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Eintracht Frankfurt : Die Angst vor dem Absturz

  • -Aktualisiert am

Schockzustand: Eintracht-Trainer Armin Veh hatte die Niederlage in Berlin nicht vorhergesehen Bild: dpa

Neue Spieler, neues System: Trainer Armin Veh will sein Team entwickeln, doch Eintracht Frankfurt droht ein Fehlstart. Jetzt kommen auch noch die Bayern (15.30 Uhr).

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          Gelassener als Armin Veh kann sich ein Bundesligatrainer kaum geben. Der 52 Jahre alte Fußball-Lehrer macht den Eindruck, dass ihn noch nicht mal der Untergang der Titanic aus der Fassung bringen könnte. Noch nicht mal, wenn er auf der Kommandobrücke stehen würde. Da soll ihn ein verpatzter Saisonstart mit seiner Frankfurter Eintracht aufregen? Nun gut, mit 1:6 Toren fiel die Niederlage besonders deftig aus, nun gut, der Gegner war nicht gerade ein Superschwergewicht der Liga, sondern Hertha BSC. Nun gut, jetzt erwarten die Frankfurter an diesem Samstag ausgerechnet Bayern München zum Heimspiel - aber Veh strahlt eine Ruhe aus, die von innen kommt. Eine Abgeklärtheit, die ihn in dieser Situation sogar zur Ironie befähigt.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Auf die Frage, ob seine Mannschaft die Schlappe im Laufe der Trainingswoche verarbeitet habe, antwortet er: „Wir haben gut trainiert, aber das haben wir vergangene Woche auch. Das heißt noch nichts. Ich habe das 1:6 gegen die Hertha nicht vorhergesehen.“ Man möchte darauf wetten, Veh reagiert genauso ruhig, sollten sie auch gegen die Münchner 1:6 verlieren. Mit diesem Abstand zu sich, den Spielern und dem Verein ist der Trainer in Frankfurt bisher gut gefahren. Sehr gut sogar.

          Er stieg mit der Eintracht wieder in die Bundesliga auf und lieferte dann mit ihr eine begeisternde Hinserie ab. 30 Punkte, genauso viele wie Borussia Dortmund, der Klub überwinterte auf Platz vier. Veh wurde mit so viel Lob überhäuft wie zuletzt 2007, als er den krassen Außenseiter VfB Stuttgart zum deutschen Meister gemacht hatte. So viel Mut, so viel Offensivgeist, so viel taktisches Geschick. Vehs Attitüde, „mir kann keiner was“, hatte sich auf sein Team übertragen. Er sagte ja auch öffentlich: „Es wird Spiele geben, da kriegen wir einen vor den Latz, aber wir spielen weiter unseren Stil.“

          Abschluss auf Rang sechs

          Die Rückrunde verlief nicht so glitzernd, aber auch nicht ganz schlecht, einem Aufsteiger angemessen. Die 21 Punkte reichten, um die Saison als Sechster abzuschließen - die Eintracht in der Europa League, die Stadt lag Veh zu Füßen. Für das Heimspiel in der Play-Off-Runde der Europa League waren 43.000 Karten verkauft, da stand noch nicht Mal der Name des Gegners fest. Was vielleicht auch gut war. Denn FK Karabach Agdam (Spiele am 22. und 29.August) gehört nicht zu den prominentesten europäischen Klubs, genau genommen gehören die Aserbaidschaner überhaupt nicht zu Europa, sondern zu Vorderasien.

          Enttäuschung in Berlin: Die Eintracht verliert 1:6 zum Saisonauftakt

          Dieser sechste Platz übertünchte mit einem strahlenden weiß so manchen Grauschleier, der sich über das Frankfurter Bild gelegt hatte. Vehs Kabbeleien mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen wurden zu einem Dauerprogramm. Anlässe lieferte auch der Trainer genug. Seine häufigen und unverblümten Forderungen nach Verstärkungen, seine Ungeduld, wenn sie nicht umgesetzt wurden, seine Verzögerungstaktik, als es um seine Vertragsverlängerung ging. Es gipfelte, als Veh ein Ultimatum stellte, nachdem Bruchhagen einen leitenden Mitarbeiter für die Medienabteilung einstellte: „Kommt er, bin ich weg.“ Der Journalist kam nicht. In der Sommerpause machte Veh mit dem Wort „Unverschämtheit“ Schlagzeilen. Er meinte den Umgang mit dem dänischen Nationalstürmer Bendtner, der zu Verhandlungen nach Frankfurt gekommen war, obwohl der Verein kaum eine Möglichkeit gesehen hatte, den Transfer finanziell zu stemmen.

          Mehr Qualität

          Nach dem 1:6 von Berlin sind diese Vorfälle wieder präsenter und werden nicht nur mit der Veh eigenen kompromisslosen Ehrlichkeit und Offenheit erklärt. In sportlichen Dingen war der Trainer zwei Jahre lang über jeden Vorwurf erhaben. Die Ergebnisse gaben ihm in allen Belangen recht. Nun fällt schon auf, dass seine Spieler in Berliner mit der von ihm verordneten Systemumstellung nicht zurechtkamen. Statt des gewohnten 4-2-3-1 ließ Veh die Eintracht in einem 4-4-2 antreten, das Mittelfeld in einer Raute geordnet. „Ich habe andere Stürmer, ich kann anders spielen“, begründete der Eintrachttrainer seine Maßnahme.

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