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Scheidender Eintracht-Trainer : Die klare Ansage des Adi Hütter

  • -Aktualisiert am

Soll nicht überbewertet werden: Für Adi Hütter (rechts) wird zu viel in seine Aussagen „hineininterpretiert“. Bild: dpa

Adi Hütter geht nach seinen Aussagen zu Gladbach auf die Fans der Eintracht zu und kündigt für das Heimspiel gegen Augsburg eine „Reaktion“ an. Hinteregger meldet sich fit zurück.

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          Adi Hütter waren irgendwelche Folgen des 0:4 gegen Borussia Mönchengladbach nicht anzumerken, das wieder Zweifel am Einzug seiner Mannschaft in den nächsten Champions-League-Wettbewerb hat aufkommen lassen. Sachlich und gefasst begegnete der Trainer der Eintracht am Montag den Fragen der Medien im Hinblick auf das Bundesligaspiel seiner Fußballmannschaft an diesem Dienstag gegen den FC Augsburg.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Der 51 Jahre alte Österreicher versuchte die deftige Niederlage als etwas „Normales“ darzustellen und widersprach der Vermutung, dass die schlechteste Leistung seines Teams seit Monaten etwas mit der Bekanntgabe seines Wechsels zu Borussia Mönchengladbach zu tun habe: „Ich habe keinen Knacks zwischen mir und der Mannschaft bemerkt“, sagte Hütter auf einer Video-Pressekonferenz. „Wir haben fürchterlich gespielt und verdient gegen einen besseren Gegner verloren. Aber es wird mir manchmal zu viel über bestimmte Dinge geredet. Wir können doch nicht die ganze Einschätzung von einem Spiel abhängig machen.“

          Immerhin schloss Hütter nicht aus, dass seine Spieler in Gladbach nicht ganz fokussiert gewesen seien, weil wegen ihrer Enttäuschung über seine Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, ihnen die innere Ruhe gefehlt habe. „Aber das ist doch besser, als wenn sie gesagt hätten: ,Gott sei Dank ist er weg, lieber heute als morgen.‘ Ihre Reaktion zeigt mir, dass ich in meiner Zeit in Frankfurt einiges richtig gemacht habe.“

          „Ich entschuldige mich“

          Das tritt für einige Fans derzeit weit in den Hintergrund. Sie reagierten in den sozialen Medien mit sarkastischen und bisweilen bösen Kommentaren auf einige Aussagen des Noch-Eintracht-Trainers, zum Beispiel die, dass Mönchengladbach ein sehr guter Klub mit einem sehr schönen Stadion sei. „Wenn ich da Gefühle verletzt haben sollte, entschuldige ich mich vielleicht dafür“, sagte Hütter. Und fügte dann hinzu: „Es ist aber gefährlich, in jedes gesagte Wort etwas hineinzuinterpretieren.“ Fans, die nicht wüssten, was er alles in den vergangenen drei Jahren für die Eintracht gegeben habe, hätten nicht genau hingeschaut.

          „Ich habe mein Herz, meine Emotionen und meine ganze Leidenschaft in die Arbeit und in diesen Klub hineingesteckt.“ Er habe sich noch gar nicht mit Mönchengladbach beschäftigt, widersprach er dem Verdacht, er wäre schon zu sehr gedanklich bei seinem neuen Klub. Hütter weiß genau, dass all diese Fragen vor der Begegnung am Samstag gegen Bayer Leverkusen, die die englische Woche beschließt, wieder auftauchen werden, wenn er und sein Team gegen Augsburg nicht gewinnen werden. „Es ist unumstritten ein sehr wichtiges Spiel, in dem wir eine Reaktion zeigen wollen“, sagte Hütter zum Duell mit den bayerischen Schwaben. „Wir haben ein Ziel vor Augen. Jetzt werden sich der Charakter und die Mentalität der Mannschaft zeigen.“

          Zeit aufzustehen: Für Ndicka und die Eintracht warten die Augsburger und drei Punkte.
          Zeit aufzustehen: Für Ndicka und die Eintracht warten die Augsburger und drei Punkte. : Bild: Jan Huebner

          Einen weiteren Ausrutscher kann sich der Tabellenvierte nicht leisten, beträgt der Vorsprung vor Verfolger Borussia Dortmund doch nur noch vier Punkte. „Wir müssen Ergebnisse bringen, um weiter Druck auszuüben“, forderte Hütter und betonte: „Ich bin überzeugt, dass wir Augsburg von der Qualität her schlagen können, wenn wir unsere Leistung abrufen.“

          Der Österreicher kündigte an, nicht allzu viel umzustellen. „Das, was wir in Gladbach alles schlecht machten, haben wir die Wochen zuvor gut gemacht. Wir dürfen nichts dramatisieren, nicht in Aktionismus verfallen und alles anders machen. Ich bin davon überzeugt, die Mannschaft präsentiert gegen Augsburg auch so ein anderes Gesicht.“

          Für einen entscheiden

          Konkret auf die Formation angesprochen, bekannte Hütter selten offen Farbe: „Wir haben jetzt einmal mit zwei Stürmern nicht gewonnen, davor aber aus drei schwierigen Spielen mit zwei Stürmern neun Punkte geholt. Wenn ich jetzt gleich alles umdrehe, verleiht das der Mannschaft Sicherheit? Wenn man in Dortmund mit zwei Stürmern spielt, wieso nicht gegen Augsburg zu Hause?“

          Also wird sich der Trainer für einen Zehner entscheiden müssen. Für Younes, in der zweiten Halbzeit in Gladbach bester Frankfurter, oder für Kamada, gegen Wolfsburg bester Mann auf dem Platz. Mit zwei Neunern und zwei Zehnern die defensiven Augsburger zu bedrängen, das kommt Hütter nicht in den Sinn: „Das wäre schon sehr mutig, diese Idee behagt mir nicht.“

          Auch auf anderen Positionen hat der Trainer die Qual der Wahl. Überraschenderweise habe sich Martin Hinteregger nach dem Spielersatztraining am Sonntag „komplett zurückgemeldet“ und auch am Montag mit der Mannschaft beschwerdefrei trainiert. „Er ist wie Makoto Hasebe eine Option für die Startelf“, so Hütter. Ilsanker, der seinen österreichischen Landsmann als Mittelmann der Dreierkette bis auf das etwas konfuse Gladbach-Spiel sehr gut vertrat, wird wohl eine Pause gegönnt werden. Ansonsten zeichnet sich eine Aufstellung ab, der der Österreicher schon häufiger vertraute: „Man kann doch nach einer Niederlage nicht alles hinunterspülen, was gut war.“

          Aber wie die alte Fußballer-Weisheit sagt: Die Einstellung ist wichtiger als die Aufstellung. „Wir müssen das Kampfspiel der Augsburger annehmen, das ist der Schlüssel.“ In dieser Hinsicht gewinnt Hütter dem 0:4 eine gute Seite ab: „Vielleicht kam die Niederlage in Gladbach zum richtigen Zeitpunkt. Vielleicht meinten einige, es ginge von allein.“

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