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Eintracht nach dem 1:1 : „Das Beste ist das Ergebnis“

Da herrschten noch Zweifel: Timothy Chandler wehrt sich gegen die vom Videoassisitent korrigierte Abseitsentscheidung bei seinem Tor. Bild: dpa

Frankfurt spielt schlecht, trifft aber spät zum 1:1 in Düsseldorf. Schönreden will das niemand. Immerhin das Blitz-Debüt von Stefan Ilsanker verläuft erfreulich.

          3 Min.

          Die Abrechnung war eindeutig. So eindeutig wie der Auftritt der Eintracht, der keiner war. „Das war heute einfach schlecht“, sagte Torhüter Kevin Trapp und brachte damit die Ereignisse einer höchst niveauarmen Bundesliga-Begegnung auf den Punkt. Das Beste an der Auswärtspartie der am Samstag schwachen Frankfurter Fußballmannschaft beim vormaligen Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf: Es gab für eine bedenkliche Leistung noch einen Punkt. 1:1 hieß es am Ende einer trostlosen Darbietung, vor der auch Eintracht-Trainer Adi Hütter nicht die Augen verschloss. „Die Leistung war nicht gut. Für uns ist das ein absolut glücklicher Punktgewinn“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer, der empfahl, „über die Leistung einen Mantel des Schweigens“ zu hüllen.

          Bundesliga

          An der Unterstützung hat es nicht gelegen, dass die Eintracht ihr wohl schwächstes Saisonspiel zeigte. Mehr als 5000 Frankfurter Fans hatten sich unter die 45.000 Zuschauer in die Düsseldorfer Arena gemischt. Doch auch durch Anfeuerungen ließ sich das Gros der derangierten Eintracht-Profis nicht zu einer besseren Leistung motivieren. „Man hätte fast glauben können, dass wir Letzter sind und nicht die Fortuna“, sagte Trapp.

          Der Frankfurter Torsteher war zum wiederholten Male der umsichtigste und beste Eintracht-Profi, der sich zumindest einmal freuen durfte. Spät, aber nicht zu spät war es Timothy Chandler, der in der letzten Minute der dreiminütigen Nachspielzeit den kaum für möglich gehaltenen Ausgleich erzielte. Der variable rechte Außenbahnspieler nahm dafür den Kopf zu Hilfe und profitierte damit von den beiden Vorbereitern Filip Kostic, der den Freistoß in den Strafraum geflankt hatte, und André Silva, der passgenau auf Chandler verlängerte. Schiedsrichter Frank Willenborg brauchte ein bisschen, um den Treffer wirklich anzuerkennen, denn zunächst entschied er auf Abseits. Doch als er um Hilfe bat und sich aus dem Kölner Keller der Videoassistent meldete, wurde er überstimmt. Doch kein Abseits.

          Das 1:1 hatte Bestand. Und als der Referee kurz danach abpfiff, konnte die Eintracht ihr Glück kaum fassen. „Das Beste ist das Ergebnis“, sagte beispielsweise Sportdirektor Bruno Hübner. „Das brauchen wir nichts schönzureden.“ Auch Hübner nahm kein Blatt vor den Mund. „So zu spielen ist nicht unser Anspruch“, sagte der Manager, der sich mit der Botschaft in Richtung Kabine verabschiedete: „Wir haben aus drei Rückrundenspielen sieben Punkte geholt. Damit kann man zufrieden sein.“

          Blitz-Debüt für Ilsanker

          Zufrieden konnte auch Stefan Ilsanker sein. Der Österreicher hat 30 bewegte Stunden hinter sich. Freitagmorgen noch in Leipzig, am Nachmittag dann in Frankfurt – und gemeinsam mit den neuen Spielkameraden auf nach Düsseldorf. Ohne zuvor mit den neuen Kollegen trainiert zu haben, kam der langjährige RB-Profi für seinen neuen Arbeitgeber zu seinem Debüt. Eine Halbzeit lang war Ilsanker am Ball, und sein neuer alter Trainer hatte überhaupt keine Bedenken, seinen einstigen Salzburger Spieler sofort zu bringen. „Ich kenne ihn doch in- und auswendig“, sagte Hütter nach dem 1:1 in den Katakomben der Düsseldorfer Arena. „Stefan ist ein Mentalitätsspieler. Einer, der seine Mitspieler aufweckt. Manchmal muss ich ihn sogar bremsen.“

          In der 64. Minute wäre vielleicht dafür eine Gelegenheit gewesen. Denn im Stile eines bockigen kleinen Jungen, der partout den Ball nicht hergeben wollte, brauchte es erst die energische Intervention des Unparteiischen, um das Spielgerät wieder zu bekommen. Ilsanker erklärte später, dass es nicht sein Anliegen gewesen sei, Zeit zu schinden. „Ich dachte, es war Schiedsrichterball.“ Den gab es dann doch nicht. Dafür aber die verdiente Führung für die lange Zeit überlegene Fortuna, die mit einem abgefälschten Freistoß von Kaan Ayhan für Jubelstürme beim Düsseldorfer Anhang sorgte (78.).

          Chancen für die Eintracht? Einzig der eingewechselte Silva tauchte kurz vor dem glücklichen Ausgleichstreffer vor dem Düsseldorfer Tor auf. Doch seinem Kopfball fehlte die Schärfe (91.). Vielleicht hätte es Bas Dost besser gemacht. Aber der Niederländer war am Samstag keine Alternative. Wegen abermaliger gesundheitlicher Probleme hatte der stürmische Niederländer die Dienstreise an den Rhein gar nicht erst mitgemacht. Almamy Touré war zwar dabei, kam aber über einen Bankeinsatz nicht hinaus. „Er war nicht hundertprozentig fit“, sagte Hütter, warum er auf den Leipziger Traumtorschützen, der beim 2:0 vor einer Woche spektakulär getroffen hatte, verzichtete.

          Ohne Dost und ohne Touré schlecht gespielt - und zu einem schmeichelhaften 1:1 gekommen. Hütter war es egal. „Wir haben trotzdem zurückgeschlagen.“ Der Eintracht-Trainer wusste: „Wir können es besser.“ Die nächste Gelegenheit, dies zu zeigen, kommt schnell. Am Dienstag geht es im DFB-Pokal gegen Ilsankers alte Leipziger Kameraden. Eine gewaltige Leistungssteigerung ist dafür dringend erforderlich.

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