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Neuzugänge bei der Eintracht : Ein Zehner über rechts

Neue Hoffnung: Ajdin Hrustic sieht sich als Spielmacher. Bild: Eintracht Frankfurt

Bei der Eintracht dreht sich das Spieler-Karussell: Neuzugang Ajdin Hrustic stopft große Lücken. Torwart Rönnow wechselt zu Schalke und Schubert kommt im Tausch.

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          Der achte Klub, der zweite als Profi: Ajdin Hrustic ist viel rumgekommen in der Welt des Fußballs. Ein Globetrotter, gerade 24 Jahre alt – und jetzt bei einem Verein, zu dem der Australier, der auch die bosnische Staatsbürgerschaft besitzt, unbedingt wollte: Eintracht Frankfurt. Die Gründe, warum es Hrustic ausgerechnet zur Eintracht gezogen hat, sind vielschichtig.

          Sie haben auch mit Trainer Adi Hütter zu tun, „der mich als Person und mit seiner Persönlichkeit überzeugt hat“, sagte Hrustic am Mittwoch – an dem Tag, an dem Frederik Rönnow den erwarteten Wechsel zum FC Schalke 04 vollzog. Der Eintracht-Torhüter wird bis zum Saisonende ausgeliehen. Den umgekehrten Weg von Gelsenkirchen nach Frankfurt schlug unterdessen der 22 Jahre alte Markus Schubert ein, der anstelle von Rönnow zukünftig die zweite Torhüterposition hinter Eintracht-Stammkeeper Kevin Trapp bekleiden soll.

          Es war Hrustics erster öffentlichkeitswirksamer Termin an seiner neuen Arbeitsstätte in der Frankfurter Arena. Die Rolle, auf dem Podium des Presseraums im Keller sitzend, behagte ihm. Die Fragen kamen auf deutsch, die Antworten gab der Australier auf englisch. Dass er deutsch versteht, hat mit seinem bisherigen Werdegang zu tun. Als siebzehnjähriger Junior war Hrustic als junger Bursche für einen Klub am Ball, der aktuell am Tiefpunkt angekommen ist: FC Schalke 04. Einer seiner Spezis damals, mit dem er auch heute noch befreundet ist und Kontakt pflegt, ist Leroy Sané. „Leroy hat mir deutsch beigebracht“, klärte Hrustic auf. „Und ich habe ihm gesagt: Du gehst eines Tages mal nach England, also bringe ich dir englisch bei.“ Hrustic, ein Hellseher? Tatsächlich verschlug es Dribbler Sané auf die Insel zu Manchester City. Hrustic blieb in der Folge auf dem europäischen Kontinent und schloss sich auf seiner ersten Profistation dem FC Groningen an.

          Nun also der Wechsel zur Eintracht, die ihm mit einem bis Mitte 2023 laufenden Vertrag den Umzug nach Deutschland versüßte. „Die Fans, das Stadion, das Umfeld – all das hat mich beeindruckt“, sagte Hrustic. „Und deshalb wollte ich unbedingt zur Eintracht. Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt.“ Ob es auch sportlich stimmt, wird sich zeigen. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic ist vorab angetan von dem, was er von Hrustic gehört und gesehen hat. Bobic lobte den in Melbourne geborenen Australier als „variablen und zielstrebigen Mittelfeldspieler, der unsere Möglichkeiten auf den Außenbahnen und im Zentrum erweitert“. Beobachtungen und Einschätzungen, denen Hrustic nicht widersprach. Befragt nach seiner Lieblingsposition, erwiderte er: „Ich bin ein Zehner, ich kann aber auch rechts spielen.“ Vielseitigkeit als Trumpf, Vielseitigkeit als Manko?

          Folgenreicher Ausfall von Kostic

          Nach dem Ausfall von Filip Kostic ist die Eintracht ihrer Flügelstärke beraubt worden. Als Kostic noch in Bestform war, wurde links wie rechts fleißig gewirbelt. Jetzt nicht mehr. Auch auf der rechten Seite fehlt der Schwung. Der langjährige Immerspieler Danny da Costa ist von der alten Form entfernt. Hrustic könnte neuen Elan entfachen. Bobic traut seiner aktuellsten Neuverpflichtung zu, in Frankfurt „die nächsten Schritte zu gehen. Mit 24 ist Ajdin längst nicht am Ende seiner Entwicklung. Seit drei Jahren überzeugt er mit konstanten Leistungen in der niederländischen Liga.“ Der einstige Stürmer Bobic ist überzeugt, dass der offensive Mittelfeldmann Hrustic „mit seiner internationalen Vita, seiner Flexibilität und seinen technischen Fähigkeiten gut zur Eintracht passt“. Hrustic sagte am Mittwoch, an dem er nachmittags fern der Mannschaft individuell trainierte, weil das Corona-Testergebnis noch ausstand: „Hier in Deutschland ist die Mentalität anders als in Holland. Ich will jetzt erst mal trainieren, in Ruhe ankommen und ein neues Kapitel aufschlagen.“ Dafür wolle er hart arbeiten und sich dem mannschaftsinternen Wettbewerb stellen. „Mindestens 20 Spieler wollen in die Mannschaft, aber nur elf können spielen“, sagte er. „Dieser Konkurrenzkampf spornt mich an.“

          Ajdin Hrustic hat viel vor in Frankfurt. Durch den Wechsel aus der niederländischen Eredivisie in die deutsche Bundesliga erhofft sich der Australier auch einen Schub für die Nationalmannschaft. Dort stehen bislang lediglich drei Einsätze zu Buche. „Mit unserem Nationaltrainer und seinem Kotrainer habe ich vor Abschluss des Transfers gesprochen“, sagte Hrustic. „Sie haben mich darin bestärkt, diesen Schritt zu gehen.“ Der Trainer hat gesagt: „Das ist gut für dich – und gut auch für den australischen Fußball.“ Ob es auch gut für die Eintracht wird? Hrustic hat angekündigt, lange in Frankfurt bleiben zu wollen. Ob er es schafft, dem Spieler nachzueifern, dessen vormalige Rückennummer sieben er ab sofort trägt? Benjamin Köhler, gleichfalls ein offensiver Mittelfeldmann, war für die Eintracht für eine halbe Fußball-Ewigkeit, von 2004 bis 2013, am Ball.

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