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Eintracht gegen VfB Stuttgart : Kostics Kopie

Aus dem Hintergrund müsste Kostic schießen: Und tatsächlich nimmt der Serbe Maß und trifft für die Eintracht gegen den VfB. Bild: Heiko Rhode

Vorbereiter und Vollender – auf den schussgewaltigen Eintracht-Angreifer Filip Kostic ist auch beim 1:1 gegen Stuttgart Verlass. Er trifft sogar zweimal, doch nur ein Tor zählt.

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          Der Durchbruch kam auf der Alm. Für Filip Kostic war der Dienstausflug zur Spielstätte der Bielefelder Arminia Ende Januar ein ganz persönliches Erweckungserlebnis. Wieder vereint mit seinem „Buddy“ Luka Jovic, wie Trainer Adi Hütter diesen bezeichnete, entfaltete Kostic die ganze Pracht seines großen Könnens. Ein Tor erzielte der Serbe selbst, zwei weitere bereitete er vor. Kostic war plötzlich wieder der Mann, der aus der Tiefe kommt und der den Unterschied macht.

          Bundesliga

          Ein paar Wochen später bietet sich das gleiche Bild: Kostic ist noch immer in Hochform, wirbelt auf der linken Seite nach Herzenslust und setzt auch gegen den VfB Stuttgart immer wieder zu seinen gefährlichen Schüssen und Flanken an. Die Frucht seines Einsatzes gegen die alten schwäbischen Teamkollegen: Kostic schaffte unmittelbar nach der Stuttgarter Führung durch Sasa Kalajdzic (68. Minute) das verdiente 1:1 für die Eintracht (69.).

          Zum zweiten Mal schon, denn sein erster Treffer, den er gleichfalls mit einem harten, präzisen Flachschuss in die rechte untere Ecke erzielte, landete ebenso unhaltbar im VfB-Tor von Keeper Gregor Kobel wie sein zweiter Schuss. Es war kein Kopiergerät, das Kostic dabei zu Hilfe nahm. Es war einfach seine unglaubliche Schusstechnik. Bei Kostics erstem Volltreffer meldete sich der Videoassistent aus dem Kölner Keller. In der Entstehung stand Luka Jovic knapp im Abseits.

          Letztlich Schlimmeres verhindert

          Kostic hatte letztlich also Schlimmeres verhindert. Eine weitere Niederlage hätte den großen Ambitionen der Eintracht einen Dämpfer versetzt. Auch deshalb fand Fredi Bobic „die Reaktion mit dem schnellen 1:1 wichtig“, wie der Sportvorstand in seiner Analyse sagte. Wie auch Trainer Hütter sprach Bobic von einem sehr intensiven Spiel zweier Mannschaften, „die sich auf Augenhöhe begegnet sind“.

          Tatsächlich war es für die Eintracht, die nach dem 1:2 von Bremen sofort zurück in die Erfolgsspur kommen wollte, wie sich dies Hütter von seiner Mannschaft gewünscht hatte, ein hartes Stück Arbeit gegen den unbequemen Aufsteiger. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwergetan, weil wir unnötige Ballverluste hatten und der VfB griffig und unangenehm war“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer. „Es ist nicht so einfach, gegen die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga zu spielen, die dann noch 1:0 führt.“

          Zwei Österreicher im Direktduell: Hinteregger (Mitte links) und Kalajdzic
          Zwei Österreicher im Direktduell: Hinteregger (Mitte links) und Kalajdzic : Bild: Reuters

          Wie gut, dass auf Dauerläufer Kostic Verlass ist. Auch in den zurückliegenden Spielen war es stets der Serbe, der mit seinen Flanken als Vorbereiter wertvolle Mannschaftsdienste leistete. Bei den Siegen gegen die Hertha, in Hoffenheim, wo er zudem noch traf, ebenso wie gegen Köln und die Bayern. Beim Remis gegen den VfB empfahl sich Kostic wieder als punktebringender Torschütze. „Das Tor freut mich für Filip“, sagte Trainer und Mentor Hütter. „Er glänzt mit Toren und Vorlagen, das ist für uns sehr wichtig.“

          Tore – für die ist im Normalfall André Silva zuständig. Gegen Stuttgart kam der Portugiese nicht so zur Entfaltung wie sonst. Vielleicht lag es auch daran, dass er sich erst an den vollzogenen Systemwechsel gewöhnen muss. Anstatt wie sonst üblich als Einzelkämpfer seiner stürmischen Arbeit nachzugehen, entschied sich Hütter dazu, Jovic von Beginn an gemeinsam mit Silva für die Offensive aufzubieten. Es war ein Plan, den der Eintracht-Trainer schon im Heimspiel gegen die Bayern hatte. Er ging nicht auf, weil Silva verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand. „Jetzt war es der richtige Zeitpunkt“, sagte Hütter zur Nominierung seiner Doppelspitze gegen den VfB. Dass beim ersten Mal von Anfang an „nicht alles perfekt war, ist klar. Aber mit zunehmender Spieldauer hatte ich den Eindruck, dass Luka und André das Tor machen können, sie sind immer besser geworden.“

          Es ist auch der Verdienst des seit Wochen verlässlichen Kostic, dass es die Eintracht geschafft hat, zum neunten Mal nach einem Rückstand zurückzukommen. „Das zeigt unsere sehr gute Mentalität“, lobte Hütter die Comeback-Qualitäten seiner Elf. Sportdirektor Bruno Hübner sah dies ähnlich. „Die Mannschaft hat wieder Charakter gezeigt und sofort das 1:1 erzielt.“

          Auch wenn es nicht zu einem angestrebten Sieg gereicht hat, empfand Eintracht-Abwehrchef Martin Hinteregger mehr Freude als Frust im Spiel mit dem VfB. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass gleich drei Nationalspieler aus dem Team Austria in einem Bundesligaspiel zum Einsatz kommen. Weil Tuta kurzfristig verletzungsgeplagt ausfiel, beorderte Hütter mit Stefan Ilsanker einen Spezialisten für Defensivaufträge auf den rechten Außenposten in der Dreierabwehrkette. Und im Sturm des VfB unterstrich sein österreichischer Landsmann Kalajdzic, wie wichtig er für Stuttgart ist. Beim 1:1 in Frankfurt traf er schon im sechsten Spiel in Folge. Auf den Stürmer des VfB ist seit Wochen ebenso Verlass wie auf Kostic, den Vorbereiter und Vollender der Eintracht.

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