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Frankfurt besiegt Leverkusen : Der große Trumpf der Eintracht

Wieder in der Erfolgsspur: Filip Kostic und die Eintracht besiegen Leverkusen. Bild: EPA

Nach zwei Niederlagen in der Bundesliga gewinnt Frankfurt wieder. Das 2:1 beeindruckt auch den Gegner. Schon vor dem Spiel gibt es für die Eintracht eine gute Nachricht – und eine schlechte.

          Als alles vorbei und die Erleichterung in den eigenen Reihen groß war, kehrte Ante Rebic nochmal auf den Platz zurück. Nach wie vor in kurzen Hosen, aber mit einer dicken schwarzen Jacke, die er nach seiner Auswechslung in der 80. Minute übergezogen hatte, schritt der Kroate über den Rasen und schüttelte jedem Mitspieler die Hand. Rebic sprach jedem Kollegen Glückwünsche aus, dass sie in der hitzigen Schlussphase dieser Highspeed-Fußball-Vorstellung kühlen Kopf bewahrt und den knappen Vorsprung über die Zeit gebracht hatten.

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          Durch das 2:1 gegen Bayer Leverkusen behaupteten die Frankfurter als Tabellenfünfter ihre vorzeigbare Ausgangslage in der Verfolgergruppe von Herbstmeister Dortmund. Danny da Costa (28. Minute) und Filip Kostic (57.) schufen mit ihren Toren die Grundlage für den ersten Sieg nach zuvor zwei Niederlagen in der Bundesliga. Sportdirektor Bruno Hübner sprach später von einer „gelungenen Reifeprüfung“. Für den Gegner traf lediglich Karim Bellarabi (65.). Auch für ihn hatte Rebic bei seinem Spaziergang übers Feld einen Klaps auf die Schulter übrig, ehe er sich mit Lukas Hradecky umarmte. Im Eins-zu-eins-Duell mit dem Leverkusener Keeper hatte der Kroate den Kürzeren gezogen – sein Spezi aus Frankfurter Zeiten, mit dem er bis zum Sommer viele freie Minuten verbrachte, ließ sich von ihm partout nicht überwinden.

          „In Leverkusen haben wir eine talentierte Mannschaft. Aber die Qualität einer männlichen Mannschaft fehlt uns ein bisschen“, schlussfolgerte Hradecky, womit er die Selbstkritik mit einem unmissverständlichen Lob an die alten Weggefährten verband, die leidenschaftlicher in die Zweikämpfe gegangen und dafür auch mit sechs Gelben Karten verwarnt worden waren. Heiko Herrlich, der Bayer-Coach, klang ähnlich deutlich in seiner Anerkennung für die Leistung der Gewinner: „Frankfurt hat eine unheimliche Körperlichkeit gezeigt. Der Unterschied bestand darin, dass sie viel aggressiver waren und wir kein Mittel gegen diese Robustheit gefunden haben.“

          Rebic, der jedem Mikrofon aus dem Weg ging, hätte sich und den Seinen an diesem unwirtlichen Sonntag einen großen Gefallen getan, wenn er gleich zu Beginn ein wenig eigennütziger gedacht hätte. Das hätte mehr Ruhe gebracht. So aber wollte er in der 53. Sekunde beim ersten Vorstoß in den Leverkusener Strafraum, dem noch einige folgen sollten, den mit aufgerückten Sébastien Haller formvollendet in Szene setzen – sein gut gemeintes Zuspiel erreichte den Empfänger dann jedoch nicht. Das Glück, das der Eintracht in dieser Szene fehlte, war ihnen später hold, als Schiedsrichter Felix Brych, der mit einer inkonsequenten Leitung der Partie viel zur Hektik des Geschehens beitrug, über den Knopf in seinem Ohr aus der Zentrale der Video-Assistenten in Köln das Signal erhielt, sich den vermeintlichen Führungstreffer der Werkself am Bildschirm anzusehen. Dabei gelangte der Referee zu dem korrekten Urteil, das Aleksandar Dragovic beim Schuss von Bellarabi (19.) im Abseits gestanden und Trapp die Sicht genommen hatte.

          Rebic wiederum blieb eine Krönung seines engagierten Auftritts versagt. In einer Mischung aus Pech und Unvermögen vergab der Pokal-Heroe ein halbes Dutzend Chancen und strapazierte die Geduld, der Kollegen, des Chefs und des Publikums. Alleine im zweiten Abschnitt fand er viermal in Hradecky seinen Meister. Außerdem vermasselte der 25-Jährige eine weitere Ballstafette auf Haller, der sonst den Konter im Alleingang hätte vollenden können. Da Costa sprach davon, dass „wir lange zittern mussten“, was ihn in seiner persönlichen Bilanz aber nicht großartig störte, da für ihn das Positive überwog: „Denn heute haben wir ja die drei Punkte.“26 Zähler sind es nach 15 Spieltagen, wobei gegen Mainz an diesem Mittwoch und am Hinrunden-Ende gegen den FC Bayern die Möglichkeit bestehe, mehr zu erreichen: „Unsere Mentalität ist so, dass wir immer mehr wollen. Jeder hat gesehen, dass wir gut und eben keine Eintagsfliege sind“, sagte da Costa.

          Bereits vor dem Anstoß war erstmals Beifall in der Arena aufgebrandet. Die Eintracht nutzte die Gunst des Augenblicks, um in einem mit 46.500 ordentlich gefüllten Stadion eine Personalie zu verkünden, die bei vielen Fans auf Wohlgefallen stieß: Die Zusammenarbeit mit Makoto Hasebe geht weiter. Der Vertrag mit dem 34-Jährigen wurde bis Mitte 2020 verlängert. „Er ist nicht nur als Spieler, sondern auch als Typ für die Mannschaft sehr wichtig. Makoto ist das, was ich als einen Musterprofi bezeichnen würde“, begründete Sportvorstand Fredi Bobic die Entscheidung. „In Frankfurt und bei der Eintracht bin ich heimisch geworden. Wir haben noch viel vor, und da möchte ich gerne dabei sein“, lautete die Stellungnahme Hasebes, der sich wird gedulden müssen, bis er wieder aktiv mitmischen darf. Seine Blessur aus dem Europa-League-Spiel in Rom entpuppte sich bei näheren Untersuchungen als größere „Muskelverletzung“, wie Hütter sagte, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Nur so viel gab der Trainer preis. Den Jahresauslang werden sie definitiv ohne den Routinier bestreiten müssen: „Ich bin froh“, äußerte sich der Österreicher zurückhaltend, „wenn Makoto zum Beginn der Rückrundenvorbereitung wieder dabei sein kann.“ Am Montagmorgen gaben die Frankfurter noch eine Verlängerung bekannt: Marco Russ unterschrieb einen neuen Kontrakt, ebenfalls bis Mitte 2020.

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