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2:4 in Mönchengladbach : Die Mängel von Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Da war mehr drin: Daichi Kamada vergab in Gladbach einige Chancen. Bild: AP

Sechs Spiele in Serie verloren die Frankfurter zuletzt nicht. Nun erwischt es sie beim 2:4 in Mönchengladbach. Die Gründe sind schnell gefunden. Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt der Eintracht aber nicht.

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          Die Erfolgsserie der Eintracht ist gerissen. Die Frankfurter trafen zum Ausklang des neunten Bundesliga-Spieltags in Mönchengladbach auf einen Gegner, der die Schwächen von Adi Hütters Auswahl effektiv ausnutzte. Mit dem 2:4 bei der Borussia gingen die Hessen, die zuvor sechsmal in Folge nicht bezwungen werden konnten, nach Wochen des Aufschwungs mal wieder als Verlierer vom Feld. Sie verharrten durch die Niederlage bei einer Ausbeute von 14 Punkten und verpassten das weitere Vorrücken in der Tabelle, während die Elf vom Niederrhein mit einer Handvoll Zähler mehr auf dem Konto den Platz an der Spitze des Klassements behauptete.

          Bundesliga

          Im Oktober, der sich für die Eintracht bis dahin als ausgesprochen golden erwiesen hatte, bietet sich zum Abschluss nun noch die Gelegenheit, im Pokal durch ein erfreuliches Resultat der Enttäuschung, die bei allen Beteiligten am Sonntag nach Abpfiff die Gefühlslage prägte, aktiv entgegenzuwirken. Viel Zeit zum Energietanken bleibt nicht. Schon an diesem Mittwoch heißt der Herausforderer FC St. Pauli, der am Millerntor bezwungen werden muss, wenn es mit der Qualifikation für das Achtelfinale des Wettbewerbs etwas werden soll. Um gegen das Zweitliga-Team weiterzukommen, wird auch eine stringentere Abwehrarbeit und konsequentere Chancenverwertung als im Gladbacher Nordpark vonnöten sein; unter anderem ließ Daichi Kamada drei aussichtsreiche Gelegenheiten verstreichen (66., 67., 68.), als die Hessen alles auf einer Karte setzten, um anfängliche Versäumnisse nachzuholen.

          Keine 72 Stunden nach dem 2:1 gegen Standard Lüttich präsentierte sich Hütters Auswahl im Duell der beiden Europa-League-Teilnehmer nicht in taufrischer Verfassung. Auch den Akteuren der Borussia steckte ihr Trip zum Kräftemessen mit dem AS Rom (1:1) noch in den Knochen, doch in Summe durchkreuzte ihre Einsatz- und Kampfbereitschaft das Vorhaben der Eintracht, aufs Neue Punkte zu gewinnen. Die Treffer von Danny da Costa (60. Minute) und Martin Hinteregger (78.) waren zu wenig, um der Partie im zweiten Abschnitt eine Wende zum Besseren zu geben.

          Bis zur Pause hatten die Frankfurter einen Auftritt geboten, bei dem sie vieles von dem, was sie sonst so stark macht, vermissen ließen; Marcus Thuram (28.) und Oscar Wendet (45. + 1) machten sich diese Zurückhaltung zunutze und trafen zur 2:0-Führung. Später legten Nico Elvedi (3:1, 75.) und Denis Zakaria zum Endstand nach (86.). Einigkeit herrschte anschließend in der Beurteilung des aus Frankfurter Sicht unbeständigen Geschehens, dass diese Begegnung mit einem ambitionierten Konkurrenten in der ersten Hälfte nicht den selbstformulierten hohen Ansprüchen entsprach.

          Abermals fiel die Eintracht – wie schon wiederholt in dieser Saison – durch einen ausgesprochen verhaltenen Start auf, der diesmal der Borussia in die Karten spielte. „Es kam mir so vor, als hätten wir es verschlafen“, sagte Dominik Kohr selbstkritisch. „Gladbach hat das gut ausgenutzt und den frischeren Eindruck hinterlassen“, fügte der Profi an, der von der 46. Minute an dabei war. Für ihn musste Sebastian Rode den Platz räumen, der von der Dynamik, mit der die Offensivleute der Elf vom Niederrhein um ihn herumwirbelten, ungewohnt überfordert wirkte.

          „Zum Schluss hat man dann auch die Gladbacher Klasse sehen können“, sagte Kohr, „alles in allem war es ein verdienter Sieg für sie.“ Nebenmann Gelson Fernandes bilanzierte ähnlich klar in eigener Sache. „Wir haben am Anfang zu wenig investiert, um hier mehr zu holen“, sagte der Schweizer Defensiv-Desperado, erst nach einer unmissverständlichen Ansprache Hütters in der Halbzeit „haben wir unseren Fußball gezeigt, und dann war auch mehr drin“. Hütter betonte, dass ihm die Reaktion nach Wiederanpfiff „sehr gut gefallen habe“, nachdem er zuvor zu wenig „Überzeugung“ und Vertrauen ins eigene Können bei seinem Personal feststellte: „Wir haben es nicht geschafft, durchgängig mit Mut zu spielen. Der richtige Glaube, hier heute gewinnen zu können, kam erst spät.“

          „Wir haben es nicht geschafft, durchgängig mit Mut zu spielen“: Eintracht-Trainer Adi Hütter

          Vor allem über die hohe Anzahl der Gegentreffer, von denen die ersten drei bei mehr Engagement zu verhindern gewesen wären, äußerte er sich „sehr verärgert“, wie er betonte: „Jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, dass wir dran sind und der Ausgleich möglich sein könnte, haben wir wieder ein leichtes Gegentor kassiert.“

          Hütter vermied es, vor der Heimreise nach Hessen eine Prognose abzugeben, ob er beim FC St. Pauli wieder mit dem Sturm-Duo Bas Dost und André Silva planen kann und damit über mehr Auswahl im Angriff verfügt. In Gladbach griff er auf Dejan Joveljic zurück, um gegen Ende die Last im Angriff auf mehrere Schultern zu verteilen; der Youngster mühte sich, kam aber nicht zum Abschluss. Dost plagen trotz intensiver medizinischer Behandlung Hüftprobleme, bei Silva sind es Beschwerden an der Achillessehne. „Mit ihnen hätten wir zusätzliche Wucht“, sagte Hütter, wollte über ihr Fehlen „aber nicht großartig diskutieren“. Stattdessen gelte es, „von Tag zu Tag“ zu schauen: „Noch sind die Jungs ein Stückchen weg.“

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