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Ärger bei Eintracht Frankfurt : „Diese Schönrederei ist das falsche Signal“

Da war die Eintracht-Welt noch in Ordnung: Hütter, Hellmann, Hübner und Bobic (von links, Bild von Januar 2020) Bild: Picture-Alliance

Die Eintracht spielt kommende Saison nicht in der Champions League. Die Teilnahme an der Europa League besänftigt Vorstandssprecher Axel Hellmann nicht. Er kritisiert Adi Hütter und Fredi Bobic.

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          Es passte zum bitteren Ende, dass den geschlagenen Protagonisten phasenweise auch noch die Worte fehlten. „Diese Niederlage ist schwierig zu erklären“, sagte Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe. Mittelfeld-Nebenmann Djibril Sow ergänzte: „Ich habe keine Antwort, wie das passieren konnte.“ Es ist aber passiert. 3:4 beim FC Schalke.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Eine niederschmetternde Niederlage eine Runde vor dem Bundesligafinale, für das sich die Eintracht und ihr scheidender Trainer doch so viel vorgenommen hatten. „Das Feuer brennt – mehr denn je“, behauptete Adi Hütter vor der Dienstreise in den Westen zur aktuell zweitschlechtesten Mannschaft der Bundesliga-Geschichte.

          Zwei Spiele erst hatten die einst in der Königsklasse groß auftrumpfenden Königsblauen in dieser Saison gewonnen. Jetzt steht Sieg Nummer drei zu Buche – gegen eine Frankfurter Mannschaft, die in der Arena auf Schalke am Boden lag. „Die gesamte Mannschaft samt Trainer hat heute versagt“, sagte Sebastian Rode. „Und da gibt es auch keine Entschuldigung dafür. Wir hatten die einmalige Chance, in die Champions League zu kommen – jetzt ist es so gut wie vorbei.“ Am Sonntag war es dann endgültig vorbei. Dortmund gewann, Wolfsburg spielte remis, beide Teams liegen nun uneinholbare vier Punkte vor der Eintracht.

          „Die Niederlage war nicht eingeplant“

          Und für Hütter ist auch bald alles bei der Eintracht vorbei. Er wird Frankfurt den Rücken kehren und gemeinsam mit seinen beiden Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn nach Mönchengladbach gehen. Fredi Bobic macht schon früher Schluss. Der 31. Mai ist sein letzter Arbeitstag als Sportvorstand der Eintracht. Spätestens dann ruft das neue Berliner Projekt mit der alten Tante Hertha.

          Nach seiner letzten Auswärtsfahrt mit den Hessen nach Gelsenkirchen sagte Bobic: „Diese Niederlage war nicht eingeplant. Es war ein wildes Spiel, das wir selbst aus der Hand gegeben haben. Wir hatten das Spiel im Griff, führen mit 2:1 und schenken es dann her durch drei Gegentore, indem wir sie zu Kontern einladen und zu naiv verteidigen.“ So gut wie nichts hat gepasst in diesem völlig missglückten Spiel. „Wenn eine Mannschaft, die schon abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine Mannschaft, die noch die Champions League erreichen kann, dann ist das sehr ernüchternd.“ Klare Worte von Rode, der auch nach Abschluss des Geschehens in Schalke sein Herz auf der Zunge trug und seine Enttäuschung nicht verhehlte.

          Schon nach 15 Minuten hatten die wackeren, um einige Nachwuchsspieler ergänzten Schalker erstmalig zugeschlagen. Kapitän Klaas-Jan Huntelaar im Nachsetzen nach einem zuvor von Kevin Trapp gehaltenen Foulelfmeter bildete den Auftakt zu einem Torreigen der besonderen Art, an dem sich auch noch Blendi Idrizi (52. Minute), Florian Flick (60.) und Matthew Hoppe (64.) beteiligten.

          Vier eigene Tore in einem Spiel zu schießen, das hatte der Absteiger in dieser Saison zuvor nur ein einziges Mal zu Jahresbeginn gegen Hoffenheim geschafft. Die Tordifferenz vor dem Anpfiff gegen die Eintracht – 21:82. „Wenn man 2:1 führt und 3:4 verliert, ist die Enttäuschung natürlich groß“, sagte Hütter in seiner Analyse und gab sich, nachdem ihm Rodes Aussagen zugetragen worden waren, kleinlaut. „Wir haben das gemeinsam vergeigt, keine Frage.“

          „Das geht einfach nicht“

          Von der spielerischen Leichtigkeit vergangener Tage war so gut wie nichts zu sehen. Filip Kostic auf links stand sich selbst oftmals im Weg und brachte kaum Substantielles zustande. Timothy Chandler auf rechts rackerte mit gewohnt großem Eifer, schaffte es aber auch nicht, seiner Mannschaft, für die André Silva (29. und 72.) und Evan Ndicka (51.) trafen, nachhaltig zu helfen. „Schalke geht durch einen Elfmeter in Führung, davor hätte ich schon das 1:0 für uns machen müssen“, sagte er selbstkritisch. „Dann erzielst du das wichtige 1:1, gehst in der zweiten Hälfte mit 2:1 in Führung und bekommst dann nach gefühlten 20 Sekunden das 2:2. Das geht einfach nicht.“

          Beim Blick auf den Saisonkehraus, der noch ein Heimspiel gegen den Sportclub Freiburg im Angebot hat, verlangte Bobic dennoch eine Reaktion: „Wir werden versuchen, uns ordentlich aus der Liga zu verabschieden“, sagte er und versuchte, den mit Händen zu greifenden Frust in den eigenen Reihen durch Phrasen zu kaschieren: „Trotzdem war es eine Rekordsaison, in der wir souverän in die Europa League einziehen und bisher erst sechs Mal verloren haben.“

          Auch Hütter sprach in der Gesamtbetrachtung nach 33 absolvierten Spielen von einem „sehr guten Ergebnis“. Sein einstiger Berner Meisterspieler Sow, der zuletzt wie das Gros der Mannschaft nicht mehr an die Leistungen der einstigen erfolgreichen Wochen anknüpfen konnte, sagte dagegen niedergeschlagen: „Eine super Saison bekommt einen faden Beigeschmack.“

          So urteilte im Übrigen auch Axel Hellmann. Der Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG fand, wie sonst auch, klare Worte nach dem Debakel auf Schalke. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte er: „Wenn du aus den Spielen gegen Mainz und Schalke nur einen Punkt holst, hast du sportlich versagt. Die Leistung auf Schalke war blamabel.“ Besonders störte den 49 Jahre alten Hellmann, dass dieser Umstand von Bobic und Hütter rosarot gemalt wurde. „Das ist nicht der Zeitpunkt, sich über den fünften Platz zu freuen oder als Erfolg zu verkaufen. Diese Schönrederei ist das falsche Signal.“

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