfurter Eintracht zurück: „Es ist fantastisch“, sagte Willems, nachdem er die 90 Minuten gut überstanden hatte. Er strahlte bei den Worten, so wie er immer wieder auf dem Platz gestrahlt hatte, nachdem ihm etwas gelungen war.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Mitte Januar hatte sich Willems im Trikot von Newcastle United in der Begegnung mit dem FC Chelsea einen Kreuzbandriss zugezogen. „Eine seltsame Situation. Ich wollte sprinten, stoppen und mich drehen – und das alles gleichzeitig“, erinnert er sich. Die unglückliche Aktion warf seine Karriere aus der vorgezeichneten Bahn. Bei der Eintracht war Willems in den ersten beiden Spielzeiten seines auf vier Jahre ausgelegten Engagements nicht ganz glücklich geworden. „Ich bin kein Leichtathlet“, hatte er einmal gesagt angesichts des strammen Trainingsprogramms von Niko Kovac. Auch dessen Nachfolger Adi Hütter legte und legt größten Wert auf Fitness, Athletik und Disziplin. Dagegen sah Willems seine persönliche Priorität mehr im Spielerischen. Und das ist auch die Stärke des linken Außenbahnspielers, der mit 18 zum jüngsten Europameisterschafts-Torschützen der Niederlande geworden war. Vor allem die Fähigkeit, aus dem Stand heraus einen Gegenspieler auszudribbeln, unterscheidet ihn von vielen Kollegen.

          Aber die Möglichkeiten, die sich aus dieser Stärke ergaben, setzte er in Frankfurt nicht mit der gewünschten Effektivität um. Und sein Defensivverhalten war lange nicht so prickelnd. Die Folge – Spieler und Verein waren glücklich, als im Sommer 2019 Newcastle United ein Angebot machte: ein Leihvertrag mit Kaufoption. Willems schlug in der Premier League voll ein. Er wurde Stammspieler, erzielte zwei aufsehenerregende Tore und gehörte zu den Publikumslieblingen. Es herrschte nicht die Spur eines Zweifels: Newcastle würde den Eintracht-Profi im Sommer 2020 fest verpflichten. Doch dann kam der Kreuzbandriss, und Willems’ Zukunft ist nun völlig ungewiss.

          „Als Erstes muss ich fit werden. Wo ich dann spiele, ist erst einmal zweitrangig“, sagt der Niederländer. Fest steht, dass sein Vertrag mit der Eintracht bis Juli 2021 gilt, fest steht, dass Newcastle an einem gesunden Willems interessiert ist. Fest steht, dass Willems bis zum 5. Oktober, wenn diese Transferperiode endet, noch nicht den Nachweis seiner Fitness angetreten haben wird. Über seinen weiteren Karriereverlauf wird also frühestens im Winter, eher aber im nächsten Sommer entschieden werden.

          Zeit lassen mit dem Comeback

          Deshalb ist es auch keine Überraschung für den offensiven Linksverteidiger, dass Eintracht-Trainer Hütter noch kein tiefer gehendes Gespräch mit ihm geführt hat. „Es macht noch keinen Sinn, mir zu sagen, was er von mir verlangt, was er mit mir vorhat. Erst einmal muss ich das Training überleben, erst mal muss ich richtig fit sein.“ Das Gleiche gelte für Newcastle: „Aber natürlich erkundigen sie sich, wie es mir geht.“ Auf dem Weg zum Comeback will sich Willems Zeit lassen. Er müsse Schritt für Schritt machen, von Tag zu Tag denken. Und diese Einstellung habe auch die Eintracht: „Alle gehen vorsichtig mit mir um, und ich bin auch vorsichtig mit mir selbst. Nach so einer Verletzung geht es nicht anders.“

          Selbst von der schweren Verletzung Filip Kostics lasse er sich auf keinen Fall treiben. „Für mich ist es kein Ziel, eher als er fit zu sein, weil sein Platz frei ist. Dass ich nach achtmonatiger Verletzungspause schon nach vier Wochen den Trainer so beeindrucken kann, dass er mich spielen lässt, das ist so gut wie unmöglich.“ Es gebe auch keinen Anlass zur Eile. „Die Position linke Außenbahn ist ja ohne Kostic nicht tot. Steven Zuber hat ihn schon in Berlin gut vertreten, und es gibt ja auch noch Erik Durm.“

          Dann verdeutlicht Willems noch mal die Schwere seiner Verletzung. Er habe drei Monate lang eine Schiene getragen, die von der Hüfte bis zum Knöchel reichte. Er habe nichts anderes tun können, als im Bett zu liegen: „Mein Mutter musste mir beim Duschen helfen, wie sie es tat, als ich ein kleiner Junge war.“ Die viele Zeit des Nichtstuns habe er vor allem mit Nachdenken verbracht. Wegen Corona habe er ja noch nicht mal die Möglichkeit gehabt, Fußballspiele im Fernsehen zu verfolgen.

          Willems mit neuer Mentalität

          Das Ergebnis des Nachdenkens: „Ich bin nicht mehr der Spieler, der ich vor einem Jahr oder vor zwei Jahren war.“ Er habe nun eine neue Mentalität, er sei härter gegen sich selbst geworden. „Wo ich früher stoppte, mache ich jetzt weiter, wo ich früher Schmerzen hatte und aufhörte, gehe ich jetzt über diesen Punkt hinweg.“

          Das zu hören wird die sportliche Leitung der Eintracht freuen. Denn an ihrer Einstellung hat sich nichts geändert, wie Willems nach seiner Rückkehr schon erfahren hat. „Es ist alles beim Alten geblieben, seit ich gegangen bin. Dieselbe Mentalität, dieselbe Philosophie. Das sieht man allein an den Spielen. Nur ein paar Spieler haben gewechselt.“

          Einen der Neuen kennt Willems schon sehr gut: Ragnar Ache wurde im selben Klub groß wie er: Sparta Rotterdam: „Ich kenne ihn, seitdem er sechs, sieben Jahre alt ist, ich kenne auch seine Eltern gut. Mein jüngerer Cousin spiele auch mit ihm in einer Mannschaft, ich habe ihnen häufig in den Jugendmannschaften zugeschaut.“ Ragnar Ache passe sehr gut zur Eintracht: „Er ist stark, er ist schnell.“ Jetro Willems glaubt, dass er nun auch mit seiner neuen Einstellung und Mentalität besser zur Eintracht passe. Und er glaubt, für sein Comeback gerüstet zu sein: „Ich hatte schon vor meinem Kreuzbandriss eine Knieverletzung. Diesen Schaden habe ich gleich mit beheben lassen. Ich habe das Gefühl, in den vergangenen Jahren war ich bei 80 Prozent. Jetzt bin ich bei 100 Prozent.“

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