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Champions League in Sicht : „Ein absoluter Husarenritt“ der Eintracht

Ein weiteres Mal erfolgreich: Stürmer André Silva ist derzeit kaum zu halten. Bild: AFP

Der Sieg gegen den direkten Konkurrenten stößt die Tür zur Königsklasse für die vor allem offensiv starke Eintracht weit auf. Auch weil die Wolfsburger Aufholjagd zu spät kommt. Frankfurt jubelt.

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          Wer im vorigen Sommer behauptet hätte, dass das Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem VfL Wolfsburg kurz vor Saisonende als Topspiel annonciert werden würde, wäre als Phantast bezeichnet worden. Tatsächlich aber gehören beide Klubs in diesem Frühling zum Besten, was die Fußball-Bundesliga hinter dem alten und wohl neuen Meister aus München zu bieten hat.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          (mah.), Sport

          Ihre direkte Begegnung am Samstag erfüllte höchste Ansprüche. Wobei am Ende das Team von Trainer Adi Hütter knapp die Nase mit 4:3 Toren vorne hatte – und sich damit im Rennen um die Qualifikation für die Champions League noch aussichtsreicher positionierte: Nach 28 Spieltagen bringen es die Frankfurter nun auf 53 Punkte. Wodurch sie auf dem vierten Tabellenrang verblieben, aber den Rückstand auf die direkt vor ihnen plazierten Niedersachsen (54) verkürzten. Den Sieg, es war der achte im elften Einsatz dieser Rückrunde, haben die Hessen ihrer Offensiv-Power zu verdanken, dem die „Wölfe“ nicht standhalten konnten. „Das war ein absoluter Husarenritt“, bilanzierte Hütter, „dieses Spektakel hätte ein volles Haus verdient gehabt.“

          Tragfähiges Konzept

          Mit Spannung war erwartet worden, welche Startformation der 51-Jährige nominieren würde, denn er selbst hatte in Anbetracht der Personalmöglichkeiten vorab von einem „Luxusproblem“ gesprochen. Er entschied sich, den Zweierangriff aus Luka Jovic und André Silva, die sich beim Sieg in Dortmund gut ergänzt hatten, wieder von Beginn an aufzubieten. Dahinter kam Daichi Kamada als alleiniger Zehner zum Einsatz, während Amin Younes zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.

          Wie sich rasch herausstellte, sollte sich das Konzept, das der Coach damit im Sinn hatte, als tragfähig erweisen. Beide Teams gingen die Sache forsch an. Und als von draußen Sprechchöre hereinzogen, die von mehreren Dutzend Frankfurter Fans angestimmt worden waren, die den Nachmittag zu einem Ausflug in den Stadtwald nutzten, jubelten die Wolfsburger das erste Mal: Ridle Baku erzielte mit einem Schlenzer, bei dem er den Ball aus 16 Meter um den sich streckenden Keeper Kevin Krapp herum zirkelte, die Führung für die Männer in Grün (6.).

          Die Reaktion der Eintracht erfolgte postwendend. Nach einem Flankenwechsel, initiiert von Filip Kostic, landete die Kugel über Erik Durm und Sebastian Rode beim frei stehenden Kamada, der zum 1:1 einschoss (8.). Dass es unterhaltsam weiterging, war beiden Seiten gleichermaßen zuzuschreiben, die jeweils im Umschaltspiel schnell das Tempo anzogen. Die Eintracht hatte Glück, dass die Wolfsburger bei zwei Chancen das Ziel verfehlten: Die Versuche von Baku (20.) und Wout Weghorst (21.) landeten neben dem rechten Pfosten.

          Die Eintracht zeigte, dass sie ihre Aktionen mit mehr Konsequenz zu Ende bringt. Vorbereitet von Silva, traf Jovic mit einem wuchtigen Abschluss zum 2:1 (27.); es war das vierte Tor des im Winter von Real Madrid zurückgekehrten Serben, der seit dem 23. Januar (nach dem 5:1 in Bielefeld) auf ein persönliches Erfolgserlebnis gewartet hatte. Viel Zeit zum Durchatmen gönnten sich Frankfurter und Wolfsburger auch danach nicht, sie suchten jeweils den möglichst direkten Weg in den gegnerischen Strafraum. Ausdruck des mutigen Auftretens der Niedersachsen war auch das Eckenverhältnis von 6:1 zu ihren Gunsten, mit dem der erste Abschnitt zu Ende ging.

          Der Ball ist im Tor, die Spieler jubeln: Erik Durm (liegend) gelingt das 4:2 gegen Wolfsburg.
          Der Ball ist im Tor, die Spieler jubeln: Erik Durm (liegend) gelingt das 4:2 gegen Wolfsburg. : Bild: EPA

          Nach dem Seitenwechsel ging es genauso unterhaltsam weiter, wobei die Eintracht Beihilfe leistete, dass es nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff 2:2 stand. Einen ungenauen Rückpass von Djibril Sow konnten weder Evan Ndicka noch Stefan Ilsanker erlaufen, stattdessen hieß der Profiteur des Missgeschicks Weghorst, der unhaltbar für Trapp zum Ausgleich Maß nahm (46.). Aber wieder schlugen die Frankfurter eiskalt zurück: Kamada eroberte das Spielgerät im Duell mit Josip Brekalo und leitete es umgehend an den an der Grenze zum Abseits lauernden Silva weiter: Der Portugiese schloss die Attacke mit einem präzisen Flachschuss zum 3:2 ab (54.) – seinem 23. Saisontor. Erik Durm baute den Vorsprung weiter aus (4:2, 61.).

          Auch diese Ausbeute versinnbildlichte, über welch herausragende Qualität der aktuelle Frankfurter Jahrgang verfügt: In rund einer Stunde musste der Wolfsburger Torwart Koen Casteels mehr Gegentreffer hinnehmen als zuvor in zehn Partien der Rückrunde (3). Durch ein Eigentor von Tuta blieb es spannend, das stellte den Spielstand auf 4:3 (85.), aber mit Geschick und Glück brachte die Eintracht den Vorsprung über die Zeit.

          „Das war ein absolutes Spitzenspiel“, sagte Sebastian Rode, „wie wir unsere Chancen erarbeitet und die Tore gemacht haben, das spricht für uns.“ Das sah auch der Wolfsburger Coach Oliver Glasner so, der seinem Landsmann Hütter zu einer „großartigen“ Leistung mit der Eintracht gratulierte und vor dem Abschied aus Frankfurt schnell noch ein Anliegen loswurde: „Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann, dass wir beide als österreichische Trainer in die Champions League einziehen.“ Dass ihre Mannschaften das Zeug dazu haben, bewiesen sie am 28. Spieltag eindrucksvoll.

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