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Eintracht Frankfurt : So weit, so gut

Im Vorwärtsgang: Ajdin Hrustic nutzt das nächste Testspiel zur Eigenwerbung. Bild: Oliver Vogler/Jan Huebner

Die Eintracht unterliegt Straßburg, doch für Trainer Glasner ist das Ergebnis nur zweitrangig. Kostic ragt heraus, Hrustic rückt in den Vordergrund, Joveljic zieht es weg.

          3 Min.

          Als Oliver Glasner begann, seine Sicht der Dinge an diesem Nachmittag auszuführen, legte Stefan Ilsanker noch mal einen Zahn zu. Der Österreicher absolvierte – freiwillig – ein paar Tempoläufe im Anschluss an das Spiel, das wenige Minuten zuvor mit einem Ergebnis zu Ende gegangen war, das der Coach nicht als Drama bezeichnen wollte, wenngleich er sich einen anderen Ausgang gewünscht hätte. Die Eintracht unterlag Racing Straßburg 2:3.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Mitverantwortlich, dass es zu der Niederlage kam, war Ilsanker, der mit einem verunglückten Zuspiel dem entscheidenden Treffer der Elsässer in der 81. Minute durch Habib Diallo den Weg bereitet hatte. Mit seiner Extraschicht, die der österreichische Defensiv-Allrounder abspulte, während mancher Kollege schon unter der Dusche stand, verdeutlichte Ilsanker, dass er bereit ist, körperlich weiter zuzulegen. Das ist für ihn, der technisch nicht allzu beschlagen ist, die einzige Möglichkeit, um im internen Wettstreit um die Kader-Plätze nicht leer auszugehen.

          Glasner schwebt ein hochintensiver Tempofußball vor, bei dem nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing umgeschaltet wird und eine Restverteidigung von (mindestens) fünf Mann den Strafraum absichert. Gegen Straßburg, so viel räumte der Coach ein, wenngleich er es vermied, zu harsch Kritik zu üben, wurden die Vorgaben nur bedingt in die Tat umgesetzt. „Zwei Tore haben wir de facto selber reingeschossen“, sagte der 46-Jährige und meinte damit die Treffer zum jeweiligen Ausgleich, denen Fehler in der Zuordnung und eine zu laxe Zweikampfführung vorausgingen.

          „Ich gehe davon aus, dass Filip nicht geht“

          „So einfach sollten wir es dem Gegner nicht machen. Was die eigenen Ballverluste angeht, das müssen wir korrigieren. Wir haben teilweise zu kleinteilig und zu riskant gespielt. Das war aber auch der Müdigkeit geschuldet“, stellte Glasner fest, dessen Nachsicht daher resultierte, dass die Mannschaft zuvor intensive Trainingseinheiten absolvierte. Er nannte den Test bei gewittriger Luft ein gutes Beispiel, „um schön zu analysieren“. Die Vorstellung wird in aller Ausführlichkeit von den Video-Spezialisten des Klubs ausgewertet und demnächst als Anschauungsunterricht in der Kabine noch einmal im Detail den Spielern vorgeführt; auf dass sie sehen, „was wir wollen“, so Glasner, „und was wir nicht wollen“.

          Die Absicherung funktionierte in der ersten Hälfte besser als nach der Pause, in der er insgesamt zehnmal wechselte. Aus der Formation, die im zweiten Abschnitt die 2:1-Führung verspielte, konnte nur Makoto Hasebe für sich in Anspruch nehmen, eine Leistung geboten zu haben, die ihn für den näher rückenden Pokal-Termin in Mannheim (8. August) zu einem Startelf-Kandidaten macht. Gonçalo Paciência kam als zentraler Stürmer nicht zum Abschluss.

          Von Erik Durm auf der rechten Seite oder Christopher Lenz auf dem linken Flügel gingen wesentlich weniger Impulse aus als zuvor von Danny da Costa und Filip Kostic. „Wir sind keine Zauberer, dass nach drei Wochen alles perfekt ist“, sagte Glasner, der sich nebenbei unbesorgt zeigte, dass Kostic in dieser Transferperiode die Eintracht verlassen könnte, wie immer wieder von Außenstehenden gemutmaßt wird, die ihn mit Vereinen in der Serie A in Verbindung bringen.

          „Ich gehe davon aus, dass Filip nicht geht. Ich sehe ihn jeden Tag im Training, und er beschäftigt sich sehr gut mit Eintracht Frankfurt“, sagte Glasner, wohl wissend, dass Sportvorstand Markus Krösche bei einem unmoralischen Ablöseangebot im zweistelligen Millionenbereich für den serbischen Tempomacher, der aktuell mit seiner Form und Fitness aus der Gruppe herausragt, sehr wohl ins Nachdenken kommen könnte. Allein: es gibt – bislang – keine Offerte für den 28-Jährigen.

          „Er ist wahnsinnig ehrgeizig“

          Geht es nach Ajdin Hrustic soll das auch so bleiben. Der Australier mit bosnischen Wurzeln gehört aktuell zu den Gewinnern des Sommerprogramms, und er betonte, wie wichtig für ihn Kostic als Bezugsperson ist. „Wir verstehen uns auch abseits des Platzes sehr gut. Wir machen viel gemeinsam, gehen zusammen zum Essen aus“, berichtete Hrustic, der mit seinem Status quo sehr zufrieden ist: „So weit, so gut.“

          Nachdem er bei Adi Hütter als offensiver Einwechselspieler zumeist im zweiten Glied gestanden hatte, war er bei Glasner gegen Racing wiederum erste Wahl als Sechser vor der Abwehrkette, und siehe da, das Experiment glückte. Der 25-Jährige schaltete sich bis zu seiner abgesprochenen Herausnahme in der 60. Minute immer wieder in den Angriff ein. Zudem behauptete er sich in vielen Duellen um die Kugel, zog Sprints in die Tiefe an, schuf so Platz für die Mitspieler und schlug selbst als Vollstrecker zu.

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          Sowohl die Führung (6. Minute) als auch das 2:1 (22.) erzielte er auf Vorlage von Kostic. „Er ist wahnsinnig ehrgeizig und möchte alles umsetzen“, sagte Glasner über Hrustic, der mit seiner Mischung aus Robustheit, Geschick, Verständnis für Raum und Zeit sowie jeder Menge Energie Pluspunkte sammelte, die ihm so schnell niemand wegnehmen wird. Djibril Sow, der an diesem Montag aus dem Urlaub zurückkehrt, wird sich jedenfalls deutlich temperamentvoller präsentieren müssen als zum Ausklang der Rückrunde, will er sich im Vergleich mit Sebastian Rode und Hrustic behaupten.

          Fortan keine Rolle im Konzept spielt Dejan Joveljic, wie Glasner bestätigte. Die Chancen für den jungen Serben, auf ausreichend Einsatzzeiten zu kommen, seien nicht sehr groß gewesen, sodass er mit dem Klub zu der Übereinkunft kam, dass sich die Wege besser trennen sollten. Zuletzt war Joveljic, der 2019 mit großen Erwartungen aus Belgrad geholt worden war, bereits an RSC Anderlecht und den Wolfsberger AC ausgeliehen worden. Medienberichten aus seiner Heimat zufolge zieht es ihn nun zu Los Angeles Galaxy in die Major League Soccer, wo ihm ein Fünfjahresvertrag angeboten worden sei. Als Ablöse sind 3,5 Millionen Euro im Gespräch. Die Eintracht, die vor zwei Jahren nahezu genauso viel für ihn zahlte, teilte mit, dass der Stürmer freigestellt worden sei, um seine Zukunft zu klären.

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