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Fußball-Bundesliga : Die Eintracht und die Oldies der Liga

  • -Aktualisiert am

Auch mit 36 Jahren geht Makoto Hasebe bei der Eintracht noch voran. Bild: Picture-Alliance

Keine Mannschaft in der Bundesliga ist älter als die der Frankfurter. Power und Erfolg vereint sie dennoch. Das beste Beispiel dafür ist Makoto Hasebe. Trotzdem wurde die Verjüngungskur eingeleitet.

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          Viel fehlt nicht mehr, und die Frankfurter Eintracht hätte nach eigener Hochrechnung das Maximale zu Rundenbeginn für sich herausgeholt. Würden die Hessen an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) auch ihr Auswärtsspiel in der Bundesliga gegen den 1. FC Köln gewinnen, hätten sie nach den Worten ihres Trainers Adi Hütter „wirklich einen Super-Start hingelegt“. Zehn Punkte aus vier Spielen – so würde die Bilanz dann aussehen. Und dann stünde der Eintracht standesgemäß auch das ultimative Kräftemessen mit dem Krösus der Branche bevor. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) treffen die Frankfurter in München auf die Bayern. Sich „ungeschlagen“ mit breiter Brust dem Champions- League-Sieger, deutschen Meister und Pokalsieger zu präsentieren, wäre für Hütter eine „tolle“ Sache.

          Bundesliga

          Schon vor dem Duell mit dem aktuellen Abstiegskandidaten Köln erfreut sich die Eintracht am besten Saisonstart seit acht Jahren. Damals ließ sie sich als Aufsteiger an den ersten sechs Spieltagen nicht von ihren Gegnern bezwingen. Und jetzt? Jetzt muss sich Hütter offenbar keine Sorgen machen, dass bei seinen Spielern der Schlendrian einkehrt und die Konzentration nachlässt. „Ich habe zurzeit ein sehr gutes Gefühl, an der Außenlinie zu stehen und der Mannschaft zuzuschauen.“ Sie habe das „gesunde Selbstvertrauen, das es einfach braucht“, sagte der Trainer. Trotzdem mahnte er: „Das muss sie jetzt auch in Köln beweisen.“

          Einen Nachweis haben die Frankfurter bereits erbracht: Trotz fortgeschrittenen Alters für Fußballverhältnisse auf höchstem Niveau sind sie prächtig in Schuss. Alter schützt vor Leistung nicht, heißt es bei ihnen. Denn an den ersten drei Spieltagen stellte die Eintracht jeweils die älteste Startelf der Liga. Gegen Hoffenheim (2:1) betrug das Durchschnittsalter der aufgebotenen Mannschaft 29,5 Jahre. Im Spiel bei Hertha BSC Berlin (3:1) waren es 29,4 Jahre und davor gegen Arminia Bielefeld (1:1) 29,2 Jahre. Hinter den Hessen rangiert in der Alterstabelle Union Berlin, dessen Team es beim 1:3 gegen Augsburg auf einen Altersdurchschnitt von 28,3 Jahren brachte. Es folgen Schalke 04 (28,2 Jahre beim 0:4 gegen Leipzig) und Borussia Mönchengladbach (27,8 beim 0:3 gegen Dortmund).

          Jeweils die jüngste Startelf schickten bisher Leipzig (25,0 Jahre beim 1:1 in Leverkusen) und der VfB Stuttgart (25,1 Jahre beim 2:3 gegen Freiburg) ins Rennen. Der kommende Eintracht-Gegner Köln bot am zurückliegenden Spieltag gegen Mönchengladbach (1:3) anfangs ein Aufgebot mit einem Durchschnittsalter von 26,4 Jahren auf. Würden zum Schluss aber jeweils alle eingesetzten Spieler in die Rechnung einfließen, hätte Schalke 04 die Frankfurter am dritten Spieltag knapp übertroffen: Während die Gelsenkirchener in Leipzig auf einen Wert von 28,16 Jahre kamen, waren es bei der Eintracht gegen Hoffenheim in Summe 28,06 Jahre.

          Als Fußballprofi betagt, aber dennoch topfit, erfolgsorientiert und keine Sekunde müde, immer wieder aufs Neue Höchstleistungen zu bringen: Das beste Beispiel dafür ist der Frankfurter Makoto Hasebe. Mit seinen 36 Jahren ist die japanische Fußballikone der älteste Spieler der Bundesliga. Nach den ersten drei Spieltagen ist das Arbeitszeitkonto des Abwehrspielers mit 270 absolvierten Spielminuten dennoch maximal gefüllt.

          30 Jahre oder älter sind von den Stammkräften auch Torhüter Kevin Trapp (30), Verteidiger David Abraham (34), Mittelfeldspieler Sebastian Rode (30), Stürmer Bas Dost (31) und der defensive Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker (31). Auf der Ersatzbank gegen Hoffenheim saß noch der 30 Jahre alte Timothy Chandler, der kurz vor Spielende eingewechselt wurde. Die Küken in der Startelf bildeten André Silva, Daichi Kamada und Almamy Touré, sie sind alle 24 Jahre alt. Der jüngste Spieler im Spieltagskader war der Brasilianer Tuta mit 21 Jahren. Ihm folgten Ersatztorhüter Markus Schubert, Ragnar Ache und Aymen Barkok (alle 22). Wie Tuta erhielten Ache und Barkok von Hütter Spielzeit.

          Überaltert ist die Mannschaft nicht, das zeigt ihr Leistungsvermögen, welches aktuell höchsten Ansprüchen genügt. Mit ihren Spielern geht die Eintracht sehr pfleglich um. Sportvorstand Fredi Bobic hat den Betreuerstab bei der Mannschaft von Jahr zu Jahr mit Fachleuten ausgebaut und so optimiert. Heute kümmern sich drei Reha-Trainer um verletzte Spieler und führen sie zurück auf das nötige Fitness-Level. In körperlich besserer Verfassung könnte die Mannschaft unter Hütter kaum sein. Das untermauern die Zahlen: Im zurückliegenden Spieljahr holte die Eintracht zum Beispiel 16 Mal einen Rückstand auf, nur Leipzig (19 Mal) schnitt besser ab. Weil Hütters praktizierter Power-Fußball mit aggressivem Pressing einen Kraftakt für seine Spieler darstellt, müssen diese von der Physis her die Voraussetzungen dafür mitbringen. Dementsprechend groß ist oft der Nachholbedarf bei den neuen Eintracht-Spielern, die Zeit brauchen, bis sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind.

          Sportvorstand Fredi Bobic hat die Mannschaft um die Mannschaft optimiert und ausgebaut.
          Sportvorstand Fredi Bobic hat die Mannschaft um die Mannschaft optimiert und ausgebaut. : Bild: dpa

          Trotz allem wurde die Verjüngungskur bereits eingeleitet. An herausragender Stelle steht der 21 Jahre alte Innenverteidiger Evan Ndicka mit seinem großen Talent und seiner gesammelten Erfahrung. Tuta deutete jüngst an, dass er der Rolle des Nachfolgers von Kapitän Abraham gewachsen sein könnte. Im Mittelfeld beschäftigen die Frankfurter zudem mit Dominik Kohr (26 Jahre) und Djibril Sow (23) zwei Spieler, an die der Klub hohe Erwartungen hat. Und nicht zu vergessen die ausgeliehenen Talente Dejan Joveljic (21/Wolfsberger AK) und Rodrigo Zalazar (21/St. Pauli). Kurzum: Der Altersmix im Gesamtaufgebot stimmt. Und die aktuelle Oldie-Truppe steckt voller Tatendrang. Von Müdigkeit keine Spur.

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