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Frankfurt in der Relegation : „Das ist ein schwerer Schlag“

Die Frankfurter bekommen noch zwei Chancen – in der Relegation. Bild: Reuters

Der Eintracht fehlen beim 0:1 in Bremen nur Minuten zum Happy End im Bundesliga-Abstiegskampf. In der Relegation wartet nun Nürnberg – und die Frankfurter wollen sich dabei Werder zum Beispiel nehmen.

          3 Min.

          Der Kapitän marschierte voran. „Wir sind Profis. Wir müssen sofort nach vorne schauen. Wir wussten ja, dass eine solche Situation kommen konnte.“ Nun also ist es passiert. Marco Russ, der Spielführer der Frankfurter Eintracht, muss gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen nachsitzen. Zwei Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg – das Hinspiel am Donnerstag in Frankfurt (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET), das Rückspiel am darauffolgenden Montag (ebenfalls 20.30 Uhr). Für die Eintracht ist die Saison also noch nicht vorbei.

          Dabei hatten die Frankfurter alle Trümpfe in der Hand. Bis zur 88. Minute hielt die Mannschaft von Trainer Niko Kovac ein 0:0 bei Werder Bremen. Die Rettung erster Klasse war zum Greifen nah. Die „Abwehrschlacht“, von der Stefan Aigner später sprach, stand kurz vor einem Happy End. Dann passierte es. In einer Art Gemeinschaftsproduktion bugsierten die Bremer Anthony Ujah und Papy Djilobodji den Ball über die Linie des Frankfurter Tores.

          Ein ganzes Stadion stand kopf – und die Eintracht wusste kaum, wie ihr geschah. Der letzte Pfiff von Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dreiminütiger Nachspielzeit ließ alle Dämme brechen. Tausende von Zuschauern kamen nach und nach auf den Rasen, den die Eintracht-Spieler zielstrebig verließen. Das Flugzeug wartete; die geschlagenen und getroffenen Hessen wollten möglichst schnell wieder nach Hause. Russ sagte: „Vor wenigen Wochen hätten wir uns die Chance auf die Relegation gewünscht. Jetzt haben wir sie, und jetzt müssen wir sie nutzen.“

          In die gleiche Kerbe hieb auch Axel Hellmann. Das Vorstandsmitglied der Eintracht richtete sein Augenmerk schon auf die beiden Prüfungen gegen Nürnberg. „Vor drei Wochen hätte ich das sofort unterschrieben“, sagte Hellmann zu den damaligen Aussichten, in sportlich scheinbar hoffnungsloser Lage zumindest noch den Sprung auf Tabellenposition 16 zu schaffen. „Wir müssen dieses 0:1 von Bremen jetzt ganz schnell abschütteln und mit gelassener Konzentriertheit in Richtung Donnerstag gehen.“

          Völlig losgelöst: Tor-Vorarbeiter Anthony Ujah (rechts) ist nach dem Bremer Siegtreffer kaum noch einzufangen. Bilderstrecke
          Völlig losgelöst: Tor-Vorarbeiter Anthony Ujah (rechts) ist nach dem Bremer Siegtreffer kaum noch einzufangen. :

          Ebenso wie Trainer Niko Kovac zeigte sich Hellmann von der faszinierenden Atmosphäre angetan, die im prallgefüllten Werder-Stadion herrschte. „Heute hat man gesehen, was ein Hexenkessel wert ist. Wir werden es am Donnerstag genauso haben“, wünschte sich Hellmann. „Ein Hexenkessel kann es rausreißen. Werder hatte dadurch Luft unter die Flügel bekommen.“ Kovac führte anderes im Schilde. Der Eintracht-Coach war nicht darauf bedacht, in der letzten Bundesliga-Partie auf Remis zu spielen, das der Eintracht gereicht hätte, um Tabellenposition 15 zu verteidigen.

          „Wir wollten schon Akzente nach vorne setzen“, erläuterte Kovac die Frankfurter Taktik, die sich auch deshalb nicht verwirklichen ließ, weil unmittelbar vor Spielbeginn der für das offensive Mittelfeld vorgesehene und schon auf dem Spielberichtsbogen vermerkte Marc Stendera durch Aleksandar Ignjovski ersetzt werden musste. Wegen einer Blockade in den Rippen konnte Stendera im Wortsinne nicht richtig Luft holen. „Er hatte ein leichtes Stechen gespürt, auch schon am Freitag“, sagte Kovac.

          Durch ein mögliches Mitwirken Stenderas hatte sich der 44 Jahre alte Fußballlehrer „mehr Ballsicherheit und mehr Präsenz erwartet“. Nur zwei Mal gelang es der Eintracht, für Gefahr vor dem Bremer zu Tor zu sorgen – in einem Abstiegsendspiel, das sich wegen der zwischenzeitlichen Ergebnisentwicklung in Wolfsburg (wo der VfB Stuttgart verlor und nach 41 Jahren abstieg) zu einem Relegationsendspiel entwickelte.

          In der zweiten Minute war es Änis Ben-Hatira, der mit einem Kopfball an Werder-Keeper Felix Wiedwald scheiterte; in der 20. Minute war es Makoto Hasebe, der mit einem Schuss von der Strafraumgrenze seinen Meister im ehemaligen Eintracht-Torhüter fand. Ansonsten: Flaute im Sturm. „Werder war einfach sehr viel besser als wir“, sagte Kovac, der nach Schlusspfiff als erstes damit beschäftigt war, „die Jungs wieder aufzurichten. Sie sind enttäuscht. Es liegt jetzt an mir, sie aufzubauen. Wir sind jetzt kurz hingefallen“, sagte Kovac. „Aber diejenigen, die sofort wieder aufstehen, werden auch belohnt werden.“

          Kovac wollte sich auch nicht im Detail darüber äußern und grämen, dass vor dem Bremer Siegtreffer eine Aktion vorausgegangen war, die der Eintracht-Trainer als „Sperren ohne Ball“ gegen den eingewechselten Luc Castaignos wertete. Die nachfolgende Rempelei mit dem Bremer Zlatko Junuzovic „war Foul“, wie Kovac bestätigte. „Aber was vorher passierte“, sei nicht korrekt gewesen. Für Werder erwies sich die Entscheidung des Referees als Volltreffer, denn dem Freistoß folgte das 1:0 – und das Aus aller Frankfurter Rettungsträume nach 34 Spielen.

          Nachsitzen also. „Das ist schon bitter und ein schwerer Schlag“, sagte Heribert Bruchhagen. „Wir haben so kurz vor dem Ziel gestanden.“ Die Empfehlung des Ende Juni von seinem Amt ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden: „Wir müssen jetzt mit großer Vehemenz und großem Herzen in die Spiele gegen Nürnberg gehen.“ Und womöglich auch mit einem, der im Bremer Weserstadion nur laufend abseits des Feldes in Erscheinung trat: Alexander Meier. Kovac verzichtete darauf, den wieder genesenen Anführer einzuwechseln. Meier aber in den zwei Relegationsspielen gegen den „Club“? „Das ist sicherlich ein Thema“, sagte Kovac. Meier könnte den Schwung entfachen, der der Eintracht in Bremen gefehlt hat.

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