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Neue Torhüter in Frankfurt : Einer wird gewinnen bei der Eintracht

Das war‘s: Für Rönnow bleibt es bei 22 Spielen für die Eintracht. Bild: dpa

Auf der Torhüter-Position sind die Planungen des Bundesligaklubs Eintracht Frankfurt fertig: Jens Grahl und Diant Ramaj kämpfen um den Platz hinter Platzhirsch Kevin Trapp.

          3 Min.

          Frederik Rönnow hat Spuren hinterlassen. Wer auch immer zuletzt im Kreis der Eintracht über den Torhüter sprach, tat es mit anerkennenden Worten. Der Däne ist ein ausgesprochen sympathischer Mensch, freundlich und sprachgewandt, so dass es ihm ein Leichtes war, sich in der Multi-Kulti-Kabine der Frankfurter zu verständigen. Was ihm freilich überhaupt nicht so glückte, wie er es selbst gedacht hatte und die Verantwortlichen des Klubs immer wieder aufs Neue erhofften, waren seine sportlichen Beiträge zum Gesamtwohl.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der Blondschopf, der am 4. August 29 Jahre alt wird, blieb (bis auf eine kurze Phase im Herbst 2019) hinter den Erwartungen zurück, die alle Beteiligten mit seinem Wechsel im Sommer 2018 verknüpft hatten. Immer wieder waren es gesundheitliche Beschwerden – mal an der Hüfte, mal am Knie oder es zwickte ihm im Rücken – die verhinderten, dass er sein im Training wiederholt aufblitzendes Leistungspotenzial auch unter Ernstfallbedingungen beständig abrufen konnte.

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          Er war als Stammkeeper von Adi Hütter vorgesehen, doch als sich Rönnow am Rande seines ersten Trainings in Frankfurt beim Warmlaufen ernsthaft verletzte, wie sich später herausstellte, und danach trotzdem versuchte durchzuhalten, wobei er einen unsicheren Eindruck abgab, wuchsen im Management der Eintracht die Bedenken, ob das Leichtgewicht tatsächlich der bestmögliche Nachfolger von Lukas Hradecky darstellen würde. Sie verpflichteten lieber gegen Ende der Transferperiode Kevin Trapp von Paris St.-Germain. Zunächst wurde er ausgeliehen, Mitte 2019 folgte die endgültige Rückkehr des deutschen Nationalspielers; an ihm gab es für Rönnow kein Vorbeikommen. Er brachte es insgesamt nur auf 22 Pflichtspieleinsätze für die Hessen, die nun die Zusammenarbeit beendeten: Rönnows Abgang zu Union Berlin wurde am Dienstagmorgen verkündet.

          Nachdem er in der zurückliegenden Spielzeit bereits an den FC Schalke verliehen war, dort aber (im Schatten von Ralf Fährmann) sein Glück ebenfalls nicht fand, will Rönnow an der Alten Försterei versuchen, unter neuen Voraussetzungen in der Bundesliga zu bestehen. Und weil der Familienvater bei der Eintracht trotz allem von vielen wegen seiner angenehmen Art geschätzt wurde, signalisierten sie ihm rasch, als er zum Abschluss der EM erste Kontakte mit Union knüpfte und danach sein Ansinnen seinem Noch-Arbeitgeber mitteilte, dass sie ihm keine Steine in den Weg legen würden. Ganz im Gegenteil. Sein Vertrag lief noch bis Ende Juni 2022 und mit seinem Abgang wird vor allem Gehalt eingespart, was in den Pandemiezeiten, da jeder Klub-Kassenwart mehr denn je aufs Geld achten muss, ein angenehmer Nebeneffekt ist.

          Noch hat Rönnow Urlaub, doch sein Wiedereinstieg steht unmittelbar bevor. Von Seiten der Köpenicker hieß es, dass er noch in dieser Woche im Trainingslager in Tirol erwartet werde. Die Eintracht hatte zuvor bereits Fakten geschaffen, die vorwegnahmen, dass Rönnows unglückliche Zeit in Frankfurt zu Ende ging. Sie gaben am Montagabend die Verpflichtung von Jens Grahl bekannt. Der 32-Jährige kommt vom VfB Stuttgart, wo er die vergangenen fünf Spielzeiten als Nummer zwei ein steter Bankdrücker war, der weder an Mitchell Lagerak, Ron Robert Zieler, Fabian Bredlow oder Gregor Kobel vorbei kam. Grahl unterschrieb bei der Eintracht einen Kontrakt bis Mitte 2024.

          Er und Sportvorstand Markus Krösche, der auf dem obligatorischen Foto, mit dem die Frankfurter auf ihren Medienkanälen das Engagement verkündeten, neben Grahl in die Kamera strahlte, kennen sich aus gemeinsamen Paderborner Tagen: „Aus persönlicher Erfahrung weiß ich um die sportlichen wie menschlichen Qualitäten von Jens“, sagte Krösche, der Dienstagmorgen vor der ersten Übungseinheit eine Ansprache ans Team richtete. Grahl habe stets bewiesen, „dass er sich stets in den Dienst der Mannschaft zu stellen weiß und ein wichtiger Faktor für die stetige Weiterentwicklung des Gesamtgefüges sein wird. Ich bin sicher, dass davon insbesondere unsere vielen jungen Talente profitieren werden“.

          Der Routinier wird bei der Eintracht zusammen mit dem Deutsch-Kosovaren Diant Ramaj um die Stellvertreterrolle Trapps wetteifern. Der 19-Jährige wurde im Mai vom zweitklassigen FC Heidenheim an den Main gelotst. Der Junioren-Nationaltorhüter bewies bislang in den U17- und U19-Bundesligen sein Talent; eine erste Probe aufs Exempel, dass er sich auch im Erwachsenenbereich zu behaupten weiß, lieferte Ramaj am Wochenende ab. Beim 1:0 gegen den SV Sandhausen stand er in der ersten Halbzeit zwischen den Pfosten. Er musste allerdings kaum eingreifen, weil seine Vorderleute ihre Sache aufmerksam erledigten. Unglücklich darüber wirkte der Youngster nicht.

          Am Dienstag gab Jens Grahl bei einem Testspiel gegen den Regionalligisten FC Gießen sein Debüt. Der neue Eintracht-Trainer Oliver Glasner ließ in der ersten und zweiten Halbzeit zwei unterschiedliche Mannschaften spielen. Angreifer Paciência musste nach einer halben Stunde angeschlagen raus, eine Diagnose steht noch aus. Nationalspieler Amin Younes war erstmals in der Vorbereitung bei einem Testspiel dabei. Der Bundesligist gewann das Spiel mit 6:1 (2:1). Für Eintracht Frankfurt trafen Ali Akman (1. Minute), Gonçalo Paciência (7.), Jesper Lindström (63.), Daichi Kamada (77.), Filip Kostic (79.) und Aymen Barkok (85.). Louis Münn (9.) erzielte den Treffer für die Amateure.

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