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Remis gegen VfB Stuttgart : Die Eintracht hat sich verdribbelt

Kraftprobe: Kostic und Mavropanos (links) kämpfen um den Ball. Bild: Klein

Eintracht Frankfurt schießt zu wenig Tore, Hinteregger schlägt einen falschen Ton an. Das Remis gegen Stuttgart eignet sich nur bedingt als Mutmacher für die Europa League.

          3 Min.

          Es hat nicht viel gefehlt, da hatte Martin Hinteregger recht. Der Österreicher in Diensten der Eintracht bescheinigte sich und den Seinen eine Vorstellung nahe an der Perfektion. Was nicht weniger als schamlos übertrieben war, doch der Hinweis, dass diese am Ende unterhaltsame Begegnung ohne weiteres mit einem Sieg der Eintracht hätte enden können, stimmte schon. Zum Ende der zweiten Halbzeit, als die Eintracht Filip Kostic wieder wohlwollend in ihrem Kreis der Einsatzkräfte willkommen geheißen und er sich prompt als Torschütze eingebracht hatte, fanden sich später einige knappe Entscheidungen im Protokoll der Partie, in denen den Frankfurtern nicht zuletzt das nötige Quentchen Glück fehlte.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Zunächst mussten die Stuttgarter, kurz nachdem Kostic zur Führung der Eintracht getroffen hatte (79.), den Ausschluss Waldemar Antons verkraften (82.). Der Verteidiger wusste sich im Laufduell mit dem zu enteilen drohenden Rafael Borré nicht anders zu helfen, als dem Kolumbianer in die Beine zu treten. Die strikte Sanktion folgte für den Übeltäter in Form der Roten Karte auf dem Fuß. Doch die Annahme Borrés, dass es für das unfaire Einsteigen auch Strafstoß geben müsse, wozu er sich bereits mit dem Ball in der Hand postierte, durchkreuzte der Referee: Das Foul ereignete sich wenige Zentimeter vor der Strafraumgrenze; und statt eines Elfmeters, der die bessere Chance gebracht hätte, auf 2:0 zu erhöhen, gab es für die Frankfurter lediglich einen Freistoß aus 17 Metern Tor-Entfernung. Er brachte nichts ein.

          Ähnlich knapp ging es auch zu, als Borré auf Vorlage von Kostic aus kurzer Distanz zum Abschluss kam. Sein Schuss flog von der Latte zunächst auf die Linie, und von dort gegen den Rücken des VfB-Keepers. Doch knapp vorbei ist eben auch daneben. Das galt zudem für einen Kopfball von Hinteregger an die Latte. Vor dem Rückzug unter die abkühlende Dusche sparte der Kärntner nicht mit Eigenlob und irritierte darüber hinaus mit einer eigentümlichen Auslegung der Faktenlage.

          „Der Tropfen, der zu viel war für das Fass“

          Der Aushilfskapitän, der den verletzten Sebastian Rode vertritt, bezeichnete die neunzig Fußballminuten zum einen als gelungene Kostprobe frischer Frankfurter Fußballkunst. Sie hätten alles formvollendet so umgesetzt, wie sie es sich vorgenommen hatten, „wir wurden vom Trainer überragend eingestellt“, sagte er. Das war „sehr, sehr gut“. Zudem habe Kostic gezeigt, „wie wichtig er für uns ist“.

          Was niemand ernsthaft bestreiten wollte, zumal die Statistik 24 Ballkontakte aufwies, mit denen der 28-Jährige in der Kürze der Zeit nach seiner Einwechslung in der 59. Minute die bis dahin stockende Offensive belebte. „Seine Anwesenheit bringt sehr viel“, sagte Hinteregger, auch das stimmte. Ansonsten verdribbelte er sich freilich bei dem Versuch, dem Serben argumentativ beizustehen und dessen Verhalten nachträglich zu beschönigen. Ende August war Kostics Versuch, durch einen Streik in Frankfurt seinen Wechsel zu Lazio Rom zu betreiben, gescheitert. Oliver Glasner wurde in diesem Zusammenhang deutlich: „Das war jetzt kurz vor Ende der Transferzeit der Tropfen, der zu viel war für das Fass Eintracht Frankfurt.“

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          Aber die beiden Klubs konnten sich im Folgenden finanziell nicht einigen, wie Sportvorstand Markus Krösche bestätigte. Hinteregger sprach nun von „vielen Halbwahrheiten“, die im Umlauf gewesen seien und die das öffentliche Bild Kostics beeinflusst hätten. Er warf den Medien vor, „Schwachsinn“ geschrieben zu haben. Hinteregger gab „der Presse“ eine Mitschuld, dass Kostics Ruf bei den Fans gelitten habe. „Das mit Filip Kostic war schon lange abgehakt, das wurde aufgebauscht“, behauptete der Innenverteidiger, der sich im Sommer 2019 selbst in Augsburg als widerborstiger Profi gerierte, um partout seine Freigabe für den gewünschten Abgang nach Frankfurt zu erwirken.

          Die Automatismen fehlen

          Hinteregger erlaubte sich am Sonntag auch, das Vorgehen des Klubs in Frage zu stellen. Der Verein, sagte er vor den Kameras, ohne konkret Namen zu nennen, wen er in der Führung explizit damit kritisierte, habe „nicht optimal reagiert“. Krösche ging fürs Erste auf derlei Begleitgeräusche rund um das fünfte sieglose Match in dieser Saison nicht näher ein. Nach Informationen dieses Zeitung wird Hinteregger von der Sportlichen Leitung aber noch zeitnah in einem Gespräch klargemacht werden, dass sein Vorgehen bei der Führungsspitze des Klubs auf Befremden stieß.

          „Wir haben ein gutes Spiel und viel richtig gemacht. Im letzten Drittel sind wir noch etwas zu unsauber. Hier müssen wir klarer und zielstrebiger werden“, fasste Krösche seine Eindrücke vom vierten Spieltag zusammen. „Man hat gesehen, dass noch die Automatismen fehlen. Ärgerlich ist, dass wir so ein Spiel nicht über die Bühne kriegen, da müssen wir in dieser Situation besser verteidigen.“ So genügte dem VfB ein lichter Moment – dem eine ungenügende Kopfballabwehr von Hinteregger vorausgegangen war – von Omar Marmoush (88.), um einen Punkt mitzunehmen. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt, haben viel investiert. Aber wir sind Kämpfer, das wirft uns nicht um“, sagte Glasner.

          An diesem Donnerstag geht es in der Europa League daheim mit der Ouvertüre gegen Fenerbahce Istanbul auf hohem Niveau weiter, drei Tage später folgt die Reise zu Glasners ehemaligen Arbeitgeber in Wolfsburg, der die Bundesliga-Konkurrenz von der Spitze der Tabelle grüßt. „Wir machen eine schwierige Phase durch. Was schiefgehen kann, geht schief, aber der Knoten wird platzen. Diese Situation schweißt uns noch mehr zusammen“, lautete Glasners Prognose, aus der die Hoffnung auf ein Ende aller Debatten durchklang, die die Konzentration auf das Wesentliche stören. Das dürfte auch Hinteregger auf sich bezogen haben. Denn mit starken Worten hat er zuletzt häufiger von sich reden gemacht. Durch exquisite Leistungen eher weniger.

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