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Eintracht Frankfurt : Kamada sorgt für den Kick

  • -Aktualisiert am

Bruder Leichtfuß: Daichi Kamada (rechts) lässt gleich mehrere Gegner stehen. Bild: Jan Huebner

Der Japaner trifft beim 2:1 im Testspiel der Eintracht in Eindhoven. Doch nicht nur Daichi Kamada zeigt sich in guter Form. Lob gibt es von Trainer Adi Hütter auch für die Neuzugänge Steven Zuber und Ragnar Ache.

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          Die Qualität von Testspielen sagt über den Erfolg der anstehenden Fußballsaison wenig aus. Auch in den Annalen der Frankfurter Eintracht sind Jahre dokumentiert, in denen in der Vorbereitung nichts zusammenlief, und als es um Punkte ging, vieles gelang – und umgekehrt. Aber zumindest stellt sich aktuell ein gutes Gefühl ein, wenn ein Probegalopp ohne Stolperei abgelaufen ist. Lieber den heißen August unbeschwert genießen als Schweißausbrüche wegen allzu großer Sorgen um den Herbst zu erleiden. Trainer Adi Hütter sprach am Samstag nach dem 2:1 beim PSV Eindhoven von einem „richtig guten Testspiel gegen einen interessanten Gegner“.

          Bundesliga
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Interessant ist das Konzept des niederländischen Traditionsklubs, der 1988 den Europapokal der Landesmeister gewann. Im Kader des früheren Leverkusener Trainers Roger Schmidt steht mit dem Verteidiger Nick Viergever genau ein Feldspieler, der über 25 Jahre alt ist. Eindhoven versucht ausschließlich mit Perspektivspielern, darunter einige richtig teure, wieder den Anschluss an die erweiterte europäische Spitze zu finden. Am Samstag war die Kompanie Hochbegabter den gestandenen Frankfurter Fußballprofis unterlegen, die Hütter wie angekündigt in zwei Mannschaften, für jede Halbzeit eine, aufgeteilt hatte.

          Die Quintessenz der 90 Minuten: Die Eintracht funktioniert schon ganz gut, die Profis zeigen einen ausgeprägten Arbeitswillen. Aber wenn es darum geht, dem Kick einen besonderen Kick zu verleihen, dann ist im Eintracht-Trikot nur einer in der Lage dazu: Daichi Kamada. Als in der ersten Halbzeit Barkok hinter den Spitzen Paciencia und Silva für Ideen sorgen sollte, herrschte Armut. Was dem 22 Jahre alten Rückkehrer von Fortuna Düsseldorf nicht angelastet werden kann. Es wäre vom Talent, das sich während der Ausleihe in zwei Jahren am Rhein nicht zum Stammspieler entwickeln konnte, zu viel verlangt, auf Anhieb die Fäden zu ziehen. Aus den Bemühungen, sich Torchancen hart und fleißig zu erarbeiten und zu erlaufen, resultierte ein Kopfball an die Latte von Kohr und eine Halbchance von Silva, ansonsten nichts Aufregendes. Kein Wunder, dass es zur Pause 0:0 stand, da die Eintracht-Abwehr ihre jungen Gegenspieler jederzeit im Griff hatte.

          Mit Kamada kam zur zweiten Halbzeit die Inspiration. Neuzugang Steven Zuber, der das 1:0 des Japaners vorbereitet hatte, lobte: „Es ist schön, wenn man einen Spieler auf dem Platz hat, der sehr, sehr intelligent ist, gute Bewegungen hat und sich in den gefährlichen Räumen bewegt. Nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft.“ Der Schweizer hatte Kamada den Ball genau zwischen zwei Niederländern hindurch zugespielt. Aber die größere Leistung war es von Kamada, den Laufweg überhaupt zu entdecken, dann den Ball im Lauf ohne Zeitverlust mitzunehmen und ihn wuchtig ins Tor zu schießen, nachdem er sich durch eine Körpertäuschung den Platz für den Schuss erst verschafft hatte. Die Bedeutung des 24 Jahre alten Asiaten für das Eintracht-Spiel hatte Trainer Hütter am Vortag dadurch beschrieben, dass dessen Vertragsverlängerung fast das wichtigere Thema sei als seine.

          Zuber hatte auch beim zweiten Frankfurter Tor seinen Fuß im Spiel, allerdings auf unspektakuläre Weise: Der 29 Jahre alte Schweizer schob bei einem Freistoß den Ball nur ein paar Zentimeter weit seinem österreichischen Kollegen Hinteregger in den Lauf, der ihn dann zum 2:1-Endstand ins Tor donnerte. Hütter lobte den im Tausch für Gacinovic aus Hoffenheim gekommenen Offensivspieler: „Steven ist sehr ballsicher und hat Kamada das Tor wunderbar aufgelegt. Er ist ein Spieler mit großer Spielintelligenz, der uns guttut.“

          Auch von den anderen Neuzugängen beziehungsweise Rückkehrern zeigte sich der Eintracht-Trainer angetan, wenn auch mit leichten Einschränkungen. Alle hätten großes Engagement gezeigt. Bei Barkok monierte Hütter neben ein paar guten Sachen, die er gemacht habe, einige schlampige Abspiele. „Aber er hat sein Potential gezeigt.“ Der brasilianische Verteidiger Tuta sei gut in den Zweikämpfen gewesen, Stürmer Ache habe gut gearbeitet: „Aber auch ein bisschen unglücklich.“

          Keine großen Baustellen bei der Eintracht

          Der 21 Jahre alte Angreifer war allerdings von der Eindhovener Abwehr auch ziemlich hart attackiert worden, musste sich mehrmals nach groben Fouls behandeln lassen. Seine Schnelligkeit und Robustheit setzte Ache dennoch unverzagt weiter ein und hatte kurz vor Schluss seine beste Szene bei einem Sprint über den rechten Flügel. Ruhe, Übersicht und Klarheit ließ der Junioren-Nationalspieler dagegen noch vermissen. Auf jeden Fall hat die Eintracht mit ihm das neue Element im Sturm, das Hütter wollte: Neben Dost als kopfballstarken Zielspieler im Zentrum sowie Silva und Paciencia als spielstarke Strafraum-Kombinierer kann die Eintracht nun einen wuchtigen Sprintertypen aufbieten.

          Drei Wochen vor dem Pflichtspielstart im DFB-Pokal gegen den noch auszuspielenden Bayern-Pokalsieger sind bei der Eintracht keine großen Baustellen sichtbar. Der Kader ist für die mittleren Ansprüche der Eintracht gut zusammengestellt. Aber eine Großbaustelle könnte schnell entstehen. Wenn Kamada sich nicht entschließen könnte, seinen Vertrag zu verlängern. Dann müsste er bis zum 5. Oktober verkauft werden, um noch eine Ablöse zu generieren. Das ergäbe ein Loch, das auf die Schnelle schwer zu stopfen wäre.

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