https://www.faz.net/-gtm-a5px7

Frankfurt gegen Leipzig : Ein schwieriger Spagat für Hütter

  • -Aktualisiert am

Gegen den Favoriten: Für Hütter wird der Heimsieg gegen Leipzig zu einem ehrgeizigen Projekt. Bild: EPA

Am Gegner wachsen – das gelang der Eintracht in dieser Saison schon häufiger. Und das erhofft sich Trainer Hütter auch im Heimspiel gegen Leipzig.

          3 Min.

          Julian Nagelsmann reist nicht gerne nach Frankfurt. Das hat nichts mit dem dort ansässigen Deutschen Fußball-Bund zu tun, für den der Trainer irgendwann einmal arbeiten könnte. Zumindest, wenn es nach den vielen deutschen Fußballfans geht, die nicht mehr an Bundestrainer Jogi Löw glauben. Der Fußball-Lehrer, mit 33 schon erfolgsverwöhnt, hat mit der Frankfurter Eintracht schlechte Erfahrungen gemacht, vor allem, wenn er in der Nähe des Rhein-Main-Flughafens spielte. In seinen letzten beiden Spielen mit Hoffenheim setzte es zwei Niederlagen und bei seinen ersten beiden Auswärtsspielen mit RB Leipzig auch. Wobei die Sachsen fast schon eine Frankfurt-Phobie entwickelt haben, sie haben dort schon vor Nagelsmanns Zeit keine Auseinandersetzung gewonnen.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Eintracht-Trainer Adi Hütter zuckt einen Tag vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig mit den Schultern, als er gefragt wird, wie so eine Serie gegen einen besser besetzten Gegner zustande kommen könne. Nach kurzem Zögern sagt er: „Ich weiß es nicht, aber es ist auch ein Zeichen unserer Qualität.“ Der Österreicher ist realistisch genug, um nicht auf die Idee zu kommen, dass sich die Eintracht auf Augenhöhe mit dem Champions-League-Halbfinalisten befindet: „Aber an einem außergewöhnlich guten Tag sind wir gut genug, um Chancen zu haben.“ Wie die Ergebnislisten beweisen.

          Hütter rattert die Tugenden nur so herunter, die sein Team an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen die Sachsen aufweisen müsse: „Hohe Konzentration, hohe Laufbereitschaft, Aggressivität, energische Zweikampfführung, ein gutes Umschalten, Kreativität und Effizienz vor dem Tor.“ Der 50-Jährige weiß, wie schwierig der Spagat ist, der für den Erfolg notwendig ist. „Wir müssen alles geben, viel laufen, immer dem Nebenmann helfen. Und ich werde die volle Energie nicht bremsen. Aber wir müssen auch den Kopf einschalten, blindlings nach vorne laufen bringt nichts.“

          Schwierigkeiten mit der Balance

          Das mit der Balance hat in den vergangenen Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner nicht so gut funktioniert. Aber in dieser Saison war es bisher so, dass die Eintracht umso besser spielte, je besser der Gegner war. Ausnahme Bayern München, gegen die es die einzige Niederlage setzte. Hütter sieht das genauso und leitet daraus ab: „Ich habe die Hoffnung, dass wir wieder am Gegner wachsen.“

          Bei dem ehrgeizigen Projekt Heimsieg gegen Leipzig wird Sebastian Rode fehlen, dessen Sehnenentzündung nicht ausreichend abgeklungen ist, um sich den Belastungen eines Bundesligaspiels auszusetzen. Was wieder die Frage nach der Statik im Mittelfeld aufwirft. Zuletzt erwies sich in Stuttgart eine defensive Variante mit Kohr und Ilsanker im Zentrum als unproduktiv für das Sturmspiel, vor allem weil auch über die Außen Zuber und Touré keine Impulse kamen. Gegen eine offensivere Ausrichtung spricht das hohe Umschalttempo der Leipziger. So liegt der Schluss nahe, dass Hütter der alten zerstörerischen Kombination in der Mitte vertraut und mehr offensive Durchschlagskraft in die Zuständigkeit der neuen Außen fällt. Kostic für Zuber und Barkok für Touré.

          Hütter scheut eindeutige Aussagen

          Der Eintracht-Trainer scheut in Personalfragen eindeutige Aussagen. Das war auch am Freitag so. Aber sein Hinweis, dass Kostic putzmunter von der Länderspielreise aus Serbien zurückgekehrt ist und vor zwei Wochen in Stuttgart schon fit genug für einen längeren Einsatz gewesen wäre, war mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl. Ob dagegen Barkok auf der rechten Außenbahn in der Startformation steht, ist weit offener. „Aymen hat seine Sache in den letzten beiden Spielen wirklich sehr gut gemacht. Aber wir müssen auch den Gegner bedenken“, sagt Hütter. Er hebt den offensiven Leipziger Linksverteidiger Angeliño hervor: „Mit dem Münchner Davies ist er der beste Spieler der Bundesliga auf dieser Position.“ Ob der 22 Jahre alte Barkok den Spanier bremsen kann? Defensive Zweikämpfe sind nicht die größte Stärke des Deutschmarokkaners, der allerdings mit Rückenwind von der Nationalelf nach Frankfurt zurückkehrte. Er gewann mit Marokko beide WM-Qualifikationsspiele gegen die Zentralafrikanische Republik souverän und durfte jeweils eine tragende Rolle spielen.

          Und auch die österreichische Abteilung der Eintracht kam in den Genuss von Erfolgserlebnissen. Stefan Ilsanker und Martin Hinteregger sicherten sich gegen Nordirland und Norwegen den Gruppensieg mit Österreich. Trainer Hütter ist dennoch froh, dass bis in den März hinein keine Länderspielpausen mehr anstehen. „In diesen Zeiten bangt man noch mehr, dass alle gesund nach Hause kommen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Robert Habeck und Annalena Baerbock

          Hanks Welt : Immer eng am Zeitgeist

          Die Grünen waren zeitweise eine liberale Partei. Aber kann man die Partei heute (noch) wählen?

          Krise im deutschen Fußball : Die Nationalelf ist im freien Fall

          Seit dem WM-Sieg stürzt der Image-Wert des Nationalteams in den Keller, wie eine Umfrage belegt. Auch die Entfremdung von der Elf erreicht eine neue Dimension. Das hat nicht nur mit Niederlagen auf dem Rasen zu tun.
          Neue Hoffnung für die Blockchain: Kommt diesmal der Durchbruch?

          Zukunft der Computer : Bitcoin – Blockchain – Boom

          Der jüngste Kursanstieg der Kryptowährung lenkt den Blick auf eine Technologie, die gewaltiges Potential hat: Es geht um sichere Lieferketten, den digitalen Euro und mehr. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.