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Frankfurter 1:6 zum Start : So kam es zum Fiasko gegen Bayern

  • -Aktualisiert am

Besonders absurd mutete die Frankfurter Fehlleistung in der 23. Minute an. Die Eintracht entblößte bei einem Konter ihre Abwehr völlig. Gnabry stand in der eigenen Hälfte plötzlich ganz alleine – mit 60 Meter freiem Weg zum Tor. Nach seinem missratenen Querpass traf Thomas Müller aber nur den Pfosten. „Wir wollten zu viel, wir haben den Kopf verloren“, sagte Glasner. „Das war Naivität.“ Diese Begriff fiel bei vielen Analysen. Auch Krösche nutzte die Beschreibung mehrfach. „Wir haben einfach sehr, sehr naiv Fußball gespielt haben.“ Das bestrafte der FC Bayern. „Frankfurt hat mit der Euphorie der Europa League gespielt. Den Mut, den die Eintracht hatte, haben wir bestraft“, sagte Müller.

Erst nach der Pause, als es schon 0:5 stand, fing sich die Eintracht. Für solche schweren Fälle gibt es in der Hausapotheke des Fußballs kleine Mittelchen, die schlimmsten akuten Schmerz lindern, aber kurzfristig auch nicht zur kompletten Gesundung führen. Glasner brachte drei neue Spieler, die Taktik wurde umgestellt – von einem 3-2-4-1-System zu einem 5-4-1. Das wirkte, selbst wenn eine Wende des Spiels illusorisch war. Das erkannte auch der Münchner Trainer Julian Nagelsmann: „Frankfurt hat es uns in der zweiten Halbzeit ein bisschen schwerer gemacht. Der Raum war begrenzter.“

Neben der niederschmetternden Diagnose für die gesamte Mannschaft krankte es bei der Eintracht auch bei vielen Einzelnen. Glasner hatte die Frage, welchen eigentlichen Stammspieler er nicht in die Startelf nimmt, mit Daichi Kamada beantwortet. Der Japaner zeigte eine bärenstarke Vorbereitung, saß aber nun 90 Minuten auf der Bank, wie Neuzugang Lucas Alario. Doch die anderen überzeugten nicht. Jesper Lindström vergab eine riesige Chance (26.), Borré konnte sich kaum durchsetzen, Mario Götze hatte wenige lichte Moment. Bei den Außen Kostic und Ansgar Knauff ging auch wenig.

Dass Abwehrchef Tuta seine beste Szene im gegnerischen Strafraum hatte, lässt erahnen, welches Fiasko sich in der Frankfurter Defensive ereignete. Der Brasilianer traf vorne mit einem Kopfball die Latte (12.). Hinten war in der ersten Halbzeit in der von ihm organisierten Verteidigung gar keine Struktur zu erkennen. Seine Nebenmänner Evan Ndicka und Almamy Toure waren auch keine Hilfe, und die defensiven Mittelfeldspieler Rode und Djibril Sow im Münchner Wirbel überfordert. Kapitän Rode sprach davon, dass seine Mannschaft von den Bayern schlicht „überrollt“ worden sei.

Darüber wird zu reden sein. Schon am Tag nach dem Debakel. Glasner bittet zur Analyse. Sie dürfte zeitlich etwas länger ausfallen. Erwartet wird auch Kostic. Der war nach seiner Auswechslung eine lange Runde um das Spielfeld gelaufen, hatte dabei zu den Fans gewunken und geklatscht. Das sah ein wenig nach Abschied aus. Krösche und Glasner traten dieser Interpretation entgegen. Sowieso dachte der Trainer mehr an etwas anderes. „In fünf Tagen ist Supercup. Obwohl wir 1:6 verloren haben, wollen wir den gewinnen!“ Die weiße Fahne wird vor dem Spiel gegen das weiße Ballett von Real Madrid selbstredend nicht gehisst. Dem Wort zum Samstag müssen am Mittwoch aber Taten folgen.

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