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Eintracht Frankfurt : Eine Frage des Vertrauens: Jungspund als Ersatz-Keeper

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Die Nummern sechs und sieben unter den Eintracht-Keepern sind nun gefragt: Markus Kolke und Erman Muratagic Bild: Wonge Bergmann

Erman Muratagic ist 18 Jahre alt, und Anfang dieser Woche ging für ihn ein Wunsch in Erfüllung. Er trainierte mit den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht. Und am Samstag könnte er beim Spiel in Freiburg auf der Ersatzbank sitzen.

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          Wenn schon, denn schon: Erman Muratagic ist 18 Jahre alt, und Anfang dieser Woche ging für ihn ein Wunsch in Erfüllung, den er sich zuvor wohl nur in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte. An diesem Samstag, beim Spiel der Eintracht in Freiburg, sitzt der junge Deutsche mit montenegrinischen Wurzeln möglicherweise unverhofft auf der Ersatzbank. Er, der normalerweise in der A-Jugend-Bundesliga für die Frankfurter zum Einsatz kommt, könnte davon profitieren, dass vier andere Schlussleute, die in der Klubrangordnung weiter oben stehen, verletzt ausfallen.

          Muratagic genoss am Dienstag die Übungsstunde im Kreis der Fußballprofis. Als der Rest des Teams nach einer Stunde von Trainer Michael Skibbe schon wieder in die Kabine geschickt wurde, blieb er auf dem Rasen und übte mit dem gleichaltrigen Juvhel Tsoumou weiter. Der Stürmer schoss und flankte, was das Zeug hielt – und der Keeper hechtete jedem Ball hinterher, als ginge es um die Meisterschaft. Neben Muratagic ist auch Markus Kolke, der sonst bei der „U 23“ als zweiter Mann zwischen den Pfosten seinen Dienst versieht, durch die Verletzungsmisere der übrigen Schlussleute in den Fokus gerückt.

          Die Nummern sechs und sieben

          „Sie haben ihre Sache gut gemacht“, sagte Torwarttrainer Andreas Menger später, „besser jedenfalls als gestern, als man ihnen ihre Aufregung anmerkte.“ Man dürfe aber nicht vergessen, mahnte Menger, „dass es halt die Nummer sechs und sieben der Eintracht-Torleute sind“. Da klangen zwischen den Zeilen schon Bedenken durch, dass es ein Risiko sein könnte, einen der Nobodys gegebenenfalls ins kalte Wasser werfen zu müssen, sollte es auch noch Oka Nikolov erwischen. „Sie sind jung und bemüht. Jetzt müssen sie das Gefühl von uns bekommen, dass wir ihnen Vertrauen schenken“, formulierte es Menger diplomatisch.

          Am Abend beim Privatspiel gegen die SG Bruchköbel wurden Muratagic und Kolke je eine Halbzeit gegen den Verbandsligagegner getestet. Sollten weder Jan Zimmermann (Schambeinentzündung) noch Ralf Fährmann (Handbruch) rechtzeitig fit sein, entscheiden die Trainer am Donnerstag, welcher der Debütanten mit in den Breisgau genommen wird, damit am Freitag bei der Deutschen Fußball Liga die Spiellizenz beantragt werden kann.

          Skibbe redet sich Ärger von der Seele

          In einem bemerkenswerten Fernsehinterview mit dem Hessischen Rundfunk hat Skibbe derweil noch einmal seinem Ärger über die geplatzte Verpflichtung des brasilianischen Mittelfeldspielers Lincoln freien Lauf gelassen – und Unmut über die Eintracht geäußert. Wenn ein Spieler wie Lincoln „auf dem Silbertablett“ serviert werde, so der Coach, „hätten wir alle Hebel in Bewegung setzen müssen“. Der Verein habe einen „großen Fehler“ gemacht, klagte Skibbe. Als Beschwerde in Richtung von Heribert Bruchhagen, dem Eintracht-Vorstandsvorsitzenden und Verhandlungsführer, wollte er die Aussage nicht verstanden wissen: „Das ist Kritik an der Situation, in der sich der Verein befindet.“

          Bruchhagen hatte vor allem wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Laufzeit des Vertrags keine Einigung mit dem Südamerikaner erzielt. Dabei wären der Spieler und der abgebende Verein Galatasaray Istanbul – letzte Saison auch noch Arbeitgeber von Skibbe – der Eintracht „unheimlich entgegengekommen“. Auch deshalb sei er nach wie vor „sehr enttäuscht“. Der 30 Jahre alte Nationalspieler hätte die Eintracht „auf ein anderes Niveau gehoben“. Aber auch ohne seinen Wunschkandidaten sei ein guter Rundenverlauf möglich. Die Stimmung habe sich deutlich gebessert.

          Das „permanente Schlechtreden“

          Als Hauptproblem der Vergangenheit machte Skibbe das „permanente Schlechtreden“ aus: „Jeder hier im Verein und außerhalb hat der Eintracht eingeredet, dass sie klein sei und nichts könne“, sagte er, „und wenn man permanent so redet, glaubt man es irgendwann auch.“ Auch dies hörte sich nach Kritik an Bruchhagen an, der ja die Kräfteverhältnisse in der Liga bekanntermaßen für „zementiert“ hält.

          Auch zur Entwicklung Caios bezog der Trainer abermals Stellung. Caio sei ein „Synonym für guten Fußball“, er erinnere die Fans in Frankfurt an Spieler wie einst Uwe Bein und Okocha. Die Verehrung für den wankelmütigen Profi durch einen Großteil der Zuschauer könne er aber nicht nachvollziehen: „Caio wird hier gefeiert, obwohl er noch gar nicht so viel abgeliefert hat“, sagte Skibbe. Zumindest diese Meinung dürfte klubintern mehrheitsfähig sein.

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