https://www.faz.net/-gtm-af0nk

Frankfurter Probleme : Der Wert der Eintracht

Der Gesichtsausdruck zur aktuellen Lage: Martin Hinteregger nach dem Eintracht-Spiel gegen Augsburg Bild: dpa

Die ersten drei Spiele haben ein Defizit schonungslos vor Augen geführt: die eklatante Abschlussschwäche. Das torlose Remis gegen Augsburg zeigt, dass die Eintracht dringend stürmische Hilfe benötigt.

          2 Min.

          Wenigstens nicht verloren. Nach dem Tiefschlag von Dortmund wäre der Fehlstart der Eintracht vollends perfekt gewesen. So aber, nach der Nullnummer gegen Augsburg, gibt es zarte Signale der Hoffnung. Ausgesendet hat sie Oliver Glasner. Der Mann, der sich anschickt, die Eintracht auch in dieser Bundesligasaison im ersten Tabellendrittel zu positionieren, und dafür in der Kommunikation auf ein Stilmittel setzt, für das das Spiel seiner Mannschaft bislang keine nachhaltigen Hinweise gegeben hat: unerschütterlichen Optimismus.

          Bundesliga

          Bei allem Respekt vor dem Blick nach vorne: Der Auftritt der Eintracht war eine Halbzeit lang schlecht. Automatismen funktionieren noch nicht wie gewünscht, Neuzugänge brauchen Zeit. Glasner gibt sie ihnen. Der Frankfurter Fußballlehrer will nichts überstürzen. Dass sich seine Mannschaft taktisch in neuem Korsett präsentiert, bedeutet nicht, dass alles sofort auf Anhieb harmoniert.

          Aber die ersten drei Pflichtspiele in der Liga und dem schon beendeten Pokal haben vor allem ein Defizit schonungslos vor Augen geführt: die eklatante Abschlussschwäche. Das torlose Remis gegen Augsburg hat nochmals verdeutlicht, dass die Eintracht dringend weitere stürmische Hilfe benötigt.

          Dem großen Angebot an offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern stehen zu wenige verlässliche Angreifer gegenüber. Rafael Borré allein, mit großen Hoffnungen aus Kolumbien nach Deutschland gekommen, kann die Lücke nicht schließen, die der Weggang von André Silva zu RB Leipzig gerissen hat.

          Früher war es so, wie es Eintracht-Profi Djibril Sow nach der enttäuschenden Heimpremiere gegen Augsburg auf die griffige Formel brachte: Flanke Kostic, Tor Silva. Das war einmal. Filip Kostic flankt zwar jetzt auch – doch er findet (noch) keine Abnehmer. Auch deshalb muss die Führung der Eintracht nach einem groß gewachsenen Stürmer mit Köpfchen Ausschau halten.

          Es ist kein Geheimnis, dass Carlos Vinicius der Mann sein könnte, der schnell helfen und treffen soll. Der 26 Jahre alte Brasilianer ist noch bei Benfica Lissabon beschäftigt. Im Rahmen eines Leihgeschäfts mit Kaufoption könnten die Wege den 1,90-Meter-Stürmer, vertraglich noch bis Mitte 2024 gebunden, aus Portugal zur Eintracht führen.

          Dass die Eintracht zudem in vielerlei Hinsicht vor einer herausfordernden Saison steht, hat der Heimspiel-Auftakt gegen Augsburg auch vor Augen geführt. In anhaltend pandemischen Zeiten wägen die wieder zugelassenen Zuschauer sorgfältig ab, was ihnen der Besuch der Bundesliga wert ist. 22.000 statt der erlaubten 25.000 Besucher sind in der Arena gewesen – das ist eine weitere, kleine Enttäuschung. Als das 0:0 feststand, gab es zum Abschied laute Pfiffe von den Rängen.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson verlässt am Mittwoch seinen Amtssitz, 10 Downing Street.

          Johnson unter Druck : Eine heimliche Weihnachtsfeier?

          Mitarbeiter des britischen Premierministers sollen 2020 inmitten des Lockdowns heimlich eine Weihnachtsfeier in der Downing Street veranstaltet haben. Ein entsprechendes Video bringt Boris Johnson in Erklärungsnot.

          Wirtschaftsspionage : Anklage gegen Cum-ex-Tippgeber bricht zusammen

          Viele Millionen verdankt Deutschland den Cum-ex-Hinweisen von Eckart Seith. Die Schweiz aber hat ihn als Wirtschaftsspion angeklagt. Nun steht der Prozess gegen den Rechtsanwalt aus Stuttgart vor dem Aus.