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Frankfurt entlässt Trainer Veh : Das Ende einer aufgewärmten Beziehung

Abfahrt aus Frankfurt: Armin Veh muss die Eintracht verlassen Bild: dpa

Eintracht Frankfurt trennt sich von Trainer Armin Veh. Der abstiegsbedrohte Bundesligaklub zieht damit die Konsequenzen aus sieben sieglosen Partien in Serie und dem Absturz auf den Relegationsrang.

          3 Min.

          Heribert Bruchhagen hat Angst. Seit 13 Jahren führt der Ostwestfale nun schon als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte der Eintracht. In diesem Sommer, so ist es seit langem geplant, zieht er sich aufs Altenteil zurück. Wenn es dumm läuft, für die Frankfurter und ihn, übergibt der 67-Jährige den Klub seinem Nachfolger als Absteiger. Damit bliebe an seinem Lebenswerk ein Makel haften, der alle vorherigen Erfolge im Dienste der Hessen überdecken würde.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Der Eintracht droht die abermalige Herabstufung in die zweite Klasse, wenn sie in den verbleibenden neun Spielen so weitermacht wie in den ersten fünfundzwanzig Partien dieser Saison. Um das zu verhindern, zog Bruchhagen in der Nacht die Reißleine und entschied gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen, Armin Veh nun doch von seinen Aufgaben als Trainer des Tabellensechzehnten zu entbinden.

          „Einen wichtigen Impuls geben“

          Das 1:1 gegen Ingolstadt habe den Entschluss reifen lassen, dass der Coach nicht mehr der richtige Mann sei, um das drohende Desaster abzuwenden: „Wir wollen mit einem Trainerwechsel der Mannschaft im Abstiegskampf einen wichtigen Impuls geben, damit wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte Bruchhagen, der sich damit am Sonntagvormittag selbst korrigierte.

          Bis zuletzt hatte er dem 55-Jährigen sein Vertrauen ausgesprochen, die Eintracht als besonders „trainerstabile“ Fußball-Adresse gepriesen und sich verdichtende Hinweise, dass es um das Vertrauen in Veh nicht mehr sonderlich gut bestellt war, als haltlose Spekulationen abgetan. „Über allem stehen immer die Interessen von Eintracht Frankfurt“, sagte er mit einem Gesichtsausdruck, der auf wenige Stunden Schlaf deuten ließ. „Eintracht Frankfurt ist kein Verein, der sich vom ersten Gegenwind wegblasen lässt, aber wir sind in der Gesamtbetrachtung doch einstimmig zu der Überzeugung gekommen, dass dieser Schritt notwendig ist.“

          Heribert Bruchhagen zur Trennung von Trainer Armin Veh

          Heribert Bruchhagen zur Trennung von Trainer Armin Veh. #SGE

          Posted by Eintracht Frankfurt on Sonntag, 6. März 2016

          Die Trennung sei nach sieben Spielen in Serie ohne Erfolg „sehr schwer gefallen“, behauptete Bruchhagen am Rande des Trainingsplatzes, auf dem die Spieler unter Beobachtung von Rainer Geyer Runden drehten. Vehs Assistent wird nur so lange die Stellung halten, bis ein neuer Chef gefunden ist. Sportdirektor Bruno Hübner erhielt den Auftrag, wenn möglich schon an diesem Dienstag einen Übungsleiter zu präsentieren, bei dem es sich um einen erfahrenen Fachmann für Notfälle – aber eben keine Notlösung handeln solle. Aspiranten wurden reichlich gehandelt: Jos Luhukay, Nico Kovac, Markus Gisdol und werden Chancen eingeräumt. An Aufgaben würde es keinem von ihnen mangeln.

          Das Team besitzt auch nach der Winterpause, in der nochmal fünf Zugänge verpflichtet wurden, genügend offene Baustellen und hinterließ wiederholt einen anfälligen Eindruck; es fehlte an Tempo, um die Gegner unter Druck zu setzen, und sich bei Bedarf so schnell zurückzuziehen, dass die Räume vor dem eigenen Strafraum eng gemacht werden können. Veh rückte von seinem System, das der Offensive den höheren Stellenwert einräumte, nur in einer kurzen Phase der Hinserie ab; doch nach dem überraschenden 0:0 gegen die Bayern erwies sich auch die auf Abwehr ausgerichtete Spielweise als wenig effektiv.

          Fortan hieß Vehs Devise: Wenn schon verlieren, dann auf seine Tour und nicht mit dem „Defensiv-Mist“, wie er die Vorsichtstaktik bezeichnete. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Eintracht Pech hatte mit Verletzungen, Gelbsperren sowie Schiedsrichterentscheidungen und die negativen Begleitumstände zur Verunsicherung beitrugen. Zudem glückten bis jetzt lediglich fünf Siege. 28 Tore aus 25 Spielen sind dabei keine Schreckensbilanz im Vergleich zu anderen Mannschaften in der Frankfurter Preisklasse. Aber zieht man die Highlights ab, die das grundsätzliche Potential der Auswahl verdeutlichten, verdunkelt sich einiges: Ohne das 6:2 gegen Köln, das 4:1 in Stuttgart und die Meier-Gala beim 3:2 über Wolfsburg bleiben traurige 15 Treffer in 22 Spielen.

          Auch das ließ die Stimmung kippen: Seit Wochen gingen Fans auf Konfrontationskurs zu Veh, der im vergangenen Sommer als Rückkehrer mit großen Ambitionen antrat und einen Vertrag bis 2017 erhielt. Viele Anhänger hatten ihm übel genommen, dass er die Eintracht 2014 Richtung Stuttgart verlassen hatte, weil er dort bessere Perspektive sah. Ebenfalls ein Irrtum.

          Auch die Eintracht-Fans haben den Glauben an ihren Trainer verloren Bilderstrecke
          Auch die Eintracht-Fans haben den Glauben an ihren Trainer verloren :

          Marco Russ, gegen Ingolstadt als Ersatz-Kapitän auf dem Feld, hatte sich trotz allem noch am Samstagabend vergeblich als Fürsprecher Vehs stark gemacht, nachdem Tausende im Stadion die Mannschaft mit Applaus verabschiedet hatten – aber anschließend lautstark den Rauswurf ihres Übungsleiters gefordert hatten. „Es interessiert mich kein bisschen, was die Fans verlangen. Wenn wir blutleer spielen und jedes Spiel untergehen würden, könnte ich verstehen, dass man vielleicht was machen müsste“, tönte er. Für ihn, sagte der Routinier, sei klar, „dass wir nur mit Armin Veh da unten rauskommen“. Die Verantwortlichen der Eintracht sahen das offenkundig anders.

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