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Eintracht Frankfurt vor Pokal : Hütters Seitenhieb gegen Kohfeldt

Der Traum vom Pokalfinale: Trainer Adi Hütter geht mit der Eintracht ins Pokal-Viertelfinale und hätte sich von Werder-Coach Kohfeldt (rechts) mehr Empathie gewünscht. Bild: dpa

Eintracht Frankfurt wittert die Chance auf ein drittes Pokalfinale innerhalb von vier Spielzeiten. Vor dem Viertelfinale gegen Werder Bremen ärgert sich Adi Hütter über seinen Trainerkollegen. Derweil droht eine weitere Spielverlegung.

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          Der Wunsch, den Adi Hütter zwischen all den Diskussionen, mit welchen Absichten und welchem Personal er die Partie gegen Werder Bremen angehen möchte, zu Protokoll gab, ließ an Deutlichkeit nichts vermissen. Er hoffe, sagte der Trainer der Eintracht, dass es an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, ARD und Sky), wenn sein Team vor eigenem Publikum um den Einzug ins Pokal-Halbfinale kämpft, gelingen wird, den „Fußball in den Vordergund zu stellen“.

          DFB-Pokal

          Auch der Österreicher hat die Fan-Proteste der vergangenen Tage, die Teil eines zu eskalieren drohenden Machtkampfs zwischen DFB und den Ultra-Gruppierungen sind, verfolgt und für sich daraus eine unmissverständliche Schlussfolgerung gezogen. Die Aktionen, mit denen der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp verunglimpft wurde, bezeichnete er als inakzeptabel: „Persönliche Beleidigungen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen“, sagte Hütter. In den Stadien sollten vielmehr „zwei Mannschaften um den Sieg fighten“. Und er erwarte diesbezüglich gegen Bremen, „dass uns die Fans dabei zu hundert Prozent unterstützen“.

          Hütter vermied es, vor dem Aufeinandertreffen gegen die in der Bundesliga vom Abstieg bedrohten Norddeutschen von einer Favoritenrolle für seine Mannschaft zu sprechen. Er sagte lediglich, dass es ein Abend werden solle, „der sportlich so abläuft, wie wir uns das vorstellen“. Die Erinnerungen an den Triumph im Endspiel 2018 gegen den FC Bayern gehörten für viele innerhalb des Klubs und in seinem Unterstützer-Umfeld zu den prägendsten Momenten der jüngeren Vergangenheit, und wenn es nach ihm geht, darf der Traum von einer Rückkehr nach Berlin, wo am 23. Mai der Titel aufs Neue vergeben wird, gerne noch größer werden. „Wir wollen eine Runde weiterkommen“, sagte Hütter. Insbesondere mit der Tatsache, „dass wir in K.-o.-Duellen zuletzt Erfahrung gesammelt haben“, begründete er seinen Optimismus: „Wir sind gewappnet.“

          Werder „kein problembehafteter Tabellen-Siebzehnter“

          Mit Blick auf die Auswahlmöglichkeiten in seinem Kader könne er „fast aus dem Vollen schöpfen“. Selbst David Abraham, der in Salzburg „einen Schlag“ abbekam, und Mijat Gacinovic, der mit grippalen Infekten kürzertreten musste, seien denkbare Alternativen. Sollte bei Kapitän Abraham die Zeit bis zum Anstoß nicht genügen, um vollständig fit zu werden, dürfte Stefan Ilsanker auf die Innenverteidiger-Position wechseln und Makoto Hasebe als Sechser ins defensive Mittelfeld rücken.

          Der Respekt vor den Bremern ist in Hütters Vorbereitung auf die Partie eingeflossen. Bei Werder handelt es sich für Hütter um keinen problembehafteten Tabellen-Siebzehnten, sondern um einen Gegner, dem es an Qualität nicht mangele und der als „zweiterfolgreichste Mannschaft“ in diesem Wettbewerb (sechs Pokalsiege) nicht unterschätzt werden dürfe. „Ihr Spiel-Ansatz ist gut zu erkennen. Wenn sie aber wenige Treffer erzielen und viele kassieren, zeigt das, dass sie nicht in der Spur sind.“

          Einsatz fraglich: Kapitän David Abraham (im Bild im Duell mit  Patson Daka beim Spiel in Salzburg) droht gegen Bremen auszufallen.
          Einsatz fraglich: Kapitän David Abraham (im Bild im Duell mit Patson Daka beim Spiel in Salzburg) droht gegen Bremen auszufallen. : Bild: EPA

          Florian Kohfeldt, sein Pendant auf der Bank der Grün-Weißen, hatte, kurz bevor Hütter am Dienstagnachmittag zum Abschlusstraining bat, aus seinem Extra-Ansporn gegen die Eintracht keinen Hehl gemacht. „Wir wollen es allen zeigen, das ist ganz klar“, sagte der Bremer Coach. Nach wie vor ist Kohfeldt verstimmt. „Die Hauptmotivation ziehen wir daraus, dass eine schlechte Entscheidung gegen uns getroffen wurde“, sagte er. Das Spiel in Frankfurt hätte eigentlich die zweite Begegnung der beiden Traditionsvereine innerhalb von vier Tagen sein sollen.

          Verschiebung des Europa-League-Spiels in Basel

          Doch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sagte das Liga-Match am Sonntag mit Rücksicht auf die Eintracht ab, deren Europa-League-Duell mit Salzburg wegen eines Orkans um 21 Stunden auf den frühen Freitagabend verschoben worden war. Kohfeldt sieht darin einen „klaren Nachteil“ für sich und seine Leute. Werder hatte die Belastung der Eintracht durch die schnelle Spielfolge mit Auftritten im Europapokal, in der Bundesliga und im Pokal nutzen wollen.

          So aber fehlte Kohfeldts Elf die Gelegenheit, durch einen möglichen Sieg vor heimischer Kulisse Selbstvertrauen zu gewinnen. Und nun kann sich die Eintracht entgegen den ursprünglichen Planungen ausgeruhter ans Werk machen. Hütter erlaubte sich einen Seitenhieb gegen Kohfeldt. „Ich benötige keine Motivationsschübe von außen. Es genügt die Möglichkeit, in das Halbfinale einzuziehen.“ Er hätte es gerne gesehen, dass man in Bremen „empathischer denken“ würde: „Wir haben in den vergangenen beiden Spielzeiten 28 internationale Spiele mehr als Werder absolviert. Die DFL hat so entschieden“, sagte Hütter.

          Womöglich steht den Frankfurtern demnächst eine weitere Verschiebung bevor. Die Uefa will kurzfristig darüber entscheiden, ob das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League zwischen dem FC Basel und der Eintracht angesichts des grassierenden Coronavirus wie geplant am Donnerstag, den 19. März, stattfinden kann. Die Swiss Football League hatte am Montag alle Spiele der beiden höchsten Ligen bis zum 23. März abgesagt. „Wir werden mit den Regierungen beider Länder sprechen und eine Entscheidung erst kurz vor dem Spiel treffen“, sagte Generalsekretär Theodore Theodoridis nach dem Uefa-Kongress in Amsterdam am Dienstag.

          Man sei in jedem Einzelfall im Austausch mit der Weltgesundheitsorganisation. Hütter bekundete, dass die Ausbreitung des Coronavirus ihn in seiner täglichen Arbeit nicht beeinträchtige. „Das ist natürlich ein Thema, aber ein gesellschaftliches“, sagte der 50-Jährige: „Aber wir sind von unseren Ärzten gut aufgeklärt worden, gut informiert und wissen, was wir zu tun haben.“

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