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Eintracht Frankfurt bei Union : Achterbahnfahrt in Köpenick

Konnte das späte Unentschieden nicht verhindern: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp Bild: AFP

Ein Schuss „von einem anderen Planeten“ bringt die Eintracht um einen möglichen Sieg. Nach dem 3:3 bei Union Berlin üben sich die Verantwortlichen in Selbstkritik.

          3 Min.

          Der Kapitän wähnte sich irgendwie bei den Außerirdischen. Dabei wusste David Abraham ganz genau, wo er an diesem torreichen Samstagnachmittag gewesen ist: im Berliner Stadtteil Köpenick, bei den Eisernen von Union, im Stadion an der Alten Försterei. Dort hat sich Außergewöhnliches zugetragen. Abraham war mächtig beeindruckt. „Das war ein Schuss von einem anderen Planeten“, sagte der Spielführer der Frankfurter Eintracht über den Volltreffer von Max Kruse, der mit seinem Geniestreich in der 82. Minute die Hoffnungen der Hessen zunichte machte, den Berliner Osten als Sieger zu verlassen.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Am Ende hieß es 3:3 – und schon am Anfang eines turbulenten Fußballspiels wusste die Eintracht kaum, wie ihr geschah. Adi Hütter hatte es in seiner Frankfurter Zeit noch nicht erlebt, schon nach sechs Minuten durch die beiden Tore von Robert Andrich (2. Spielminute) und Max Kruse (6., Foulelfmeter) 0:2 in Rückstand zu liegen. „Wir hatten einen unglaublich katastrophalen Start und eine phänomenale Aufholjagd bis zum 3:2“, sagte der Eintracht-Trainer. „Max Kruse hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

          Hütter bedauerte, dass beim Torfestival in der Alten Försterei Zuschauer nicht erlaubt waren. „Es war ein so packendes Spiel“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer. Gehörigen Anteil daran gebührte nicht nur dem zweifachen Berliner Torschützen Kruse, über dessen 3:3 Hütter als „1000-Gulden-Schuss“ schwärmte. Auch auf André Silva, der es Kruse gleich tat und zweimal traf (27. und 37.), war ebenso Verlass wie auf Bas Dost (79.).

          Tag der späten Genugtuung

          Vor allem aber ein Eintracht-Profi spielte sich zurück ins Blickfeld: Daichi Kamada. Der Japaner kam wieder einmal schwer auf Touren und leistete sich anfänglich etliche Unzulänglichkeiten. Dann jedoch wurde Kamada von Minute zu Minute besser und erwies seinen Mannschaftskollegen mit zwei vorzüglichen Vorlagen torbringende Dienste. „Er hat sich gut zurückgekämpft und mit seinen beiden Assists zum Remis beigetragen“, lobte Hütter seinen 24 Jahre alten Spielgestalter. „Daichi hat dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt – genauso wie der ausgebuffte Kruse.“

          Es war der Tag der späten Genugtuung – und es war auch der Tag der Selbstkritik. Torhüter Kevin Trapp, dem ein schlimmer Lapsus beim 0:1 passierte, nahm sich ebenso wenig davon aus wie auch Martin Hinteregger. „Wir wissen ganz genau, dass das frühe 0:2 mit diesen zwei Fehlern nicht passieren darf“, sagte der zentrale Frankfurter Abwehrspieler, der einräumte: „ Bei der Elfmeterszene muss ich mich cleverer anstellen. Ich habe gewusst, dass er den Haken macht, aber trotzdem falsch agiert.“ Plausible Gründe, warum die Eintracht von Union vom Anpfiff an auf dem falschen Fuß erwischt wurde, hatte Hinteregger nicht. „Auch ich habe die ersten Minuten verschlafen und habe mich in den Zweikämpfen nicht gut angestellt“, räumte er ein und wusste: „ Für einen Stürmer reichen zwanzig schlechte Minuten von einem Verteidiger. Danach aber hat man den Stürmer nicht mehr viel gesehen, ich habe die Zweikämpfe gewonnen.“

          Wieder nicht gewonnen. Aber auch wieder nicht verloren. Zum vierten Mal in Folge schon unentschieden gespielt, zum sechsten Mal insgesamt in dieser Saison, in der bislang neun Runden absolviert sind. Hintereggers Vorschlag, eine Lösung dafür zu finden, „dass wir die Anfangsphasen nicht verschlafen“, soll auf fruchtbaren Boden fallen. Auch Hütter missfiel, dass seine wankelmütige Mannschaft zu Beginn wie paralysiert wirkte und überhaupt keine Bindung an das Spielgeschehen fand. Die ersten Minuten waren das Schlechteste, das man von der Eintracht zu sehen bekam – um kurz danach ins Staunen zu geraten. Diese Mannschaft kann sehr wohl Fußball spielen, und sie will auch, wie dies Hinteregger sagte, „in der Tabelle vorankommen. Aber wenn man sechs Spiele hintereinander nicht gewinnt, wird es schwer.“ Doppeltorschütze Silva, der sich mehr und mehr als großer Gewinn für die Eintracht erweist, sprach von einem „verrückten Spiel. Es war sehr emotional, eine Achterbahnfahrt der Gefühle“.

          Die Eintracht tritt auf der Stelle und findet sich nach dem sechsten Unentschieden als Tabellenneunter exakt in der Mitte der Liga wieder. Dass die Mannschaft lediglich einmal – 0:5 bei den Bayern – verloren hat, spricht für die Elf von Trainer Hütter. Andererseits „haben wir leider auch nur zwei Spiele gewonnen“, beklagte Dost, der sich nach dem zwischenzeitlichen 3:2 schon auf dem Weg in Richtung erstes Tabellendrittel wähnte. Doch dann kam aus der Tiefe des Raumes sein einstiger Mitspieler, mit dem er früher beim VfL Wolfsburg gemeinsame Sache gemacht hat. „Am Ende der Kruse“, sagte Dost fast schon resignierend. „Der kann einfach gut schießen, Traumtor.“ Eines, das der Eintracht schmerzt und nicht nachhaltig vorankommen lässt.

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