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3:1 gegen Freiburg : Saison der verpassten Chancen für die Eintracht

Trainer Adi Hütter verlässt die Eintracht nach einem 3:1-Sieg über Freiburg. Bild: dpa

Die Eintracht beendet eine denkwürdige Spielzeit mit einem 3:1-Sieg über Freiburg. Doch der Erfolg zum Abschluss ist ein schwacher Trost. Die Frankfurter werden sich noch lange grämen.

          3 Min.

          Es ist geschafft: Die 58. Spielzeit der Fußball-Bundesliga liegt hinter der Eintracht. Was bis vor kurzem als krönender Abschluss einer außergewöhnlichen Runde vorgesehen war, entpuppte sich als belangloser Kehraus. Das 3:1 gegen den SC Freiburg besaß für die Frankfurter nur noch statistischen Wert: Sie blieben durch den Sieg zum dritten Mal in ihrer Historie in der ersten Klasse über eine ganze Saison im eigenen Stadion ungeschlagen.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Ein schwacher Trost. Die Eintracht kam dank der Treffer von Andre Silva (62. Minute, Handelfmeter), Almamy Touré (87.) und Ragnar Ache 90.+ 2.) in der Endabrechnung auf 60 Punkte. Sie beendete somit ein denkwürdiges Sportjahr als Tabellenfünfter – und wird sich noch lange grämen, die Chance, mehr zu erreichen, leichtfertig verspielt zu haben.

          Adi Hütter, der die Verantwortung für den Leistungseinbruch trägt, der den Traum von der Champions League platzen ließ, schritt nach Abpfiff über den Rasen und schüttelte viele Hände; unter anderem auch von Junioren-Torhüter Elias Bördner, der diesmal den Vorzug vor Nationalkeeper Kevin Trapp erhielt.  Es war ein routiniertes Zeremoniell ohne größere Emotionen. Zwischen Team und Trainer sind in den zurückliegenden Tagen Risse entstanden, die von den Szenen nach Abpfiff der Begegnung mit den Breisgauern, die durch Wooyeong Jeong zu ihrem Treffer kamen (77.), notdürftig überdeckt wurden.

          Europa League für die Eintracht

          Der 51-Jährige hatte sich seinen Abschied anders vorgestellt. Doch es lag nicht zuletzt an ihm und seinen von Egoismus geleiteten Interessen, dass die Mannschaft nach Ostern außer Tritt kam und so die Qualifikation zur Königsklasse verpasste. Mit seiner Ankündigung, Frankfurt zu verlassen und bei Borussia Mönchengladbach anzuheuern, sorgte der österreichische Übungsleiter, der sich zuvor stets als zuverlässigen Charakter dargestellt hatte, für eine unangenehme Überraschung, die bei vielen seiner Spielern einen Gedankenprozess in Gang setzte, der sich nachteilig auf ihre Performance auf dem Rasen auswirkte.

          Die Eintracht wird nach der Sommerpause in der Europa League dabei sein, immerhin. Doch was eine große Zahl an Fans momentan mehr interessiert ist die Frage, wann der Spielplan für die erste Liga veröffentlicht wird, um zu sehen, wann es zum Heimspiel gegen Gladbach kommt: Viele, die am Samstag wie in den Wochen zuvor nicht live dabei durften, wollen Hütter dann ihren Unmut spüren lassen und ihm, sofern wieder Publikum zugelassen ist, mit einem laustarken Pfeifkonzert konfrontieren, das der Coach so schnell nicht vergessen soll.

          Der Vorarlberger hat gesagt, er werde Eintracht Frankfurt in „guter Erinnerung“ behalten. Was seine Person betrifft, geht es dem Gros der Anhängern mittlerweile komplett anders, da sie ihm seinen Sinneswandel und das wechselhaftes Coaching in den zurückliegenden Wochen ankreiden, das zusammen zu einer Regression führte, die in der peinlichen 3:4-Niederlage auf Schalke gipfelte. Mit einem Erfolg bei den königsblauen Absteigern hätte die Eintracht im Gesamtklassement Wolfsburg hinter sich gelassen.   

          Hütter, der 2018 als Nachfolger des Pokalsieg-Triumphators Niko Kovac begann, hat es verstanden, die Hochachtung, die ihm in Frankfurt lange gewiss war, durch eigenes Zutun in Windeseile ins Gegenteil zu verkehren. Auf einen Blumenstrauß zur Verabschiedung des Trainer-Trios – die Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn folgen ihrem Chef ebenfalls in Richtung Niederrhein – verzichtete die (verbliebene) Klubführung.

          Hellmann zieht am Sonntag Bilanz

          Der sich in den Ruhestand zurückziehenden Sportdirektor Bruno Hübner, der immerhin zehn Jahre dabei war, ging  gleichermaßen leer aus. Und auch Noch-Vorstand Fredi Bobic, der nach Berlin wechselt und in einem selbst für Bundesligaverhältnisse ungewöhnlichen Anflug von Eitelkeit gegenüber der Eintracht in dieser Woche nachgetreten hatte, gab es keine offiziellen Worte des Dankes für die bis vor kurzem gedeihliche Zusammenarbeit seit Mitte 2016.

          Ebenfalls die Eintracht verlassen werden Chefanalyst Sebastian Zelichowski und Teammanager Thomas Westphal, von denen es hieß, sie würden Bobic nach Berlin begleiten. Ins Bild eines Vereins, bei dem vieles in Bewegung geraten ist, passt auch eine Personalmeldung vom Wochenende am Riederwald: Thomas Broich und Jérôme Polenz, frühere Profis und heutige TV-Experten, die von Andreas Möller, dem Leiter des Leistungszentrums, langfristig als profunde Ausbilder im Juniorenbereich vorgesehen waren, quittierten nach nur einer Saison ihren Dienst.

          An diesem Sonntag wird sich Hellmann, der neue Vorstandssprecher, mit seiner Bilanz auf einer Pressekonferenz zu Wort melden. Möglich, dass er dabei einen Hinweis darauf gibt, wer demnächst als Trainer bei den Eintracht-Profis das Sagen hat. Vorgestellt, so ist es beabsichtigt, wird der neue Mann dann auf jeden Fall von Markus Krösche, der von RB Leipzig kommt und am 1. Juni seinen Job als Sportvorstand am Main antritt. Die Frankfurter stehen nach einer Saison, die alle Beteiligten wegen der Pandemie viel Kraft gekostet hat, vor einem Sommer, der auf andere Art und Weise nicht weniger anstrengend zu werden verspricht.

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