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Eintracht-Profi Hnteregger : Partylöwe und Sonnyboy

„Gleichgewichtsstörungen“: Martin Hinteregger hat gefeiert. Bild: EPA

Eine Länderspielpause mit zwei unterschiedlichen Geschichten: Martin Hinteregger ärgert den österreichischen Nationaltrainer Franco Foda mit einer langen Geburtstagsfeier. Timothy Chandler freut sich, nach überstandener Verletzung wieder dabei zu sein.

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          Die Mär von einer Wadenverletzung hielt der Wirklichkeit nicht stand. Jetzt hat der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) den wahren Grund für die Nichtberücksichtigung von Eintracht-Profi Martin Hinteregger genannt. Der Kärntner hatte es vorgezogen, vor dem wichtigen Europameisterschafts-Qualifikationsspiel der Österreicher am Montag in Polen (0:0) gebührend in seinen 27. Geburtstag reinzufeiern. Während sich Hintereggers Mannschaftskameraden auf Geheiß von Nationaltrainer Franco Foda bis spätestens um 21.30 Uhr einzufinden hatten, kehrte der Frankfurter Verteidiger erst am nächsten Morgen zum Auswahlteam zurück.

          „Aufgrund der Wichtigkeit des Spiels gegen Polen haben wir den Fokus voll auf das Sportliche gelegt und das Thema bewusst intern abgehandelt. Martin hat sein Fehlverhalten eingesehen und sich entschuldigt“, bestätigte Foda in einer am Mittwoch veröffentlichten Verbandsmitteilung den Vorfall.

          Der ÖFB hatte Hintereggers Fehlen beim torlosen Remis in Polen zunächst mit einer Wadenverletzung begründet, stellte nun aber klar: „Martin Hinteregger ist nach einem freien Nachmittag am Samstag verspätet ins Teamquartier zurückgekehrt und hat damit gegen interne Regeln verstoßen.“ Der 42-malige Nationalspieler Hinteregger, der seit 2018 bei allen Länderspielen dabei gewesen ist, hat sich mittlerweile für sein Fehlverhalten beim Trainer, bei der Mannschaft und dem Betreuerteam entschuldigt. „Ich habe am Samstag meinen Geburtstag gefeiert und hier eine Grenze überschritten“, wird der Verteidiger in der ÖFB-Mitteilung zitiert. Österreichische Medien hatten nach dem Feier-Abend in Flachau von „leichten Gleichgewichtsstörungen“ bei Hinteregger geschrieben.

          Zum zweiten Mal auffällig

          Der 27-Jährige war schon im Sommer negativ aufgefallen, als im Internet ein Video auftauchte, wonach er sich im Trainingslager mit seinem damaligen Verein FC Augsburg eine Eskapade geleistet habe.

          Am Mittwochvormittag ging Hinteregger bei bestem Sonnenschein wieder zurück an seinen originären Arbeitsplatz in Frankfurt und wie sonst auch seiner spielerischen Arbeit nach. Von einer etwaigen Wadenverletzung war nichts zu sehen. Mit links, seinem starken Fuß, verwandelte der am 7. September 27 Jahre alt gewordene Eintracht-Verteidiger übungshalber und mit Wucht beispielsweise einen Strafstoß.

          Willkommen zurück: Timothy Chandler (rechts)

          Auch Hintereggers Mitspieler hatten Freude, mit dem Ball zu arbeiten. So auch Timothy Chandler. Der in Frankfurt geborene Chandler ist „überglücklich, endlich wieder dabei zu sein“. Vor etwas mehr als einem Jahr, am 18. August 2018, wurde der stets frohgemute Chandler wegen eines Knorpelschadens am Knie operiert. Seitdem war der emsige Verteidiger damit beschäftigt, sich in der langwierigen Rehabilitation wieder Stück für Stück an die Mannschaft heranzutasten. Dieser Prozess ist jetzt endgültig abgeschlossen, wie Chandler am Mittwoch bei einer offiziell anberaumten Fragestunde mit Journalisten bestätigte. „Ich fühle mich wieder sehr, sehr gut“, sagte Sonnyboy Chandler, der gleich mehrere gute Gründe hat, in diesen Tagen besonders gut gelaunt zu sein. Sein Arbeitgeber, die Eintracht Frankfurt Fußball AG, hat ihn nicht nur mit einem neuen, bis einschließlich 30. Juni 2022 laufenden Profivertrag ausgestattet. Chandler ist auch Vater geworden. „Das ist alles sehr schön für mich“, sagte der 29-Jährige, der in dieser Saison bislang zu einem Kurzeinsatz beim 1:2 in Leipzig gekommen ist. Dass er aktuell nicht mehr erste Wahl auf den Außenpositionen ist, weiß Chandler natürlich.

          Filip Kostic auf links und Danny da Costa auf rechts machen ihre Sache schließlich ausgesprochen gut. Chandler ist froh, überhaupt wieder gesund zu sein und den Anschluss geschafft zu haben. „Ich kann immer wieder nur im Training arbeiten und mich beim Trainer anbieten. Ich bin bereit.“ Und körperlich und mental darauf eingestellt, noch möglichst lange bei seinem Herzensklub Eintracht zu bleiben. „Ein paar Jahre will ich schon noch bleiben“, sagte Familienvater Chandler in den Katakomben der Frankfurter Arena. Sich hängenlassen, weil er womöglich nicht auf seine angestrebten Einsatzzeiten kommt? Für Chandler, der stets alles gibt, stellt sich diese Frage nicht. Er weiß um das Privileg, Fußballprofi zu sein. „Ich will jeden Tag zufrieden nach Hause kommen und mir nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben“, sagte er – und zeigte dabei sein bekanntes breites Lächeln.

          An diesem Samstag, wenn sich die Eintracht nach knapp zweiwöchiger Punktspielpause wieder im Bundesliga-Alltag präsentiert, gilt es, wachsam zu sein. Die Reise geht zum langjährigen Angstgegner FC Augsburg, bei dem es schon so manch bittere Niederlage gegeben hat – aber eben auch die Kehrtwende in der vergangenen Saison, als die Mannschaft von Trainer Adi Hütter 3:1 siegte. „Das wird wieder ein hartumkämpftes Spiel“, prognostizierte Chandler. „Aber wir wollen auch diesmal die drei Punkte mitnehmen. Unsere Mannschaft hat Qualität. Ich bin sicher, dass sie mindestens so stark wie letztes Jahr ist.“

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