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Eintracht unter Druck : „Das wird das wichtigste Spiel des Jahres“

Zum Haareraufen: Goncalo Paciencia traf zwar in Leipzig, Frankfurt verlor dennoch. Bild: EPA

Erst die Niederlage im Hinspiel in Straßburg, dann das ärgerliche 1:2 in der Bundesliga in Leipzig. Bei der Eintracht läuft es nicht rund. Dazu kommen personelle Fragen. Nun geht Torwart Kevin Trapp verbal in die Offensive.

          Kurz danach ging der Blick nicht mehr nur zurück, sondern auch schon voraus. Für Kevin Trapp handelte es sich bei der zweiten Niederlage binnen vier Tagen um ein „ärgerliches“ Resultat. Doch er sah in dem Lauf der Dinge in Leipzig eine Vielzahl an positiven Aspekten, die ihn optimistisch stimmten. Auf dem 1:2 gegen den Champions-League-Klub, so formulierte es der Torwart der Frankfurter in seiner Bilanz des Sonntags, lasse sich aufbauen: „Vom Ergebnis passt es nicht. Doch unser Auftreten war gut“, sagte der 29-Jährige. Trotz des frühen Rückstands hätten er und seine Kollegen „eine Reaktion“ gezeigt: „Wir waren sehr diszipliniert und haben uns Chancen erarbeitet.“ Aber nur eine davon konnte Gonçalo Paciência kurz vor Ultimo verwerten (89.), nachdem zuvor Timo Werner (10.) und Yussuf Poulsen (80.) für RB getroffen hatten. So reichte es nicht zum Punktgewinn.

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          In Anbetracht der nun bevorstehenden Aufgabe in drei Tagen gegen Racing Straßburg ging Trapp verbal in die Offensive: „Das wird das wichtigste Spiel des Jahres.“ In der zweiten Begegnung mit den Franzosen entscheidet sich, ob die Eintracht den Einzug in die Gruppenphase im Europapokal zustande bekommt; die Ausgangslage ist durch das 0:1 im Elsass diffiziler geworden. Mit dem Weiterkommen im Play-off-Duell wäre ein erstes Saisonziel von enormer sportlicher und wirtschaftlicher Bedeutung erreicht. Er sei „hundertprozentig“ vom Weiterkommen überzeugt, betonte Trapp: „Jeder bei uns will in die Europa League, und das werden wir zeigen.“ Er fügte an: „Dafür brauchen wir alle im Stadion und die ganze Stadt.“ Noch keine Hilfe kann Bas Dost sein.

          Aber der Niederländer (für den erst von September an eine Spielgenehmigung bei der Uefa beantragt werden kann) wird zumindest nach tagelangem Hickhack an diesem Montag in Frankfurt eintreffen und den Medizincheck absolvieren. Sofern bei der Untersuchung von Dost keine Probleme auftauchen, werden die Frankfurter für ihn rund neun Millionen Euro an Sporting Lissabon bezahlen müssen. Adi Hütter hieß ihn schon herzlich willkommen: „Er bringt Größe und Wucht in der Box mit“, sagte der Trainer über den 30-Jährigen, der sich bis Mitte 2023 der Eintracht anschließen soll. „Bas Dost weiß, wo das Tor steht.“ Seine Abschlussquote sei mit neunzig Treffern in den vergangenen drei Jahren „unglaublich“, sagte der Coach; „Dost ist ein guter Typ, besitzt viel Erfahrung und hätte uns hier schon gutgetan.“

          In Leipzig gründeten Hütters Hoffnungen, etwas Zählbares mitzunehmen, in vorderster Reihe auf dem unausgereiften Duo Paciência und Dejan Joveljic. Beide gingen keinem Zweikampf aus dem Weg, doch gegen die resolute Verteidigerreihe des Gegners kamen sie zu selten zum Zug. „Wir haben etwas liegengelassen“, befand Sportdirektor Bruno Hübner. „Hut ab vor der Leipziger Effektivität“, sagte Evan N’Dicka, der bei der RB-Führung keine überzeugende Figur gegen Vorbereiter Poulsen abgab, „aber es war auf dem Platz ausgeglichen, wir hätten mehr verdient gehabt.“

          Nach der anfänglichen Verunsicherung, die der Rückstand ausgelöst hatte, löste sich die Eintracht aus der abwartenden Rolle und übernahm bisweilen sogar das Kommando bei mehr als 30 Grad Celsius im Schatten. Wobei spätestens im Leipziger Strafraum die Angriffslust verpuffte. Die mangelnde Durchschlagskraft gehörte aufs Neue – wie zuletzt in Straßburg – zu den Defiziten von Hütters Auswahl, die sich nicht für den Aufwand belohnen konnte, den sie betrieb. „Fußballerisch hat es mir gut gefallen“, sagte der Coach, „allerdings hat die letzte Konsequenz gefehlt.“

          Julian Nagelsmann, sein Leipziger Pendant, bescheinigte dem Verlierer eine überraschende Vorstellung, die bei seinen Leuten für Probleme gesorgt habe. „Wir dachten, dass sie viele lange Bälle im Aufbau spielen, so wie letztes Jahr.“ Allerdings suchte die Eintracht – der in der Offensive durch die Abgänge von Sébastien Haller und Luka Jovic sprunggewaltige Angreifer weggebrochen sind – ihr Heil in Kombinationsaktionen, für die aufmerksames Pressing die Grundlage bildete. Für Dominik Kohr lag die vorzeigbare Darbietung daran begründet, dass sie die passenden Lehren aus der fehlerhaften ersten Halbzeit in Straßburg gezogen hätten: „Wir wussten, was wir da falsch gemacht haben. Das wurde klar angesprochen. Gegen Leipzig hat man gesehen, dass wir wieder als Team aufgetreten sind.“

          Dass Ante Rebic, an dessen lustlosem Auftreten gegen Racing sich Zwist in der Kabine entzündete, fortan wieder eine Option sein könnte, stellte Hütter in Aussicht. Er klang dabei wesentlich konzilianter als in seiner harschen Kritik in Straßburg. „Ich hoffe, dass er bis Donnerstag wieder fit ist.“ Nach wie vor steht ein Abgang des wankelmütigen Kroaten im Raum. In Leipzig stand Rebic gar nicht im Kader. Nach Vereinsangaben wegen Muskelbeschwerden. Die Transferperiode endet am 2. September. Sportvorstand Fredi Bobic bestätigte, dass es „Anfragen“ für Stürmer Rebic gebe: „Am Ende des Tages werden wir sehen, was die Woche bringt.“ Vom Ausgang des Showdowns gegen Straßburg wird es maßgeblich abhängen.

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