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Frankfurter Erntezeit : Die Eintracht ist attraktiv

  • -Aktualisiert am

Ob Adi Hütter die Ernte mit Eintracht Frankfurt einfährt, ist unklar. Bild: EPA

Eine große Ernte ist mit diesem Frankfurter Jahrgang vorstellbar. Doch will Adi Hütter sie auch einfahren? Sollte er gehen, wird sich gewiss ein ambitionierter Trainerkollege daran versuchen.

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          Kaum zu glauben, aber wahr: Sechs Spieltage sind nur noch zu absolvieren, und die Eintracht darf mehr denn je damit rechnen, in der kommenden Saison zum elitären Kreis der besten Vereinsmannschaften Europas zu gehören. Die Qualifikation für die Champions League ist dem Team, das beim spektakulären Sieg über den VfL Wolfsburg den nächsten Beweis seiner fußballerischen Reife erbrachte, nicht mehr zu nehmen – sofern es die verbleibenden Partien mit der gleichen Stringenz bewältigt, die am Samstag den Weg zum Erfolg ebnete. In der Rückrunde sind die Spieler, die von Adi Hütter im Training so gezielt vorbereitet werden, dass sie jede Herausforderung im Power-Modus angehen können, zu einem fein aufeinander abgestimmten Kollektiv herangewachsen.

          Bundesliga

          Seine Truppe lässt sich auch von Rückschlägen in ihrem Glauben an die eigene Stärke nicht beirren. Weder der frühe Rückstand noch der durch eine Verkettung unglücklicher Umstände entstandene Ausgleich für Wolfsburg zum 2:2 löste eine Verunsicherung aus. Im Gegenteil: Die Gegentore weckten den Behauptungswillen einer Gruppe, in der jeder für den anderen noch energischer in die Bresche sprang.

          Hütter ist es gelungen, in einem Jahr, in dem die Eintracht nicht pausenlos international im Einsatz ist (wie 2018, 2019 und 2020), durch systematisches Schulen der Abläufe und Verhaltensmuster ein Ensemble zu formen, das mit zum Besten gehört, was die Bundesliga zurzeit zu bieten hat: André Silva ist ein Torjäger, den eine körperlichen Stabilität auszeichnet, mit der er den bis dato eigentlich ausgesprochen resolut verteidigenden Wolfsburgern eins ums andere Mal entwischen konnte.

          Riesige Chance für Frankfurt

          Wer sah, wie Luka Jovic im Stile eines Zehners selbst Angriffe einleitete und die Bälle behauptete, wie er beim 2:1 in bester Stürmer-Manier Silvas Vorlage vollendete; wie Daichi Kamada mit Leichtfüßigkeit die Kollegen inspirierte und zudem selbst im Strafraum zuschlug; wie Sebastian Rode defensiv den Laden zusammenhielt oder Stefan Ilsanker den Jungspunden an seiner Abwehrseite, Tuta und Ndicka, auch durch Kommandos eine Stütze war – der kann sich des Gesamteindrucks nicht erwehren, dass hier eine ganz besondere Formation heranwächst, die alles in den Schatten stellt, was es in der jüngeren Vergangenheit in Frankfurt gab.

          Ob sich diese spiel- und willensstarke Eintracht noch vom Kurs abbringen lässt nach den jüngsten Glanzleistungen? Schwer vorstellbar. Selbst Hütters Weigerung, sich in dieser Phase nicht mehr eindeutig zu erklären, also über den Sommer hinaus bei der Eintracht das Kommando führen zu wollen, stört das Team offenbar nicht. Leistungsmindernde Stimmungsschwankungen sind nicht zu erkennen. Unter Hütters Regie, der vom ersten Tag an die Seinen ermunterte, „groß“ zu denken, eröffnet sich eine riesige Chance.

          Sie in ein paar Wochen genutzt zu haben ist vielleicht der letzte oder einzige Trumpf, mit dem der Österreicher vom Erfüllen seines Vertrags zu überzeugen ist: Denn mehr kann sich ein Trainer, der zu den Großen gehören will, kaum wünschen: zu sehen, dass die Saat, die er mit eigener Hand gelegt hat, aufgeht und zu Gedeihen beginnt auf höchster Ebene. Eine große Ernte ist mit diesem Eintracht-Jahrgang vorstellbar. Sollte Hütter nicht wollen, wird sich ein ambitionierter Kollege daran versuchen: An Attraktivität für ehrgeizige, kompetente Trainer mangelt es dem Fußballstandort Frankfurt inzwischen gewiss nicht mehr.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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